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Wolfgang Schäuble zur Flüchtlingspolitik: "Abschottung würde uns in Inzucht degenerieren lassen"

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  • In einem Interview mit der "Zeit" äußert sich Wolfgang Schäuble kritisch zur europäischen Außen- und Migrationspolitik
  • Eine Abschottung würde Deutschland "kaputt machen"
  • Schäuble äußerte Verständnis für nordafrikanische Staaten, die sich weigern, Asylbewerber zurückzunehmen

Gerade stellte die EU-Kommission mit dem „Migrationspakt“ ein neues Konzept für die europäische Außenpolitik vor. Jetzt äußerte sich Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble zum Umgang mit der arabischen Welt und Afrika und fand überraschend deutliche Worte - auch zur deutschen Flüchtlingspolitik.

Schäuble erteilte in der "Zeit“ den Vorstellungen eine Absage, Europa solle sich gegenüber Einwanderung abschotten: „Die Abschottung ist doch das, was uns kaputt machen würde, was uns in Inzucht degenerieren ließe.“

Schäuble: "Muslime sind eine Bereicherung"

In dem Interview trägt Schäuble eine erstaunlich positive Sicht auf die Zuwanderung vor – auch auf die von Muslimen: "Für uns sind Muslime in Deutschland eine Bereicherung unserer Offenheit und unserer Vielfalt“, sagte der CDU-Politiker. "Schauen Sie sich doch mal die dritte Generation der Türken an, gerade auch die Frauen! Das ist doch ein enormes innovatorisches Potenzial!“

Außenpolitisch müsse man dennoch beginnen, sich stärker um die Problemregionen zu kümmern. "Afrika wird unser Problem sein, wir müssen diese Aufgabe annehmen“, so Schäuble. "Hart gesagt, hat uns der Mittlere Osten Afrika vom Hals gehalten. Das ist jetzt vorbei.“

Europa müsse mehr investieren

Die reichen Länder müssten sich viel mehr den benachteiligten Regionen zuwenden: "Die Aufgabe in der globalisierten Welt wird sein, noch einmal eine maßvolle Revolution, einen grundlegenden Wandel ohne Übertreibung zu schaffen“, so Schäuble.

Europa müsse daher beginnen, mehr im Irak, in Syrien und in Libyen zu investieren. Auch in der Subsahara müsse mehr Entwicklungshilfe geleistet werden. Schäuble erklärte: “Dann machen wir vielleicht endlich ein paar Marktöffnungen. Die Nordafrikaner verlangen das jetzt von uns, wenn sie Flüchtlinge zurückhalten. Aber die haben doch auch recht!“

Schäuble dürfte Kritik aus den eigenen Reihen ernten

Mit dieser Meinung dürfte Schäuble sich auch in der Unionsfraktion nicht nur Freunde machen. Die CDU pocht seit Monaten darauf, die Rückführungen von nordafrikanischen Asylbewerbern effektiver zu gestalten, wodrauf auch der gestern vorgestellte Migrationspakt der EU einzahlen soll.

Auch bei der G 7 werde Schäuble von seinen Kollegen gelegentlich "ein bisschen belächelt“, verriet dieser. So etwa, wenn er sage, "eigentlich brauchen wir doch gar nicht mehr so viel Wachstum. Lasst uns doch lieber die aufstrebenden Ökonomien des Südens stärker fördern. Das passt manchem nicht, wenn ich das sage.“

Kritik ließ nicht lange auf sich warten

Kritik an Schäubles Worten folgte prompt - unter anderem von der Alternative für Deutschland:

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