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US-Geheimdienstkontrolleur: Saudi-Arabien finanzierte Attentäter von 9/11

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US-Geheimdienstkontrolleur: Saudi-Arabien finanzierte Attentäter von 9/11 | Reuters Photographer / Reuters
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  • Diese Enthüllung könnte alles ändern, was wir über 9/11 wissen
  • Wichtige Akteure aus Saudi-Arabien sollen Attentäter von 9/11 finanziert haben
  • Ein Ex-US-Geheimdienstkontrolleur verweist dabei auf ein Geheimpapier

In den USA heißen sie einfach „28 pages“, „28 Seiten“.

Es sind Seiten aus dem US-Untersuchungsbericht zu den Anschlägen am 11. September 2001. Seiten, die auf Weisung des damaligen US-Präsidenten George W. Bush und seiner Nachfolger nie veröffentlicht wurden. Seiten, die offenbar belegen, dass einer der wichtigsten Verbündeten des Westens in der arabischen Welt, bei den Anschlägen die Finger im Spiel hatte: Saudi-Arabien.

Im ARD-Magazin „Monitor“ vom Donnerstagabend hat der ehemalige Geheimdienstkontrolleur Bob Graham, der die Untersuchungskommission leitete, darüber gesprochen, laut ARD zum ersten Mal im deutschen Fernsehen. Bereits im April hatte er US-Medien informiert.

Graham: Terroristen hatten Hilfe von Einzelpersonen und Gruppen

Graham darf nicht sagen, was in den 28 Seiten steht. Trotzdem stellte er in der ARD klar, es gebe eine Unterstützergruppe, die die Anschläge erst möglich gemacht habe. Einzelpersonen, die Regierung und Wohltätigkeitsorganisationen aus Saudi-Arabien sollen laut Graham Attentäter finanziert haben. Graham spricht von „systematischer Unterstützung“, einem System, das seinen Ursprung in Saudi-Arabien habe.

Offiziell bekannt ist, dass 15 der 19 Attentäter aus dem Wüstenstaat stammen. Und die offizielle Haltung der USA ist, dass die Terrororganisation Al-Kaida für den Terror verantwortlich ist.

Auch saudische Diplomaten sollen involviert gewesen sein

Graham sagte, die Erkenntnisse bezögen sich vor allem auf zwei Männer, die ein Flugzeug ins Pentagon steuerten. Es gebe Hinweise auf eine Unterstützung durch einen Mann, den Graham aufgrund verschiedener Informationen für einen saudischen Geheimagenten hält. Er habe in einer Rüstungsfirma gearbeitet, habe dort aber nie zur Arbeit antreten müssen.

bob graham
Bob Graham. Foto: Reuters

Auch Diplomaten im Konsulat in Los Angeles und in der Botschaft in Washington seien „auf die ein oder andere Weise“ beteiligt gewesen.

Wurde die Wahrheit wegen strategischer Interessen vertuscht?

Was für einen Grund hätte die Regierung unter George W. Bush gehabt, derart brisante Erkenntnisse zu verheimlichen – und stattdessen Krieg gegen die „Terror-Unterstützer“ Afghanistan und Irak zu führen?

Graham vermutet, dass Bush die Beziehungen zwischen den USA und Saudi-Arabien nicht beschädigen wollte.

Die westlichen Staaten betrachten die Saudis als Verbündete. Das wahhabitische Regime ist der große Gegenspieler des anderen nennenswerten Players in der Region, des schiitischen Iran. Mit dem die USA auf ganz schlechtem Fuß stehen.

Hätten die USA das wahhabitische Regime am Golf zum Feind erklären müssen, hätten sie in der Region jeden Einfluss verloren. Und sich mit einem mächtigen Gegner angelegt.

Ganz zu schweigen von der Abhängigkeit der USA vom saudischen Öl damals, und den Milliarden, die die Saudis für US-Rüstungsgüter zahlen.

Das Schweigen bröckelt

Gut möglich, dass das Schweigen langsam bröckelt. „Monitor“ verweist auf ein neues Gesetz in den USA, das es möglich machen könnte, ausländische Staaten wegen der Unterstützung von Terroristen in den USA zu verklagen. Die Opfer von 9/11 machen Druck.

Und selbst Republikaner wie Thomas Messie und John F. Lehman, die zu den wenigen Menschen gehören, die die 28 Seiten lesen durften, sind entsetzt. Und machen Andeutungen. Wie Messie im Video:

Der Verdacht, dass höhere Stellen in Saudi-Arabien involviert gewesen sein könnte, ist nicht neu. Schon 2003 verwies die „New York Times“ auf jenen geheim gehaltenen Teil des Kongress- Untersuchungsberichts.

Die Zeitung schrieb damals, führende Saudis würden beschuldigt, Hunderte Millionen Dollar an Gruppen wie Wohltätigkeitsorganisationen gezahlt zu haben, die das Geld für terroristische Zwecke nutzten. Inoffizielle Netze von Saudis, auch in den USA, hätten Geld an Terroristen verteilt. Auch damals hatte sich Graham über die Geheimhaltung der Regierung beschwert.

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(lk)