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Dieser 21-Jährige will die Ozeane von Plastikmüll befreien - der Plan ist weniger verrückt, als er klingt

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Der 21-jährige Boyan Slat sorgte bereits im vergangenen Jahr weltweit für Furore. Denn er hatte einen äußerst ehrgeizigen Plan: Die Ozeane von Plastik zu befreien. Nun ist er ist der Umsetzung seiner Idee in die Tat einen Schritt näher gekommen. Seine Stiftung hat 1,5 Millionen Euro gesammelt, um die von ihm entwickelte Technologie diesen Sommer unter Realbedingungen in der Nordsee zu testen.

Slat ist Gründer und Präsident von The Ocean Cleanup, einer Stiftung, die sich der Entwicklung fortschrittlicher Technologien verschrieben hat, die die Ozeane von Plastikmüll befreien sollen. Die letzten drei Jahre hat er daran gearbeitet, eine riesige Unterwasser-Barriere zu entwickeln, die Plastik sammelt und aus den Meeren entfernt.

Die Idee funktioniert folgendermaßen: Die V-förmige Unterwasserwand pfercht vorbeitreibenden Plastikmüll in einem bestimmten Bereich ein, so dass er einfacher entfernt und recycelt werden kann.

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Eine Simulation der Technik nahe der japanischen Insel Tsuschima, wo The Ocean Cleanup 2017 hofft, eine Testeinheit aufstellen zu können.
(credit: The Ocean Cleanup)

70 Millionen Kilo Müll könnten aus den Meeren gefischt werden

Wenn Slats Technik erfolgreich umgesetzt wird, dann könnte sie in zehn Jahren fast die Hälfte des Plastikmülls im Pazifischen Ozean entfernen, Schätzungen der Stiftung zufolge sind das fast 70 Millionen Kilo Müll. Andere derzeitige Kampagnen bräuchten bis zu 79000 Jahre, um den gleichen Effekt zu erzielen, so Slat.

Die Technik würde viel dazu beitragen, dem Planeten zu helfen, denn gegenwärtig würden in den Ozeanen ohne Reformen im Jahr 2050 mehr Plastik als Fische schwimmen.

Bevor aber ein 50km langer Damm im Pazifik errichtet werden kann, muss die Technik in kleinerem Rahmen getestet werden. Und hier kommt im Sommer die Nordsee ins Spiel.

Slat hat der Huffington Post ein exklusives Interview gegeben, in dem er über den gegenwärtigen Stand seiner verrückten Idee spricht, die Weltmeere zu säubern.

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(credit: The Ocean Cleanup)

Also, wie funktioniert das nun tatsächlich?

Das ist jetzt das erste Mal, dass wir die Technik unter realen Bedingungen testen. Als mir im Jahr 2012 das erste Mal diese Idee kam, mussten wir erstmal abwarten, ob es überhaupt funktionieren würde.

Wir haben eine Expedition gestartet um zu sehen, wie viel Plastik sich tatsächlich zurzeit in den Ozeanen befindet. Mit 30 Booten sind wir von Hawaii nach Kalifornien gesegelt, mitten durch die pazifische Müllhalde, und wir haben mehr Plastik gefunden, als wir gedacht hatten. Ungefähr zehn Tonnen mehr.

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Die Ocean Cleanup-Boote auf ihrer Mega-Expedition im Pazifik.
(credit: The Ocean Cleanup)

Dann mussten wir die Technik in einem überwachten Raum testen, produzierten Wellen, Strömungen und Wind, simulierten reale Bedingungen. Dieser Schritt jetzt soll die letzte Prüfung für unsere Idee sein. In der Nordsee treten stärkere Stürme als im Pazifik auf, wenn die Technik hier überlebt, dann überlebt sie überall.

Der Prototyp ist 100 Meter lang und erstreckt sich 1,5 Meter über und 1,5 Meter unter dem Wasser. Ein Jahr lang bleibt sie in betrieb.

Welche Probleme müssen noch gelöst werden?

Selbst wenn es funktioniert, bleibt immer noch folgende Frage: Wir kriegen wir das Plastik aus dem Ozean, und was machen wir dann damit? Für unser Extraktionssystem starten wir daher wahrscheinlich 2017 in Japan ein Pilotprojekt.

Wenn das klappt, dann war das der letzte Schritt, um das Projekt 2020 in vollem Umfang ins Leben zu rufen.

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(credit: The Ocean Cleanup)

Regierungen ist es nicht geglückt, die Meere zu säubern, wieso kannst Du es dann schaffen?

Die wirkliche Frage ist doch, wie kann man es nicht versuchen? Wenn man sich mitten auf dem Meer befindet, dann sollte es sprudeln vor Meeresleben. Was man aber tatsächlich sieht sind Konzentrationen von 10000 Mal mehr Plastik als natürlichem Meeresleben.

Was bedeutet das wirklich – was würde passieren, wenn, sagen wir mal, das Plastik einfach Plastik sein lassen?

Plastik dringt in unsere Nahrungskette ein, das betrifft dann auch uns Menschen. Jedes Jahr verursacht es Schäden in Milliardenhöhe: der Tourismus, die Fischereiindustrie, sie alle leiden darunter. Nach unseren Schätzungen ist es sogar günstiger, die Meere mit unserem System zu reinigen, als einfach alles so zu lassen, wie es grade ist.

Du trägst die Last also alleine, oder hast Du Hilfe?

Die Regierungen beginnen, die Sache ernst zu nehmen. Deshalb hat die niederländische Regierung einen Teil der 1,5 Millionen Euro, die wir für unseren Test in der Nordsee benötigen, übernommen.

Und nicht nur die Regierung, sondern auch die Offshore Öl- und Gasindustrie. Boskalis, ein Unternehmen aus den Niederlanden, übernimmt auch einen Teil der Kosten.

Wir werden es nie schaffen, die Ozeane komplett zu reinigen, aber jedes kleine Stück Plastik weniger zählt.

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Slat hält einen Beutel voll Plastik, das sie auf ihrer Expedition gesammelt haben. (credit: The Ocean Cleanup)

Die Hälfte des Plastikmülls aus dem Pazifik zu holen hört sich toll an, aber was ist mit den anderen Ozeanen? Was muss noch getan werden?

Derzeit besteht der meiste Plastikmüll in den Meeren aus großen Stücken. 95 Prozent sind große Teile. Und deshalb ist es so wichtig, jetzt mit der Reinigung zu beginnen:

Diese großen Teile werden mit der Zeit in kleinere Stücke zerbrechen, irgendwann wird daraus Mikroplastik. Das ist die gefährlichste Form, eine tickende Zeitbombe.

Es gibt zwei Dinge, die wir Menschen jetzt tun müssen: erstens: den Plastikmüll beseitigen. Und das machen wir mit The Ocean Cleanup. Aber wir müssen auch dafür sorgen, dass nicht noch mehr Plastik in den Ozeanen landet.

Dafür gibt es nicht die eine Lösung, sondern eine Kombination von Faktoren: Es ist eine Frage des Bewusstseins, aber auch von Technologie und Gesetzgebung.

Eine Kombination dieser drei Faktoren kann vielleicht dazu führen, dass wir in weniger als zwanzig Jahren die Ozeane gesäubert haben werden.

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(credit: The Ocean Cleanup)


Dieser Artikel erschien zuerst in der Huffington Post USA und wurde von Cornelia Lüttmann aus dem Englischen übersetzt.

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