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Erdogan stellt eine dreiste Forderung an deutsche Bundestagsabgeordnete

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  • Nach der Völkermord-Resolution stehen die elf türkischstämmigen Abgeordneten unter Druck
  • Von türkischen Politikern werden sie beschimpft und bedroht
  • Eine besonders absurde Forderung machte Präsident Erdogan

Nach der Völkermord-Resolution des Bundestags bekommen die elf türkischstämmigen Bundestagsabgeordneten den Zorn von Recep Tayyip Erdogan zu spüren.

In Reden greift der türkische Präsident sie direkt an, unterstellt ihnen, keine Türken zu sein und bezeichnet sie als Terroristen.

Nach einem Bericht der "Welt" sagte er auf der Abschlussfeier einer Privatuniversität über den Grünen-Politiker Cem Özdemir:

"Da kommt ein Besserwisser und bereitet etwas vor, das er dem deutschen Parlament vorschlägt. Ein Türke, sagen manche. Ach was, Türke. Ihr Blut sollte einem Labortest unterzogen werden."

Justizminister nennt Abgeordnete "Leute mit verdorbenem Blut"

Deutschland sei "das letzte Land ", das über einen "sogenannten Völkermord" der Türkei abstimmen solle, sagte Erdogan.

Zunächst solle Deutschland Rechenschaft über den Holocaust und über die Vernichtung von mehr als 100.000 Herero in Südwestafrika Anfang des 20. Jahrhunderts ablegen.

Nach dem "Welt"-Bericht ging auch Justizminister Bekir Bozdag (AKP) auf Twitter auf die Abgeordneten los: "Leute mit so verdorbener Muttermilch, mit so verdorbenem Blut, können niemals die türkische Nation repräsentieren."

Auch der Oberbürgermeister von Ankara, Melih Gökçek, verbreitet einen Steckbrief mit den Gesichtern der elf Abgeordneten im Internet. Er wurde auch in Zeitungen abgedruckt und tausendfach geteilt. In Kommentaren im Internet riefen User zu Gewalttaten auf gegen die deutschen Politiker auf.

"So sind viele Menschen in der Türkei zu Tode gekommen"

Der Bundestagsabgeordnete Özcan Mutlu (Grüne) sagte, er mache sich ernsthaft Sorgen um sein Leben.

"Diese Qualität habe ich nie erlebt", sagte er am Sonntag in der ARD-"Tagesschau". Zumal irgendwelche durchgeknallten Verrückten sich das anhören und denken, die Obrigkeit hat befohlen. So sind viele Menschen in der Türkei bereits zu Tode gekommen. "

Integrationsministerin Aydan Özugus (SPD), die ebenfalls ins Visier türkischer Kritiker geraten war, warb für Verständnis: "In Deutschland nehmen wir, glaube ich, zu wenig wahr, was dort eigentlich weit über extremistische Kreise hinaus gedacht und gefühlt wird - dass das nämlich wirklich eine echte Enttäuschung gerade darstellt."

Berliner Polizei schützt Özdemirs Wohnung

Nach massiven Drohungen tauscht sich Grünen-Chef Cem Özdemir nach einem Bericht der "Welt am Sonntag" zufolge mit den zuständigen Behörden über Sicherheitsmaßnahmen aus.

Özdemirs Büroleiter Marc Berthold sagte, man sei "mit dem BKA in Abstimmung". Er fügte an: "Schmähungen und Beleidigungen sind wir durchaus gewohnt, aber so eine hohe Zahl von Todesdrohungen haben wir noch nie erlebt."

Der "Welt am Sonntag" zufolge hat die Berliner Polizei seit Donnerstag ihre Präsenz in der Umgebung von Özdemirs Wohnung erhöht.

"Es gibt leider eine türkische Pegida"

"Es gibt leider auch eine türkische Pegida", sagte der Politiker der Zeitung zur Notwendigkeit der Schutzmaßnahmen. "Rechtsradikalismus ist kein deutsches Privileg. Das gibt es leider auch in der Türkei und unter Deutschtürken."

Bereits am Samstagabend hatte Erdogan die türkischstämmigen Bundestags-Abgeordneten als Sprachrohr von Terroristen bezeichnet.

Ihnen warf er nach Angaben der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu vor, der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK als verlängerter Arm zu dienen. "Es ist sowieso bekannt, wessen Sprachrohr sie sind", sagte Erdogan.

"Von der separatistischen Terrororganisation (er meinte wohl die PKK, Anm. d. Red.) in diesem Land sind sie die Verlängerung in Deutschland."

Mit Material der dpa

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(ben)