POLITIK
10/06/2016 19:13 CEST | Aktualisiert 12/01/2017 18:22 CET

Putschplan gegen Merkel: Wie ein Teil der SPD-Spitze die GroKo hochgehen lassen wollte

dpa
Putschplan gegen Merkel: Wie ein Teil der SPD-Spitze die GroKo hochgehen lassen wollte

  • Nach dem Gauck-Rückzug sucht SPD-Chef Gabriel offenbar händeringend einen Nachfolger aus seinem Lager

  • Offenbar wollte ein Mitglied der SPD-Spitze die Nachfolgedebatte für einen Putschplan gegen Merkel nutzen

  • Laut einem Bericht war Gabriel die Angelegenheit jedoch zu heiß

Wer beerbt das Amt von Bundespräsident Joachim Gauck? Es ist eine Frage, die jetzt schon Politikum ist - und die in den kommenden Monaten für weiteren Ärger innerhalb der großen Koalition sorgen dürfte.

Die Union will keinen SPD-Kandidaten, die SPD keinen Merkel-Schutzbefohlenen. Dabei braucht die zerstrittene GroKo derzeit alles - nur keine Debatte über ein politisches Vakuum an der Spitze des Landes.

Gabriel will signalisieren: Es gibt eine linke Machtoption in Deutschland

Bei der Suche nach einem neuen Partei-Image scheint SPD-Chef Sigmar Gabriel derzeit besonders darum bemüht zu sein, einen rot-rot-grünen Kandidaten ins Spiel zu bringen - auch wenn er öffentlich zur Zurückhaltung in der Nachfolgedebatte aufruft.

Ein ge­mein­sa­mer Kan­di­dat von SPD, Grü­nen und Lin­ken soll Merkel womöglich signalisieren: Es gibt eine linke Machtoption in der Bundesrepublik.

Ein Mitglied der engeren SPD-Parteiführung wollte das Polit-Geschacher um die Gauck-Nachfolge kürzlich gar dazu nutzen, um den ganz großen politischen Knall im Berliner Regierungsviertel auszulösen.

Mitglied der SPD-Parteiführung wollte Koalition platzen lassen

Wie der "Spiegel" berichtet, habe das (namentlich nicht genannte) Mitglied der SPD-Parteispitze einen Putschplan bei Gabriel hinterlassen. Für den Fall, dass Mer­kel weiterhin auf ei­nem Uni­ons­po­li­ti­ker als Prä­si­dent­schafts­kan­di­da­ten be­har­re, sol­le man die­se "Pro­vo­ka­ti­on“ zum An­lass neh­men, die Ko­ali­ti­on plat­zen zu las­sen - und auf Neu­wah­len zu­zu­steu­ern, berichtet das Blatt.

Gabriel war dieses Vorhaben offenbar zu heiß - laut dem Magazin wollte er nicht so weit gehen und den Putschgedanken seines Parteikollegen weiter verfolgen.

Gabriel mahnt in Mail an Parteivorstand, "cool zu bleiben"

Wie wichtig Gabriel die Gauck-Nachfolge jedoch weiterhin ist, zeigen Mails des SPD-Chefs an seine Vorstandsmitglieder, aus denen der "Spiegel" zitiert. Darin mahnt Gabriel, "cool zu blei­ben und ab­so­lu­te Ruhe zu be­wah­ren“. Je­der Name, der jetzt ge­nannt wer­de, sei "so­fort ver­brannt“.

So et­was, schrieb Ga­bri­el, "ge­fähr­det denk­ba­re Bünd­nis­se“.

In der großen Koalition wurde die Personaldebatte nach der Rückzugsankündigung von Gauck zuletzt immer gereizter. SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann schloss am Dienstag aus, dass nach jetzigem Stand ein CDU-Politiker ins Schloss Bellevue einziehen werde - weil die Union ja auch keinen Sozialdemokraten wolle.

Oppermanns Amtskollege Volker Kauder (CDU) reagierte wütend: Er rate jedem, sich in der Frage zurückzuhalten.

Gauck hatte mit seiner Ankündigung die Parteien unter Zugzwang gesetzt. Zwar betonten alle unisono, sie wollten aus Respekt vor Amt und Amtsinhaber keine hektische Nachfolgediskussion.

Allerdings werden schon etliche Namen gehandelt: etwa Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU), Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Andreas Voßkuhle.

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