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Lasst die Spiele beginnen: Warum diese Fußball-EM zum Lebensretter für die Idee Europa werden könnte

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Lasst die Spiele beginnen: Warum diese Fußball-EM zum Lebensretter für die Idee Europa werden könnte | AP
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Macht euch bereit. Stellt das Bild am Fernseher schärfer und haltet die Biervorräte kalt. Haltet Augen und Ohren offen, und vor allem euer Herz. Diese Europameisterschaft wird anders als alles, was wir bisher erlebt haben.

Inmitten der größten Krise, die EU-Europa je erlebt hat, treffen sich die stärksten Nationalmannschaften des Kontinents, um einen neuen Fußball-Europameister zu ermitteln.

In den kommenden vier Wochen werden wir Fans aus 24 Ländern mit ihren Mannschaften hoffen sehen. Wir lernen Mannschaften aus Island, Rumänien und Albanien kennen. Werden Geschichten von Außenseitern lieben, die etablierte Teams in Gefahr bringen.

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Nach der Vorrunde werden wir womöglich mit Belfast nicht mehr nur die Titanic und den Terror der IRA verbinden, und Tirana könnte in unseren Augen keine Stadt mehr am Ende von Europa sein.

Nie war die völkerverbindende Wirkung des Fußballs wichtiger

Niemals nach dem Zweiten Weltkrieg war die völkerverbindende Wirkung des Fußballs wichtiger als heute. Und selten war die Chance so groß, dass sie auch ihre Wirkung entfalten könnte.

Zwar war Europa auch schon während der EM 2012 in der Krise. Euro-Rettung, die Griechenland-Hilfen. Aber das war vor den Erstarken der rechtspopulistischen Parteien in Westeuropa.

Die AfD war noch nicht gegründet, die UKIP eine eher unbedeutende Kleinpartei in Großbritannien. Der Front National kam bei Wahl zur französischen Nationalversammlung auf knapp 14 Prozent der Stimmen, und die FPÖ war im Juni 2012 lediglich drittstärkste Kraft in Österreich.

Die Zeiten haben sich geändert. In Deutschland etwa gelang es der AfD, in der vergangenen Woche mit immer dreisteren Verletzungen der demokratischen Werte den Diskurs zu bestimmen. In Frankreich könnte der Front National im kommenden Jahr die Präsidentin stellen.

Und in Österreich war eine Koalition aller demokratischen Kräfte nötig, um die Wahl des FPÖ-Kandidaten Norbert Hofer zum Bundespräsidenten zu verhindern.

Wir haben viel zu viel darüber geredet, was uns in Europa trennen könnte. Und womöglich vergessen, wie viel Freude uns dieser vielfältige Kontinent machen kann.

Die Scharfmacher haben Sendepause

Zum Glück haben die politischen Scharfmacher nun Sendepause. Wenigstens für die Tage der Europameisterschaft.

Als Deutschland im Jahr 2006 die Weltmeisterschaft ausrichtete, arbeiteten die Gastgeberstädte intensiv an Konzepten, wie sie das Image ihrer Regionen gewinnbringend an das Fußballpublikum vermitteln können. Mit großem Erfolg. Und genauso werden wir nun Frankreich mit neuen Augen kennen lernen.

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Auf den Straßen Frankreichs werden sich Fans aus so unterschiedlichen Ländern wie Polen, Schweden, Portugal und Ungarn treffen. Und in einer ruhigen Minute haben sie die Möglichkeit festzustellen, dass dieses Europa gar nicht so unterschiedlich ist.

Es ist dieses Verbindende, dass große Fußballturniere zu einem großen Moment machen kann.

Und das Schönste ist: Die rechten Angstmacher können nichts dagegen tun. Sie müssen zuschauen, wie ganz Europa das Gemeinsame entdeckt. Und sei es erstmal nur die Leidenschaft für den Fußball.

Eine größere Niederlage haben die Gaulands, Hofers und Kaczynskis lange nicht mehr erlebt. Ihnen wird niemand zuhören. Was für ein Fest.

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