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Bußgeld für Flüchtling: Wirbel um U-Bahn-Kontrolle in München

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FLCHTLING SOLL TROTZ TICKET SCHWARZGEFAHREN SEIN
U-Bahn-Kontrolle: Trotz Ticket und Stempel soll ein Flüchtling aus Syrien Bußgeld zahlen | Sean Nel via Getty Images
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  • Trotz gestempelter Fahrkarte ist ein syrischer Flüchtling in München des Schwarzfahrens bezichtigt worden
  • Das Ticket war auf der falschen Seite abgestempelt worden
  • Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) verteidigt das Verhalten der Kontrolleure

Bei einer U-Bahn-Kontrolle in München sei ein syrischer Flüchtling mit einem Bußgeld bestraft worden, obwohl er ein gestempeltes Ticket vorgezeigt habe. Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung" (SZ).

Es war seine erste Zugfahrt nach München

Der 28-Jährige soll unterwegs gewesen sein, um seine Betreuerin Géraldine Aroles-Brunner von der Flüchtlingshilfe der Diakonia zu besuchen. Sie sagte gegenüber der Zeitung, dass der Mann zum ersten Mal mit dem Zug nach München gefahren sei.

Er habe eine Fahrkarte gekauft und diese durch Stempeln entwertet. Das Problem: Das Ticket wurde auf der falschen Seite abgestempelt, wie laut "SZ" auch ein Foto belege.

So habe der Kontrolleur die Fahrkarte nicht akzeptiert und ein Bußgeld von 60 Euro verhängt.

Flüchtlingshelferin legte Beschwerde ein

Wie die "SZ" berichtet, habe sich Flüchtlingshelferin Aroles-Brunner daraufhin bei der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) beschwert und um mehr Großzügigkeit in einem solchen Fall gebeten.

Per E-Mail habe sie folgende Antwort erhalten: "Unser Personal ist jedoch (gerade bei nicht tarifkundigen Fahrgästen) nicht so streng wie in Ihrer Feststellung beschrieben. Es muss wohl noch ein anderer Grund vorgelegen haben." Welcher Grund das gewesen sein könnte, bleibt unklar.

Eingeschränkter Spielraum der Kontrolleure

Nach interner Prüfung hat inzwischen ein Sprecher der MVG gegenüber "SZ" Stellung zu dem Vorfall genommen. Demnach sei der Ermessensspielraum der Kontrolleure sehr eng, um eine Gleichbehandlung aller Fahrgäste zu gewährleisten.

Es werde "schlicht und einfach" geprüft, "ob ein Ticket nach den geltenden Regeln gültig oder ungültig ist". Bei einer falsch entwerteten Fahrkarte bestehe die Gefahr, dass sie ein zweites Mal gestempelt und benutzt werden könne.

Zwar könne der Betroffene schriftlich Einspruch einlegen, aber der MVG-Sprecher gehe laut "SZ" davon aus, dass das Bußgeld bezahlt werden müsse.

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(tos)