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Erdogan will sich für die Armenien-Resolution rächen - aber macht sich nur lächerlich

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ERDOGAN
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan | Murad Sezer / Reuters
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  • Die Türkei will Deutschland die Armenien-Resolution heimzahlen
  • Deutschland müsse sich gleichsam für den Völkermord an den Herero rechtfertigen, fordert Erdogan
  • Der Unterschied: Deutschland streitet längst nicht mehr ab, dass es sich dabei um einen Genozid handelt

Nach der Verabschiedung der Armenien-Resolution im Bundestag wollen türkische Politiker es den Deutschen mit gleicher Münze heimzahlen - sie wollen den Völkermord an den Herero im heutigen Namibia zum Thema machen.

Schon am Sonntagabend sagte der türkische Präsident Erdogan, bevor Deutschland über einen "sogenannten Völkermord" in der heutigen Türkei abstimme, solle es Rechenschaft über die Vernichtung von mehr als 100.000 Herero in Südwestafrika Anfang des 20. Jahrhunderts ablegen.

Ein türkischer AKP-Abgeordneter griff diese Forderung gleich auf und will den deutschen Genozid an den Herero zum Thema im Parlament in Ankara machen.

Der Istanbuler Abgeordnete Metin Külünk von der Regierungspartei AKP veröffentlichte am Montag auf Twitter einen entsprechenden Antrag, der mit einem Eingangsstempel der AKP-Fraktion versehen ist.

Deutschland erkennt die Massaker ohnehin als Völkermord an

Zur Begründung heißt es dort: "Das koloniale Deutschland hat zwischen den Jahren 1904 und 1907 in Südwestafrika eine organisierte Vernichtungspolitik gegen das Volk eines Landes betrieben, das heute als Namibia bekannt ist."

Dass es sich bei dem Krieg gegen die Herero um einen Völkermord handelt, ist unstrittig: Schriftliche Befehle zur Vernichtung und Vertreibung der Herero sind erhalten und waren der deutschen Öffentlichkeit des Kaiserreichs bekannt.

Dass Deutschland die Massaker an den Herero nicht als Völkermord anerkennt, ist allerdings nicht wahr.

Richtig ist, dass sie deutsche Politiker lange Zeit schwergetan, die Massaker an Zehntausenden Herero in Afrika als Völkermord zu bezeichnen. Der Hauptgrund war, dass Vertreter der Herero Reparationszahlungen von Deutschland verlangten.

Debatte über Völkermord in Namibia damit hinfällig

Doch im Juli vergangenen Jahres legte das Auswärtige Amt diese Sprachregelung fest: "Der Vernichtungskrieg in Namibia von 1904 bis 1908 war ein Kriegsverbrechen und Völkermord."

Eine Debatte des Völkermords im türkischen Parlament dürfte bei den Deutschen höchstens ein Achselzucken auslösen.

Mit Material der dpa

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(lk)