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"Vor ihren Augen": Julia Roberts übt gnadenlos Rache

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Ray (Chiwetel Ejiofor) will den Mörder von Jess' (Julia Roberts) Tochter fassen

"Vor ihren Augen" ist ein Thriller, der mit dem Albtraum eines jeden Polizisten beginnt: Man wird an einen Leichenfundort gerufen, um festzustellen, dass es das eigene Kind ist. Dieser Moment geht unter die Haut. Doch dann verstrickt sich die Story und lässt einen am Ende unbefriedigt zurück.

Aus Mangel an Beweisen

Julia Roberts ist eine der bestbezahlten Schauspielerinnen in Hollywood - wie viel sie für eine Minute Filmzeit bekommt, erfahren Sie hier

Die beiden ehrgeizigen FBI-Ermittler Ray (Chiwetel Ejiofor) und Jess (Julia Roberts) sind ein eingespieltes Team und arbeiten eng mit der, für sie zuständigen, Staatsanwältin Claire (Nicole Kidman) zusammen. Doch dann wird eines Tages Jess' jugendliche Tochter auf brutale Weise und scheinbar ohne jegliches Motiv ermordet... Als sie glauben, den Mörder gefunden zu haben, müssen sie ihn, aus Mangel an Beweisen laufen lassen.

13 Jahre später, in denen Ray jeden Tag wie besessen versucht hat, den schwer zu fassenden Täter zu finden, stößt er auf eine neue Spur. Er ist sich sicher, den Fall endlich lösen zu können, den grausamen Mörder zu überführen und mit seinem Team, den lang ersehnten Schlussstrich ziehen zu können. Doch niemand ist auf das schockierende und entsetzliche Geheimnis vorbereitet, das die Ermittler erwartet und keinen Zweifel daran lässt, welch zerstörerische Wirkung persönliche Rache auf die menschliche Seele haben kann.

Fast ein wenig unscheinbar

Wenn Julia Roberts vom Tod ihrer Tochter erfährt, läuft es einem kalt den Rücken hinunter. Ihre Mimik und Gestik gehen unter die Haut, da dürfte kein Auge trocken bleiben. Die Oscar-Gewinnerin zeigt in diesen wenigen Minuten, warum sie eine der besten Schauspielerinnen der Welt ist. Den Rest des Films verstummt ihr Glanz, zwar passend zur gebeutelten Mutter, die sie spielt, aber so unscheinbar, dass man fast vergisst, dass sie ein Teil des Films ist.

Weder Roberts noch Nicole Kidman haben viel On-Screen-Time. Chiwetel Ejiofor recherchiert getrieben von Schuldgefühlen als Einzelkämpfer, um den Mord an Roberts' Tochter aufzuklären. Die knisternde Erotik zwischen ihm und Kidman ist zum Greifen nahe, doch bleibt ihre Chemie aufgrund der anderen Plot-Details auf der Strecke.

Ein offenes Ende?

Es geht um den Mord an einer Polizisten-Tochter, um Terrorismus, um die Bekämpfung von Terrorismus und was damit einhergeht, um das Beseitigen von Beweisen, um Rache, um Vergeltung, um die Lücken im Rechtsstaat, um Gerechtigkeit, um Ungerechtigkeit und um unterdrückte Gefühle, um Karrierechancen,... Die Liste ist endlos. Und genau das ist das Problem an "Vor ihren Augen".

Die Plot-Details sind verwirrend, was durch das Hin- und Herspringen zwischen verschiedenen Zeitzonen bedingt ist. Einige Aspekte werden vorab geklärt, andere erst zu spät aufgedeckt. Es gibt zu viele Details, die am Ende in das große Ganze nicht mehr hineinpassen. Man hätte sich auf einen Handlungsstrang konzentrieren sollen, mehr Zeit darauf verwenden sollen, die Figuren auszubauen und deren Beziehung(en) zueinander - vor allem bei diesen drei Schwergewichten!

Stattdessen wurden weitere Handlungen und Verwicklungen in das Drehbuch gepackt, die am Ende nicht unbedingt Sinn ergeben. Die Auflösung schockiert - und hinterlässt ein Meer aus weiteren Fragen. Man hätte sich mehr erwartet.

Fazit

"Vor ihren Augen" ist ein guter Thriller, der aber noch besser hätte ausfallen können. Man bleibt ein wenig unbefriedigt zurück.