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Grünen-Fraktionschef Hofreiter fordert mehr Hartz IV für Bio-Essen

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HOFREITER
Millionen Menschen in Deutschland sind sozial abgehängt - jetzt will ihnen Grünen-Fraktionschef Hofreiter Bioessen schmackhaft machen | Tobias Schwarz / Reuters
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Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter hat im Hinblick auf steigende Lebensmittelpreise einen höheren Hartz-IV-Satz gefordert.

Auf den ersten Blick klingt das nicht schlecht: Billigfleisch und Lebensmittelskandale haben zu Recht die Frage aufgeworfen, ob Deutschlands Essen zu billig ist, um gut zu sein. Es wäre also eine gute Sache, wenn auch die Ärmsten mehr Geld für Essen hätten.

Hofreiter weiß auch schon für welche Art von Essen sie das zusätzliche Geld ausgeben sollen: nämlich für Bioprodukte.

Hofreiters Idee in allen Ehren - aber die meisten Hartz-IV-Empfänger dürften vieles nötiger haben als Bioprodukte.

Wer die Armutsberichte der vergangenen Jahre liest, der weiß: Viele Arbeitslose gehen zu Tafeln, um sich ernähren zu können. Daran werden 50 Cent am Tag mehr nichts ändern - denn so viel fordert Hofreiter als Erhöhung. Bio bleibt für dieses Klientel Luxus - zumal Bio-Produkte im Schnitt rund 30 Prozent teurer sind.

Hofreiters Vorschlag muss in den Ohren derjenigen, denen es am Nötigsten fehlt wie Hohn klingen. Hartz-IV-Empfänger können ihre Kinder oftmals nicht mit auf Schulfreizeiten schicken, ihnen fehlt es an Geld für die soziale Teilhabe - seien es Besuche im Schwimmbad, Kino oder Kultureinrichtungen.

Millionen Menschen in Deutschland sind sozial abgehängt und jetzt will ihnen ein Grünenpolitiker Bioessen schmackhaft machen. Kein Wunder, dass die Grünen immer noch als Oberschichtenpartei beim Wähler rüberkommen - eben eine FDP für Ökos.

Dass die Grünen zumindest auf Bundesebene nicht über diese Klientel hinausragen, zeigt sich an den Umfragen. Dort verharrt die Partei im Grunde seit Jahren bei um die zehn Prozent. Für Rot-Grün im Bund wird das in der momentanen Situation nicht mehr reichen.

Zu einer ernstzunehmenden politischen Alternative machen die Grünen derzeit nicht die Vertreter des linken Flügels, dem Hofreiter angehört. Sondern Leute wie der Realo Winfried Kretschmann aus Baden-Württemberg, er ist derzeit der beliebteste Politiker im Land. Oder Kathrin Göring-Eckardt, die sich als Spitzenkandidatin für 2017 der Partei empfiehlt.

Setzen die sich in der Partei durch, dann könnten die Grünen bei der kommenden Bundestagswahl tatsächlich in Richtung der SPD vorstoßen und damit die politischen Verhältnisse durcheinanderwirbeln. Im schlimmsten Fall aber zerstreiten sich die beiden Flügel - und Erfolge wie in Baden-Württemberg werden der Sonderfall bleiben.


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