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Die Türkei fordert eine Richtigstellung wegen Armenien - wir von der deutschen Lügenpresse folgen dem Befehl sofort

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ERDOGAN WAVING
Präsident Erdogan | Vincent Kessler / Reuters
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Nun ist es soweit: Der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim fordert von Deutschland eine "Richtigstellung“ in Bezug auf die Armenien-Resolution des Bundestages. Der Erdogan-Vertraute spricht von einem „historischen Fehler“. Zu unser aller Erleichterung fügt er an, dass dieser brutalstmögliche Fauxpas keine dauerhaften Auswirkungen auf das Verhältnis beider Länder habe.

Puh. Glück gehabt.

Als Vertreter der Lügenpresse möchte ich an diesem Tag trotzdem mit einem guten Beispiel vorangehen. Schließlich dürfte Yildirim auch uns gemeint haben. Der Begriff "Richtigstellung“ kommt aus dem Vokabular der Medienanwälte. Und mit denen ist nicht zu spaßen, das wissen wir seit Jan Böhmermann.

Aus gegebenem Anlass deshalb an dieser Stelle einige persönliche Worte.

Der Papst ist fehlbar - Erdogan ist es nicht

Niemand hat die Absicht, einen Erdogan zu beleidigen. Der Mann ist schließlich weithin bekannt als Freund der freien Presse. Das wäre, als würde ein Baum seinen Gärtner beleidigen, ein Fluss die Talsperre oder die Wolken den Himmel.

Nichts läge mir ferner, als die untrennbare Einheit zwischen Erdogan und seiner Nation infrage zu stellen. Gezi ist ja nie passiert, weißte Bescheid.

Der Papst mag fehlbar sein. Erdogan ist es nicht. Eher fließt das Wasser flussaufwärts, bellen Dackel auf Klingonisch oder fallen Äpfel an den Ast zurück, als dass dieser Bombenstaatsmann mal kräftig daneben liegt. Mein Wort drauf.

Der Bundestag irrt. Immer!

Das muss man wissen, um die Beschlusslage des Bundestages zur Armenien-Frage einordnen zu können. Denn auch dafür brauchen wir den von ewiger Flamme erleuchteten Geist dieses größten anzunehmenden Präsidenten.

Wie oft hat der Bundestag schon daneben gelegen? Beim Umzug von Bonn nach Berlin. Bei der Opel-Rettung. Und wahrscheinlich auf jeder einzelnen Sitzung – bei der irrigen Feststellung der eigenen Beschlussfähigkeit.

Folgerichtig – keiner weiß das besser als Recep Tayyip Erdogan – musste der Bundestag auch irren, als er die freundlichen aber nachdrücklich ausgesprochenen Ausreiseempfehlungen für die Armenier im Jahr 1915 als „Völkermord“ bezeichnete.

Schöne Grüße auch von den Abgeordneten

Eine Meinungsäußerung, wie sie in der Türkei undenkbar wäre. Weil es, wie wir alle wissen, dort nur noch Konsens gibt. Schließlich hat Gott die Türkei mit Herrn Erdogan beschenkt. Und deswegen wird bald schon jeder Tag in Istanbul, Ankara und Diyabarkir ein Feiertag sein. Ist doch selbstverständlich.

Reicht Ihnen das, lieber Herr Yildirim, als Richtigstellung?

Dann würde ich mich freuen, Ihre Stimme bei der morgigen Befehlsausgabe wieder so wunderschön durch den Lautsprecher scheppern zu hören. Ich grüße auch die Abgeordneten von Ihnen – sie sind in Zukunft bestimmt auch mit dabei. Die wollen bestimmt keinen weiteren Ärger mit Ihnen.

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Jedes Kind braucht die Chance auf Bildung

Egal wo auf der Welt: Ohne Bildung haben Kinder aus armen Familien in der Regel keine Chance. Doch die ist mitunter teuer - und so vergrößern sich vielerorts das Ungleichgewicht. Dieses Problem versuchen Organisationen in aller Welt zu lösen.

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In Ruanda haben 400.000 Kinder keine Chance auf einen Platz in der Schule; besonders Waisen und Mädchen sind benachteiligt. Das Projekt "Schulen für Afrika" von Unicef ermöglicht tausenden Kindern den Zugang zu Bildung. Hier könnt ihr die Initiative unterstützen.

Ein zuverlässiges Transportmittel kann für Menschen in einem Entwicklungsland alles verändern. World Bicycle Relief stattet Menschen in ländlichen Regionen Afrikas mit Fahrrädern aus und schenkt ihnen damit ein großes Stück Lebensqualität. Hier geht es weiter zu diesem faszinierenden Projekt.


(lp)