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Horst Seehofer: Warum die Paartherapie zwischen ihm und Merkel gescheitert ist

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SEEHOFER MERKEL
Die Bundeskanzlerin Angela Merkel und der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer | Hannibal Hanschke / Reuters
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Der Termin für die nächste Therapiesitzung steht schon fest. Die Spitzen von CDU und CSU wollen am 24. und 25. Juni zusammen tagen, um die seit Monaten andauernde Entfremdung in ihrer politischen Ehe zu beenden.

Zuvor drohen sich beide nochmal mit der Scheidung, weisen selbst jede Schuld von sich und schieben sie dem anderen in die Schuhe.

Der CDU-Politiker Wolfgang Schäuble eröffnete die Attacken: Es gebe keinen Streit zwischen der CDU und CSU, sagt der Finanzminister. "Die Formulierung 'Streit zwischen Merkel und Seehofer' muss ich zurückweisen - es sind Attacken gegen Merkel", sagte Schäuble in einem ZDF-Interview.

Soll heißen: Allein die CSU ist an dem Zerwürfnis schuld, ein Kurswechsel der CDU ist nicht notwendig.

"Da wird mich niemand mundtot machen"

Sofort geriet CSU-Chef Horst Seehofer in Schnappatmung. Bisher hatte er es anscheinend als selbstverständlich angesehen, dass er Merkel und die CDU mit Vorwürfen überziehen und sogar mit einem getrennten Wahlkampf drohen darf. Doch seine Spieleregeln scheinen nicht vorzusehen, dass die Schwesterpartei es ihm mit gleicher Münze heimzahlen darf.

"Die CDU kann gerne flächendeckend in 15 Landesverbänden jeden Tag zur Geschlossenheit mahnen. Aber ich gebe meine Überzeugung für die Zukunft unseres Landes nicht auf", sagte der bayerische Ministerpräsident den Zeitungen der "Funke Mediengruppe". "Und da wird mich niemand mundtot machen."

Das Totschlag-Argument in jeder Beziehungskrise: Kritik des anderen bedeutet, dass er seinen Partnern "mundtot" machen will. Das war wohl an Schäuble gerichtet. Gleichzeitig kommt von ihm eine kalkuliert wirkende Liebeserklärung an Merkel.

Seehofer wirkt wie ein fremdgehender Ehemann, der die Liebe zu seiner Frau beschwört

"Ich habe überhaupt keine persönliche Auseinandersetzung mit der Bundeskanzlerin", hielt Seehofer dagegen.

"Angela Merkel und ich haben die wenigsten Probleme, wenn wir beide persönlich beieinander sind. Schwierig wird es immer, wenn andere die Bühne betreten."

Er wirkt zunehmend wie ein fremdgehender Ehemann, der ständig die Liebe zu seiner Frau beschwört - um später behaupten zu können, dass die Scheidung nicht an ihm gelegen habe.

Zugleich betonte Seehofer, auch künftig eng mit Merkel und der CDU zusammenarbeiten zu wollen. "Ich bin ein alter Parteisoldat und weiß um meine Verantwortung in der Unionsfamilie - genauso wie die Kanzlerin."

Beim Streit von CDU und CSU geht um die Frage, wie die beiden Parteien in den Wahlkampf für 2017 ziehen wollen.

CSU sieht sich aufgrund von Umfrageergebnissen im Recht

Die CSU möchte einen konservativen Kurs, der rechte Wähler von der AfD zurückholt. Sie sieht sich durch Umfragen bestätigt. Das Meinungsforschungsinstitut GMS meldete am Donnerstag, dass nur noch 30,6 Prozent der Bundesbürger ihr Kreuz bei CDU und CSU machen würden, wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahlen wären.

Mit Ausnahme von Bayern: Dort würden 48 Prozent die CSU wählen, die damit die absolute Mehrheit hätte. Zudem ist die AfD in Bayern vergleichsweise schwach. Sie kommt nur auf acht Prozent.

Kein Wunder, dass Seehofer sich im Recht sieht. Er sieht seinen Kurs als den Weg für CDU und CSU, um die Wahlen 2017 zu gewinnen.

Die CDU verweist dagegen darauf, dass die AfD nur deshalb in Bayern so schwach sei, weil dort auch die Freien Wähler antreten. Würde man deren Wähler berücksichtigen, wären rechte Parteien in Bayern so stark wie in jedem anderen Bundesland auch.

"Die wöchentlichen Attacken auf die Kanzlerin müssen aufhhören"

In der CDU befürchtet man, dass ein Rechtskurs die Wähler der Mitte verschrecken könnte - und diese zu den Grünen treibt. Die sehen die schlechten Umfragewerte in den ständigen Attacken aus München begründet.

Beide Seiten haben gute Argumente und fühlen sich im Recht - und das macht ein Beilegen des Streits so schwierig. Unionsfraktionschef Volker Kauder rief jetzt dazu auf, ein gemeinsames Programm für die Bundestagswahl im kommenden Jahr aufzustellen.

Dazu müssten sich beide Parteien "vielleicht erst einmal stärker daran erinnern, was uns verbindet und was wir aneinander haben. Dann werden sich auch die offenen Punkte lösen lassen."

Das klingt schon nach sehr nach Paartherapie. Aber auch verbindet seinen Aufruf mit einer Schuldzuweisung. Die "wöchentlichen Attacken auf die Kanzlerin" müssten aufhören, sagte Kauder der in Chemnitz erscheinenden "Freien Presse".

Das sind keine guten Voraussetzungen für das Gelingen einer Paartherapie.

Mit Material der dpa

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(sk)