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"Hart aber fair": CDU-Politiker spricht aus, warum uns Trump Angst machen sollte

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HART ABER FAIR
Der CDU-Politiker Norbert Röttgen bei "Hart aber fair" | WDR
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Das Unvorstellbare ist wahr geworden. Als Plasberg seine Gäste zu Beginn der Sendung mit dem Titel "Die Methode Trump – erobern Krawallmacher und Populisten die Macht?" fragt, ob sie sich noch vor einem halben Jahr hätten vorstellen können, dass Trump Kandidat der Republikaner wird, melden sich nur zwei: SVP-Politiker Roger Köppel und "Welt"-Redakteur Dirk Schümer.

Der Journalist Schümer verweist zur Begründung seiner Hellsichtigkeit auf Italien: Man habe man sich lange Zeit nicht vorstellen können, dass Berlusconi Premierminister werden könnte - bis er es war. Könnte also auch Trump im November Präsident werden?

Wann wird auch bei uns das Unvorstellbare wahr?

In dieser Sendung ging es nur scheinbar um Trump. Schließlich hat auch Deutschland eine Politikerin, die mit einfachen Antworten auf komplizierte Fragen Wählerstimmen holt: Frauke Petry. In ganz Europa sind rechte Parteien am Erstarken.

Die Frage ist: Wann wird auch bei uns das Unvorstellbare wahr?

Plasberg wendete sich an den CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen. Er sagt, dass ihm noch nie ein Politiker auf die Frage, ob ihm etwas Angst mache, mit "Ja" geantwortet habe.

Dazu passend: US-Wahlkampf - 7 Gründe, warum Donald Trump im November tatsächlich gewinnen könnte

Röttgen bricht mit dieser Tradition: Er fände es "angsterregend", wenn Donald Trump gewählt werden würde.

"Er ist die Stimme der großen Wut", sagt Röttgen. "Er könnte ein ziemlich hemmungsloser Präsident werden." Er wisse nicht, wie man als Außenpolitiker mit Trump zusammenarbeiten solle, da dieser sich selbst noch gar nicht im Klaren sei, wie er regieren wolle. Den Republikaner bezeichnet er als "Angstmacher".

"Trump könnte einer tauben Oma Staubsauger verkaufen"

Schümer sieht das alles gelassener als Röttgen. Er bezeichnet Trump als Marketing-Genie, das auch einer "tauben Oma Staubsauger oder Zeitungsabo verkaufen" könnte. In Wirklichkeit sei Trump nicht der Bösewicht, als den er sich gibt.

Die Teilnehmer der Runde finden schnell einen Konsens: Der Aufstieg der Populisten sei Ausdruck einer tiefen Unzufriedenheit mit der etablierten Politik. "Die Ängste waren ja schon vorher da. Das ist ein globales Phänomen, ein Problem des Kapitalismus", sagt Schümer.

Die Frage ist, wie solle man damit umgehen. Köppel warnt davor, Trump und die erstarkten Rechten Parteien einfach als "Populisten" abzutun. Regelmäßig wird er selbst in der Sendung als Populist bezeichnet und wehrte sich immer wieder empört dagegen.

Wenn dem Establishment nicht mehr einfalle, käme der dieser Vorwurf. "Wer 'Populist' sagt, will nicht über die Sache reden", sagt Köppel. Die Amerikaner hätten genug von political correctness und wollten wieder authentische Politik. "Die etablierten Parteien müssen eine bessere Politik machen, die überzeugenderen Argumente und Antworten liefern."

"Wenn sie das machen, brauchen sie auch keine Furcht zu haben vor so genannten Populisten", sagt er an Röttgen gerichtet. Dem fällt es sichtlich schwer, von dem Rechten einen Rat anzunehmen - aber er scheint zu ahnen, dass Köppel einen Punkt hat.

Plasberg bringt einen Einspieler zu Köppels Partei, der SVP. Darin wird der Schweizer zitiert: Er sagt, es habe mit der Politik der Regierung zu tun, dass in Deutschland Asylheime brennen würden. Sie würde Ängste der Menschen ignorieren und besorgte Bürger als Nazis diffamieren.

Köppel wirft Politikern vor, den Extremismus zu schüren

Köppel will von diesem Zitat nicht zurückweichen und besteht darauf, dass die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung an der Gewalt schuld sei. "Das schürt den Extremismus, das produziert diese Wut."

Jetzt geht Röttgen der Hut hoch. Der CDU-Politiker nennt das eine "Legitimierung von übelster und gefährlichster Gewalt". Köppel liefere den Tätern eine Entschuldigung für ihre Taten. "Ich verdiene zu wenig, deshalb ich das Asylbewerberheim in Brand setzen. Nicht ich bin schuld, sondern die Regierung.“ Jetzt ist Köppel in der Defensive.

Der ARD-Korrespondent Ingo Zamperoni sieht Röttgens schlimmste Ängste wahr werden. "Es ist durchaus damit zu rechnen, dass ein Donald Trump Präsident werden kann", sagt er zum Schluss der Sendung.

Es wäre nicht das erste Mal, dass das Unvorstellbare Realität wird.

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