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So vereinnahmen Rechtspopulisten jetzt den Dalai Lama

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LAMA
Der Dalai Lama | Getty
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  • Der Dalai Lama hat die Anzahl der Flüchtlinge in Deutschland als zu hoch bezeichnet
  • Dafür huldigen ihm nun gegen seinen Willen rechtskonservative Politiker und Bewegungen

Wer sich dieser Tage zur Flüchtlingskrise äußert, riskiert, auch Beifall von der falschen Seite zu bekommen. Etwa der Dalai Lama: "Deutschland kann kein arabisches Land werden. Deutschland ist Deutschland", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Die Zahl der Flüchtlinge in der Bundesrepublik sei mittlerweile zu hoch.

Dass das religiöse Oberhaupt der Tibeter gleichsam erwähnte, dass Bessergestellte eine Verantwortung hätten, Flüchtlingen zu helfen - geschenkt. In den sozialen Netzwerken ist das Zitat in Windeseile zur Legitimation von Fremdenfeindlichkeit und Ausgrenzung geworden - also genau das, was der Dalai Lama sicher nicht im Sinn hatte. Das Zitat nutzt etwa die stellvertretende AfD-Vorsitzende Beatrix von Storch:

Ähnlich groß ist das Echo bei der sogenannten Identitären Bewegung, eines jungen Demonstrationsbündnisses mit stockkonservativem Kern.

Auf Twitter deutet die Bewegung den Nobelpreisträger gar zu einem Vertreter ihrer selbst um. Er verdeutliche "wieder einmal seinen identitären Standpunkt", heißt es dort:

Auch in Großbritannien werden die Worte des Kirchenoberhaupts vom entsprechenden Publikum mit großer Freude aufgenommen. So äußert sich dort die Kampagne, die für den Austritt des Landes aus der EU wirbt:

Dass er es so sicherlich nicht gemeint hatte, ließ der Dalai Lama durch einen Sprecher verlauten: "Wir wissen von keiner Kampagne, die das Bild Seiner Heiligkeit nutzt (...) und hätten dafür sicherlich keine Genehmigung erteilt", sagte der Sekretär des Tibeters gegenüber dem britischen "Guardian".

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Flüchtlingskrise: Helft den Helfern!

Die Flüchtlingskrise bewegt die Deutschen wie kein anderes Thema. Viele blicken fassungslos auf das, was sich an Europas Grenzen abspielt. Auf das Leiden und die Nöte der Hilfesuchenden.

Dabei gibt es zahlreiche Menschen und Organisationen, die vor Ort helfen, die Probleme zu lösen. Zusammen mit der Spendenplattform betterplace.org nennt die Huffington Post spannende Projekte, die ihr direkt unterstützen könnt.

Die Nachrichten von ertrunkenen Flüchtlingen nehmen kein Ende. Auch, weil es viel zu wenig Rettungskräfte auf dem Mittelmeer gibt. Hier versucht die Mannschaft des Schiffes Sea Watch 2. zu helfen. Spenden benötigt die Crew für Nahrung, Schwimmwesten und Medikamente.

Auf der sogenannten Balkanroute ist ein großer Teil der Flüchtlinge unterwegs. Der Verein Soups & Socks versorgt Flüchtlinge hier mit einer warmen Mahlzeit und anderen lebensnotwendigen Dingen. Hier geht es weiter zur Soups & Socks Tour.

Ein weiteres Problem sind die vielen unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlinge in Berlin. Ihnen vermittelt die Organisation Akinda beispielsweise einen gesetzlichen Vertreter. Wie das geht, beschreiben die Initiatoren hier.

(lp)