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"Vor der Morgenröte" im Kino: Nichts für Josef-Hader-Fans

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Stefan Zweig (Josef Hader, r.) beim Bankett mit Minister Soares (Virgílio Castelo) in Rio de Janeiro

Schon der Einstieg, eine lange Szene während eines festlichen Empfangs 1936 in Rio de Janeiro, Brasilien, macht deutlich, dass sich der Film "Vor der Morgenröte - Stefan Zweig in Amerika" viel Zeit nimmt für die letzten Jahre des unnahbaren, empfindsamen und empfindlichen Star-Autors Stefan Zweig. Der 1881 in Wien geborene Künstler war Anfang des 20. Jahrhunderts - gemeinsam mit Thomas Mann (1875-1955) - der meistübersetzte deutschsprachige Schriftsteller seiner Zeit.

Auf dem Höhepunkt seines Weltruhms wurde der überzeugte Pazifist Zweig allerdings 1934 ins Exil getrieben. Von da an lebte er bis zu seinem Selbstmord 1942 erst in London, dann in den USA und in Südamerika. Dort verzweifelte er zunehmend am Wissen um den Untergang Europas, den er schon früh kommen sah. Noch heute lesen Schüler seine "Schachnovelle", die im Jahr seines Todes in Buenos Aires, Argentinien, veröffentlicht wurde.

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Das ungewöhnliche Liebesleben

Am Rande geht es in dem Film auch um Stefan Zweigs Beziehungsleben. Barbara Sukowa (66, "Hannah Arendt") spielt Friderike Zweig (1982-1971), seine erste Ehefrau. Von ihr lebte er seit seiner Flucht aus Salzburg 1934 teilweise getrennt. Ende 1938 wurde die Ehe in London geschieden; der Kontakt brach aber nie ab. 1939 heiratete Zweig seine Sekretärin Charlotte "Lotte" Altmann, die ihn stets auf seine Reisen - und in den Tod - begleitete. Gespielt wird sie von Aenne Schwarz (32), einer der großen Gewinnerinnen des Films. Denn ihr verschwitztes, aber bezauberndes Gesicht vergisst man so schnell nicht mehr.

Fazit

Fans des Kabaretts von Josef Hader (54, "Der Knochenmann") sollten sich nicht in den Film locken lassen. Vom gewohnten Witz, Schmäh und der schrullig-bösen Zunge keine Spur. Zu gut spielt er den schwermütigen und empfindlichen Literaten. Dass Hader auch das ernste Fach beherrscht, demonstrierte er bereits 2008 eindrucksvoll im Drama "Ein halbes Leben" (Deutscher Fernsehpreis, Adolf-Grimme-Preis). Und auch wer wegen den beiden "Polizeiruf 110"-Stars Charly Hübner (43) und Matthias Brandt (54) in den Film gehen möchte, wird nur ein kurzes Vergnügen haben, denn deren Rollen sind sehr klein...

Wer aber mehr erfahren möchte, über einen der großen Literaten und vor allem einen der vielen tragischen Flüchtlinge des vergangenen Jahrhunderts, der ist in Maria Schraders (50, "Aimée & Jaguar") Biopic mit den faszinierenden Landschaftsaufnahmen goldrichtig. In Deutschland startet die Geschichte vom Verlieren der alten und Suchen nach einer neuen Heimat am 2. Juni in den Kinos.