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"Prinzessin ist ein harter Job" - und das ist für Royal-Expertin Julia Melchior der Grund

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Royal-Expertin Julia Melchior erklärt den Unterschied zwischen dem Leben einer Prinzessin im Märchen und jenem in der Realität

Am Wochenende richten sich nicht nur alle Blicke zur Fußball-Europameisterschaft nach Frankreich, sondern viele auch nach London. Denn dort wird mit der alljährlichen Parade "Trooping the Colour" (11. Juni) endlich auch ganz offiziell der 90. Geburtstag von Queen Elizabeth II. gefeiert: Was wird Herzogin Kate (34) wohl tragen? Hat Prinzessin Charlotte (1) ihren ersten Auftritt auf dem Balkon des Buckingham Palace? Diese und ähnliche Fragen stehen dann im Mittelpunkt. In jedem Fall werden wieder viele Mädchen ins Schwärmen geraten und sich wünschen, auch eine Prinzessin sein zu können. Dieser Mädchentraum unterscheidet sich allerdings deutlich von der Realität. Was den Unterschied ausmacht, erklärt Royal-Expertin Julia Melchior im Interview mit spot on news.

Worin unterscheidet sich das Leben einer echten Prinzessin von dem, was sich kleine Mädchen darunter vorstellen?

Wie Herzogin Kate ihren Job meistert, sehen Sie in diesem Video bei Clipfish

Julia Melchior: Ich erlebe immer wieder, dass kleine Mädchen enttäuscht darüber sind, dass die Königinnen und Prinzessinnen nicht immer eine Krone tragen. Die tragen sie aber einfach nur zu wenigen und ganz bestimmten Anlässen. Davon gibt es vielleicht eine Handvoll im Jahr: Staatsempfänge, die Eröffnung des Parlaments...

Und der zweite große Unterschied?

Melchior: Der zweite große Unterschied ist, dass das Leben einer Prinzessin nicht so märchenhaft ist, sondern ein harter Job. Und das rund um die Uhr, weil man immer in der Öffentlichkeit steht. Immer positiv und wohltätig zu sein und mit den besten Manieren aufzutreten, ist sehr anstrengend. Außerdem kann man nicht über sich selbst bestimmen. Kate kann nicht sagen: "Ich habe heute keine Lust und gehe mit meinen Freundinnen shoppen." Natürlich nehmen sie sich ihre Freiräume, im Großen und Ganzen sind sie aber fremdbestimmt. Wenn sie ihre vielen Termine nicht wahrnehmen und sich nicht oft genug in der Öffentlichkeit zeigen, wird sofort gemeckert.

Herzogin Kate, die bürgerliche Ehefrau von Prinz William, ist sehr beliebt. Könnte jemand aus der ursprünglichen royalen Familie eifersüchtig werden - vielleicht sogar William selbst?

Melchior: Herzogin Kate macht wirklich einen hervorragenden Job. Und Prinz William kann eigentlich nur sehr stolz sein auf seine Frau. Denn sie ist ein absoluter Zugewinn an Ansehen für die Monarchie. Insofern glaube ich nicht, dass es zwischen dem Ehepaar ein Kompetenzgerangel gibt. Dass die Frauen in den Königshäusern vielmehr Aufmerksamkeit bekommen, war ja schon immer so. Die Öffentlichkeit interessieren nun mal auch ganz oberflächliche Dinge, wie das Styling der Damen, die Frisur, der Schmuck... Ausnahme sind vielleicht die Spanier, das ist eine Männer-Monarchie. In allen anderen gilt das Hauptinteresse den weiblichen Familienmitgliedern, auch wenn die oft gar nicht die Regenten, sondern nur die Ehepartner sind.

Und wie könnte es einer möglichen Ehefrau von Prinz Harry ergehen?

Melchior: Sie hätte es sicherlich schwer, Herzogin Kate das Wasser zu reichen. Insofern ist es für eine Frau nicht so einfach, Prinz Harry zu heiraten, weil sie immer mit Kate verglichen wird. Aber ansonsten dürften eigentlich alle Mitglieder der königlichen Familie tierisch dankbar für Kate sein. Sie wirkt einfach auch immer so, als hätte sie Spaß an der Arbeit. Das ist das Beste, was den Royals passieren konnte. Kate ist ein Glücksfall für die britische Monarchie.

Vom Styling her könnte Prinz William noch ein bisschen zulegen - im Vergleich zu Kate wirkt er oft recht bieder...

Melchior: Stimmt schon, Kronprinz Haakon von Norwegen zum Beispiel ist viel modebewusster und kleidet sich auch zeitgemäßer. Prinz William hält sich da eher an das britische Upper-Class-Understatement. Prinz Charles lebt ihm das auch so ein bisschen vor. William ist kein modisches Vorbild - anders als Baby George übrigens. Aber ich glaube, den Anspruch hat William einfach auch gar nicht. Dieses Feld überlässt er seiner Frau und den Kindern.

Apropos, die Kinder sind unheimlich niedlich...

Melchior: Das stimmt und durch die regelmäßigen und niedlichen Fotos freuen sich einfach auch alle über George und Charlotte. Baby George, der eines Tages König von Großbritannien und Staatschef von 15 Commonwealth Staaten wird, beim Heranwachsen zuzusehen, ist schon spannend. Gerade auch wegen der Reichweite, die die britische Krone hat. Der Monarch ist ja immer noch auch Staatsoberhaupt von Australien und Kanada. Nicht nur die Briten begleiten das alles mit Wonne, die Anteilnahme ist generell sehr groß, insofern sind George und Charlotte auch eine Art Vitaminspritze für die britische Monarchie.

Mehr über andere "Königliche Dynastien" erfahren die TV-Zuschauer in der gleichnamigen, dreiteiligen Dokumentation über die Welfen, die Bernadottes und die Grimaldis. Ausgestrahlt werden die Filme an drei aufeinanderfolgenden Dienstagen - 19.7., 26.7. und 2.8. -, jeweils um 20.15 Uhr im ZDF.