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Identitäre stürmen Uni-Vorlesung und lassen sich von falschen Muslimas steinigen

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  • Eine Gruppe der radikalen Identitären-Bewegung hat eine Vorlesung im österreichischen Klagenfurt gestürmt
  • Die Männer attackierten den Rektor und schlugen ihm in die Magengrube
  • Im Hörsaal wurde eine Steinigung inszeniert, ausgeführt von als Muslimas verkleidete Männer

Eine Gruppe von Identitären hat am Donnerstag eine Vorlesung an der Universität Klagenfurt gestürmt. Die Nachrichtenseite "Oe24.at" berichtet unter Berufung auf die österreichische Nachrichtenagentur APA, am Nachmittag seien zehn teils verkleidete Männer in den Hörsaal eingedrungen.

Der anwesende Rektor Oliver Vitouch habe sie zum Gehen aufgefordert, sie hätten den Saal aber erst verlassen, nachdem er die Polizei gerufen habe.

Der Rektor habe einen der Männer festhalten wollen, sei aber bedroht worden und habe einen Schlag in die Magengrube erhalten, den er gegenüber der APA allerdings als "leicht verschmerzbar" beschrieb. Er habe die Identität des Identitären feststellen wollen, erklärte Vitouch demnach.

Die Identitären sorgen seit Monaten in Österreich mit ihren Aktionen für Schlagzeilen. Die Gruppe mit Verbindungen zu rechtspopulistischen Parteien wie der FPÖ und AfD ist auch in Deutschland aktiv und wird in einigen Bundesländern vom Verfassungsschutz beobachtet. In Deutschland sollen ihre Mitglieder auch Kontakte zu Rechtsextremen haben.

Störenfriede waren zum Teil verkleidet, einer trug eine Burka

Die Anhänger der Bewegung seien verschiedentlich verkleidet gewesen, heißt es in dem Bericht weiter. Einer war in mittelalterliche Kleidung gehüllt, ein anderer trug eine Burka. Wie "Oe24" unter Berufung auf die Polizei berichtet, inszenierten die Männer in dem Hörsaal mit Stücken aus Styropor eine Steinigung.

Passend zum Thema: Identitäre Bewegung - das lächelnde Gesicht der Neuen Rechten

Die Identitären schreiben dazu auf ihrer Facebook-Seite:

"Die Integration, die uns vorgegaukelt wird, ist de facto ein Multikulturalismus, der zu Islamisierung und zum Großen Austausch führt. Am Ende der Entwicklung steht ein vollkommen fremdes Land, wie wir es heute schon in vielen Bezirken der europäischen Großstädte sehen können.

Um diese drastische Entwicklung zu veranschaulichen, wurde ein österreichischer Patriot in einen Pranger gesperrt und von Burka-Frauen mit Steinen beworfen."



Nach Ansicht des Rektors war die Aktion genau geplant. "Ich bin gegen 17.30 Uhr über die Störaktion informiert worden und sofort vom Rektorat in den Hörsaal gelaufen, wo gerade eine Ringvorlesung zum Thema Flucht und Asyl gehalten wurde", sagte Vitouch gegenüber der APA.

Anwesende nahmen den Zwischenfall mit dem Smartphone auf

Mehrere Anwesende hätten den Vorfall mit ihrem Smartphone aufgenommen. Es dürfe also genügend Zeugen gegen, um die Störenfriede zu identifizieren, so der Rektor.

Der österreichische Grünen-Politiker Matthias Köchl etwa postete ein Video (siehe oben) auf YouTube.

Die Identitären sind in den vergangenen Monaten in Österreich vermehrt durch ihre Aktionen aufgefallen. So besetzten sie eine Parteizentrale in Graz und organisierten einen Flashmob in einem Theater sowie eine Mahnwache für Gewaltopfer.

Verfassungsschutz beobachtet die Bewegung

Gerade rund um den Präsidentschaftswahlkampf, bei dem der rechtspopulistische FPÖ-Mann Norbert Hofer nur knapp dem Grünen-nahen Kandidaten Alexander Van der Bellen unterlag, trat die Bewegung immer häufiger in Erscheinung.

Die österreichische Zeitung "Die Presse" beschreibt ihre Anhänger als meist männlich, zwischen 20 und 30 Jahren alt und modisch gekleidet.

Äußerlich haben die Mitglieder der Identitären Bewegung Österreich (IBÖ) also nur wenig mit dem Bild von klassischen Neonazis gemein. Auch sprachlich distanzieren sich ihre Anhänger - wie viele andere aufkommende rechtspopulistische Bewegungen in Europa - vom rechtsextremen Jargon. "Statt 'Ausländer raus'-Parolen werden Begriffe wie Überfremdung, Remigration und Gefährdung der Kultur verwendet", schreibt die "Presse".

Diese verschleierte rechte Denkweise macht die Bewegung umso gefährlicher. Die IBÖ hat starken Zulauf.

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(ben)