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Wenn man in jemanden verliebt ist, der einen wie Dreck behandelt

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SAD WOMAN
Wenn man in jemanden verliebt ist, der einen wie Dreck behandelt | Hachephotography via Getty Images
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Du erinnerst dich an alles. An jedes kleine Detail. Er hatte eine dunkelblaue Jacke an, der Kragen war hochgeschlagen. Er hatte einen Bart, mittelmeerblaue Augen. Dir fallen Augenfarben bei Menschen sonst nie auf, aber als dich sein Blick traf, warst du getroffen.

Es gab kein zaghaftes Annähern, keine Fragen, nur die Frage nach dem wann. Du warst sofort verknallt. Du warst so verliebt, dass dieses Wort selbst zu blass klang für das, was du fühltest. Für das, was in dir sprühte, brodelte und glühte.

Du und er

Ihr wart zusammen. Ihr wart ständig zusammen. Die Welt war dir egal. Ohne ihn war die Welt leer. Du brauchtest ihn, um sie sehen zu wollen. Dann war alles lebendig. In eurer festen Blase.

Er machte dich so glücklich, dass du schon schnell das Gefühl für ein Leben ohne Hochgefühl verlorst. Was aber auch schnell ging: Das Gefühl, dass du dich in Gefahr begeben hattest.

Achterbahnfahrt

Glücksmomente fingen an zu platzen. Der, den du für unfehlbar hieltest - behandelte dich als seist du der Fehler. Es ging hin und her. Hin und her. "Ich weiß nicht, ob es das Richtige ist", sagte er zu dir. Du hörtest zu und vergrubst dein "doch, ist es!" tief in dir. Du ließt alles mit dir machen.

Traf er andere Frauen? Wer hatte ihm diesen Brief geschrieben, wer war diese "J"? Du stelltest keine Fragen, lieber hieltest du fest, was du noch zu greifen bekamst.

Eine Nacht bei ihm, ein Morgen. Du fühltest dich ihm so nah. Einen Tag später und du fühltest dich so fern. So verstoßen. Aber wie ein kleines Hündchen, du ließt dich nicht vertreiben.

Deine Freunde verstehen dich nicht mehr

Deine Freunde konnten es nicht verstehen. "Du musst von ihm loskommen! Du kannst dich so nicht behandeln lassen." Du wusstest, sie haben recht. Du fingst an, dich selbst zu verachten, für die zittrig-abhängige Frau, die aus dir geworden war.

Wie kann jemand, den man so liebt, dem man so viel schenkt, so grausam sein. So schön, so hässlich. Die blauen Augen, die geschwungene Oberlippe, die fiese Fratze.

Du spürst, du kannst ohne diese Person nicht leben. Du möchtest so nicht fühlen. Du kannst nicht anders, kein Stück.

Er tut dir nicht gut

Du weißt genau, warum er dir nicht gut tut. Du weißt genau, dass du dich so nicht behandeln lassen kannst. Er hat dir die Welt geschenkt und dann zieht er alles Leben aus dir raus. Dein Körper tut weh, überall. Das verstehen nur die, die es auch einmal erlebt haben.

Du gibst euch noch eine Chance. Du glaubst auch daran. Du glaubst seinen kleinen Zeichen, die er dir sendet. Kleine Zeichen deiner Hoffnung. Für nur fünf Minuten mit diesem deinem Glück, nimmst du vieles in Kauf.

Nichts ändert sich

Aber es wird nie besser, auch nie anders. Das Spiel geht nur in die nächste Runde und du verlierst immer. Immer und zuverlässig.

Bis du irgendwann spürst, dass sich in dir etwas löst. Du fängst an, dir das Ende immerhin vorstellen zu können. Obwohl du weißt, dass es noch ein Stück bis dahin ist.

Doch dann kommt der Tag, an dem du Loslassen kannst. Du möchtest nicht, du musst. Du kannst nicht mehr vergeben. Nicht mehr die Augen schließen. Du trennst dich. Endgültig.

Du beginnst, klarer auf das zu sehen, was die ganze Zeit in dicken Lettern über euch gestanden hatte: Das war keine Beziehung auf Augenhöhe. Das war auch keine Liebe, keine Partnerschaft.

Es war ekstatisch, es hatte dich einmal auf den Kopf gestellt. Aber jetzt, wo es vorbei war, konntest du langsam wieder Boden unter den Füßen spüren. Die Welt wahrnehmen; sehen, dass die Sonne schien. Aber vor allem: Dich darüber freuen.

Du schaffst das

Mit ein wenig Abstand kannst du dich auch fragen, wie es soweit kommen konnte, warum du das alles mit dir hast machen lassen. Er hatte leichtes Spiel gehabt, musst du dir eingestehen. Er hatte dir passieren müssen, wirst du merken.

Denn wenn du anfängst über dich nachzudenken, siehst du, wie wenig Respekt du vor dir selber hattest. Mit welcher Selbstverachtung du dich in diese Beziehung geschmissen hast. Wenn dich jemand absichtlich hätte verletzen wollen, er hätte kein leichteres Spiel haben können. Denn du hattest keinerlei Schutz um dich herum. Genau das hast du vermutlich auch ausgestrahlt.

Wer sich so abhängig von einer Liebe macht, einer Beziehung, der wird leiden. Aber der wird, hoffentlich, irgendwann merken, dass es kein Glück außerhalb des eigenen Selbst gibt.

Ein Partner kann dich nicht ganz machen, nicht vollständig. Er kann dir seinen Blick leihen, dich halten, wärmen, deinen Körper lieben. Aber er kann deine innere Leere nicht ausfüllen.

Gleichzeitig sind es genau diese Erfahrungen, die uns am meisten über uns selbst beibringen. Denn in dem Moment, in dem du es tust; der Moment, in dem du all deine Kraft zusammen nimmst und den Partner verlässt, den du eigentlich liebst, stehst du das erste Mal wirklich für dich ein. Zum ersten Mal erkennst du deinen eigenen Wert an. So lernst du, dich selbst zu lieben, dich selbst zu achten.

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