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Dieser Syrer hat eine Botschaft an alle, die den Islam für undemokratisch halten

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Passt der Islam zur Demokratie? Diese Frage beschäftigt Deutschland.

Unter Muslimen und Nicht-Muslimen gibt es dazu verschiedenste Ansichten. Der Zentralrat der Muslime warnt, den Islam nicht mit einer politischen Ideologie gleichzusetzen. Die AfD fährt währenddessen weiter ihren Anti-Islam-Kurs. “Der Islam gehört nicht zu Deutschland” schreibt sie in ihrem Grundsatzprogramm. Die anderen Parteien verurteilten den harten Kurs der AfD.

Im Videokommentar oben bezieht nun ein Muslim Stellung: Tarafa Baghajati, der Obmann der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen (IMÖ), erklärt das Demokratieverständnis des Islams und der Muslime.

Einen Nachteil der Politik in der islamischen Gesellschaft sieht Baghajati in der Schūrā, der Urteilsberatung – ein Grundsatz im islamischen Recht. Diese sei wichtig, um den besten politischen Weg für die Gesellschaft zu finden, aber nicht als Regierungsform geeignet, da es sich um eine Beratung durch hohe Rechtsgelehrte handelt, die ihre Expertise in religiösen als auch weltlichen Fragen anbieten. Durch diese reine Entscheidungsmacht von oben entstehe eine Legitimationslücke.

Um diese Lücke zu füllen, benötige es demokratische Prozesse, so Baghajati. Sie ermöglichen es, Dinge zu reflektieren, zu hinterfragen und zu diskutieren – erst dann sei man auf dem richtigen islamischen Weg.

Diese drei Klischees über Muslime und Demokratie widerlegt er

Unter Muslimen gebe es teils eine Ablehnung gegen die Demokratie. Baghajati widerlegt drei Argumente muslimischer Demokratie-Gegner und deutscher Islamkritiker:

1. Der Koran gibt vor, negativ über Nicht-Muslime zu urteilen. Der Koran richte sich laut Baghajati nicht gegen die Demokratie, da diese zwischen Religion und Staat trenne. Der Glauben der Muslime als Religionsgemeinschaft sei somit innerhalb der Demokratie jederzeit geschützt.

2. Die Demokratie lehnt den Islam ab. Baghajati erläutert, innerhalb einer Demokratie genieße der Islam – egal, ob er die religiöse Mehrheit oder Minderheit ist – den Schutz und die gleichen Rechte wie jede andere Religion. Andernfalls wäre es eine Diktatur einer religiösen oder ethnischen Mehrheit.

3. Muslime erkennen die Demokratie nur an, um dem Westen zu gefallen. Dieser Vorwurf sei nach Baghajati falsch, da es beim Demokratiebestreben um Grundrechte wie Menschenwürde, Freiheit und Freizügigkeit gehe – und nicht darum, jemandem zu gefallen.

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