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"Cameron hat das Land ruiniert": In der Brexit-Debatte wird es für den britischen Premier ungemütlich

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CAMERON
"Cameron hat das Land ruiniert": In der Brexit-Debatte wird es für den britischen Premier ungemütlich | Getty
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  • Das britische Euro-Referendum rückt näher
  • Mittlerweile liegen die Befürworter des Brexit in den Umfragen vorn
  • EU-Fürsprecher David Cameron gerät immer stärker unter Druck

Das Referendum um den britischen Verbleib in der EU rückt näher. In weniger als zwei Wochen, am 23. Juni, werden die Briten an die Urne gebeten. Neuste Umfragen sorgen bei den Brexit-Gegnern für Beunruhigung. Ein Euroaustritt Großbritanniens scheint wahrscheinlicher denn je.

55 Prozent der Briten wollen laut einer Umfrage des Instituts ORB im Auftrag der Londoner Zeitung "The Independent“ für den Austritt aus der Europäischen Union stimmen. Lediglich 45 Prozent seien für den Verbleib in der Gemeinschaft, ergab die Online-Umfrage.

Umfrage mit Vorsicht zu genießen

Dies bedeutet einen deutlichen Anstieg der Zahl der Brexit-Befürworter: Noch im April hätten 51 Prozent für einen Austritt und 49 Prozent für einen Verbleib plädiert, schreibt die Zeitung am Samstag.

Für die Erhebung seien 2000 Briten am Mittwoch und Donnerstag online befragt worden, hieß es. Bereits kürzlich hatten Umfragen einen Anstieg der Zahl der Austrittsbefürworter registriert. Experten meinen jedoch, die Umfragen seien mit Vorsicht zu genießen.

Cameron steht im Kreuzfeuer

Indes spitzt sich die Rhetorik beider Interessenparteien weiter zu. Bei einer Debatte mit Wählern musste sich der britische Premierminister am Freitag wüste Beschimpfungen anhören. Eine junge Frau warf dem Vorsitzenden der britischen Konservativen in wenig blumigen Worten vor, er habe "das ganze Land ruiniert“.

Die junge Dame erklärte zwar, sie stimme trotzdem für den EU-Verbleib, entlockte Cameron aber die Erkenntnis: "Ich sehe, ich muss noch einige Menschen überzeugen.“

Boris Johnson nimmt Cameron ins Visier

Auch zwischen Cameron und seinem Parteikollegen, dem ehemaligen Londoner Bürgermeister Boris Johnson, ist längst eine regelrechte Schlammschlacht entbrannt.

Der frühere Londoner Bürgermeister hat sich erfolgreich als Galionsfigur der Austrittsbefürworter etabliert - und ist zum direkten Gegenspieler Camerons avanciert. Vor einigen Wochen hatte Johnson mit seiner Aussage für Wirbel gesorgt, die EU wolle den Superstaat - wie einst Napoleon und Hitler.

Cameron griff Jonson daraufhin scharf an: Dieser verbreite "totale Unwahrheiten“.

Viele Gegner, wenig Freunde

Auch aus anderen Parteien kann Cameron nur bedingt auf Unterstützung hoffen. Denn: Ein waschechter EU-Fan ist auch der linke Labour-Chef Jeremy Corbyn nicht. In der Vergangenheit reihte er sich eher unter den Gemeinschafts-Skeptikern ein.

Auch jetzt spricht er von Mängeln und Schwächen der Union. Doch es gebe keine Alternative: Man könne die EU nur reformieren und verbessern, wenn man dabei sei. Daher kämpft Corbyn jetzt für den Verbleib. Doch er ist angeschlagen, jüngst musste die Labour-Partei bei Regional- und Kommunalwahlen Schlappen einstecken.

Mit Ukip-Chef Nigel Farage hat sich ein Populist in Position gebracht, der großspurig und scharf gegen den EU-Verbleib wettert. Bei vielen gilt Farage bereits als "Mr. Brexit“. Bereits während seiner Zeit bei den Tories war er Gegner der EU.

Als London 1992 dem Maastricht-Vertrag beitrat, verließ er die Partei und gründete Ukip. EU und Immigration sind die Leib- und Magenthemen des begabten Rhetorikers, der ebenfalls keine Spitze scheut.

Experten warnen vor Brexit

Das Eis scheint dünner zu werden für Cameron und diejenigen, die wie er für einen Verbleib werben. Dabei warnen Wirtschaftsexperten immer wieder vor den fatalen Konsequenzen des Brexit. Und diese gelten für die Briten ebenso wie für die gesamte Europäische Union.

Die hohe Unsicherheit nach einem Austritt hätte zwar stärkere Auswirkungen auf Großbritannien als auf die EU, wie der Chef des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Achim Wambach, der Deutschen Presse-Agentur sagte.

Auch die EU würde leiden

"Dennoch wird ein Brexit auch an Europa nicht spurlos vorbeigehen: In Großbritannien leben 13 Prozent der Einwohner von Europa und Großbritannien macht 17 Prozent der Wirtschaftskraft aus - ein Ausstieg wird für Europa nicht leicht zu verkraften sein.“

Das Problem sei, dass niemand wisse, was genau nach einem Austritt der Briten passieren würde. "Es ist noch nicht einmal klar, wie lange die Verhandlungen von Großbritannien mit der EU nach einem Brexit dauern würden", sagte der Ökonom. "Ob die Unsicherheit nun zwei oder vier Jahre anhalten würde, ist sehr schwierig vorherzusagen.“

Mit Material der dpa.

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(MAST/LK)