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Alexander Gauland: Bei "Anne Will" beging er politischen Selbstmord

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GAULAND
Der AfD-Vize Alexander Gauland bei "Anne Will" | NDR/Wolfgang Borrs/NDR Presse und Information
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Das war keine Talkshow, das war eine Gerichtsverhandlung. Am Sonntagabend ging es bei "Anne Will" nur um eine Person: den AfD-Vize Alexander Gauland.

Der befand sich auf der Bank des Angeklagten. Die Rollenverteilung der anderen Gäste: die Moderatorin als Staatsanwältin, der Justizminister Heiko Maas als Anwalt des Nebenklägers und der "FAZ"-Redakteur Eckart Lohse als Belastungszeuge. Einzig der Politologe Werner Patzelt gab sich als lustloser Verteidiger des Politikers.

Was trieb Gauland in diese Runde? Es kann nur Realitätsverlust gewesen sein. Er glaubte offenbar, den politischen Schaden seines Boateng-Zitats zu begrenzen oder sogar in einen Vorteil verwandeln zu können.

Es wäre untertrieben zu behaupten, dass dies schiefgelaufen ist. Was die Zuschauer in der ARD zu sehen bekamen, war nicht weniger als der politische Selbstmord des AfD-Mannes.

Er befindet sich mit der AfD-Vorsitzenden Frauke Petry in einem Streit um die politische Ausrichtung der Partei. Petry will eine Abgrenzung vom rechten Rand und Pegida - Gauland einen Rechtskurs. Sein Boateng-Zitat hat seinen Rückhalt in der Partei geschwächt und erstmals seit Langem zu Verlusten von Wählerstimmen geführt. Mit diesem desaströsen Auftritt lieferte er sich Petry völlig aus.

Die Sendung begann mit einem Geplänkel zwischen Gauland und dem "FAZ"-Redakteur Eckart Lohse über die Hintergründe des fraglichen Gesprächs. Gauland behauptete, er sei von den Journalisten "reingelegt" worden.

Es stand Aussage gegen Aussage. Gauland, behauptete es sei ein vertrauliches Hintergrundgespräch vereinbart worden. Lohse dagegen sagte, dass die Verschwiegenheit erst nach zwei Dritteln verabredet worden sei, als es um die Konflikte im Bundesverstand der Partei gehen sollte.

"Ich wusste nicht, dass Boateng ein Farbiger ist"

Das fragwürdige Zitat stritt er nicht ab. Doch Gauland behauptete, der Name Boateng sei ihm vom Redakteur vorgegeben worden. Er habe nicht gewusst, dass Boateng ein Farbiger sei. Erst die AfD-Kollegin Beatrix von Storch habe ihn in einem Telefongespräch darauf hingewiesen, dass Boateng ein Farbiger christlichen Glaubens sei. Dem Journalisten warf er vor, ihn nicht darauf hingewiesen zu haben.

Da Gauland in dieser Woche nachgelegt hatte und die deutsche Nationalelf als "nicht deutsch im klassischen Sinne" bezeichnet hatte, wirkte diese Aussage extrem unglaubwürdig. Aber es war noch keine offensichtliche Lüge. Das kam später.

Das Beste hatte die ARD-Redaktion für das letzte Drittel der Sendung aufgehoben. Will wies Gauland verwundert daraufhin, dass er Angel Merkel eben "die Kanzlerin" genannt habe. An anderer Stelle habe er sie ja schließlich "Kanzler-Diktatorin" genannt.

"Liebe Frau Will, es tut mir leid ...", setzte er zu seiner Verteidigung an.

"Hat sie Sie jetzt reingelegt?", grätschte Lohse aus der Seite rein. Nicht er habe diesen Satz gesagt, sondern Björn Höcke, sagte Gauland - auch wenn er ihn gerne gesagt hätte. Journalismus muss genau sein", wies er die Moderatorin mit erhobenem Zeigefinger zurecht.

Diese Worte hat er gleich darauf sicherlich bereut, denn in dem folgenden Einspieler wurde die Redaktion sehr, sehr genau.

Darin waren Ausschnitte aus Reden Gaulands zusammengeschnitten. Er verglich Flüchtlinge nicht nur mit den "Barbarenstämmen", die zum Untergang des Weströmischen Reichs geführt hätten, sondern verwendete auch das erwähnte Zitat über die Kanzlerin.

"Wer soll Ihnen denn ein Wort glauben?", fragte Maas Gauland entgeistert. Das Publikum sah das genauso, denn es kommentierte die Frage mit stürmischem Beifall.

"Gauland ist kein Rechtsradikaler - es ist viel schlimmer

An dieser Stelle war Gauland eigentlich bereits erledigt. Kaum vorstellbar, dass es für ihn noch schlimmer könnte. Aber er schaffte es, sich noch viel tiefer hineinzureiten.

Will wies ihn darauf hin, dass der Satz "Heute sind wir tolerant, morgen fremd im eigenen Land", den er in seiner Rede mehrmals benutzte, auch von der NPD, Rechtsextremen und rechten Bands benutzt würde.

Gauland wollte die Einschläge einfach nicht näher kommen hören. Er habe den Satz auf einem Plakat gelesen und befand, er sei "einleuchtend und klug", entgegnete er.

"Der Satz ist von einer CD mit dem Titel ’Hitler lebt'", kommentierte Maas trocken.

Bäng.

Damit war Gauland erledigt. Der Justizminister sprach das finale Urteil. "Ich stelle immer mehr fest, bei allem, was er tut, weiß er gar nicht, was er tut." Lacher im Publikum.

Die Sendung machte die Wahrheit über Gauland offensichtlich. Er ist kein Rechtsradikaler - es ist viel schlimmer.

Gauland ist jemand, der rechtsradikale Parolen nachplappert.

Es wäre interessant zu wissen, wie Frauke Petry die Sendung gesehen hat. Wahrscheinlich mit ihrem Lebenspartner Markus Pretzell und einer Flasche Sekt auf dem Sofa.

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(lk)