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14 Tricks, mit denen garantiert niemand bemerkt, dass du kein Deutscher bist

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14 Tricks, mit denen garantiert niemand bemerkt, dass du kein Deutscher bist | Goodshoot via Getty Images
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Fast vier Jahre lebe ich nun in Deutschland. Und bin noch nicht richtig integriert. Es ist zum Verzweifeln. Erst neulich sagte ein Freund: „Du bist schon so lange hier und sprichst noch immer kein richtiges Deutsch!“

Wenn es für mich als Österreicherin schon schwierig ist, wie geht es dann erst anderen Zuwanderern?

Vielleicht muss ich einfach genauer das nachmachen, was ich beobachtet habe. Denn ich habe den Deutschen genau zugesehen. Jeden ihrer Schritte notiert. Das deutsche Verhalten studiert. Ich traue mich sogar zu sagen: Ich habe die Deutschen durchschaut.

Wenn du diese 14 Tricks beherzigst, merkt garantiert niemand, dass du kein Deutscher bist.

1. Hör auf, höflich zu sein

Christoph Waltz, Hollywood-Schauspieler und Deutsch-Österreicher sagte einmal im Fernsehen: „Der Unterschied zwischen Österreichern und Deutschen ist, dass Deutsche unhöflich sind, aber es nicht so meinen, und Österreicher höflich sind, aber es nicht so meinen.“

Dem Deutschen wird ja weltweit eine gewisse Direktheit nachgesagt. Und tatsächlich will der Deutsche damit alles andere als unhöflich sein.

2. Schalte deinen Sarkasmus ab

Als Österreicherin tue ich mich von Natur aus schwer mit dem deutschen Humor. Zu viel Klischee, zu wenig Ironie, zu „haudrauf“, zu wenig fein.

Hier eine kurze Szene:

Ich frage einen Freund: "Fährt diese U-Bahn Richtung Innenstadt?"

Er: "Ja, auf dieser Seite fahren die Züge in die eine Richtung, und da drüben in die andere Richtung."

Ich: "Ach echt! Total krass, in Wien war das nicht so."

Er: "Echt?"

Meine Lieblingsüberschrift aus der "Bild"-Zeitung: "15 Dinge, die typisch deutsch sind". Darüber stand noch "Achtung, Ironie!". Ja, man musste es kennzeichnen. Das ist für mich typisch deutsch.

3. Vergiss deine Wurzeln. Die Deutschen wissen auch nicht, wo sie herkommen

Die deutsche Bevölkerung ist alles andere als homogen. Eine Studie der Ahnenforschungsfirma Igenea in Zürich hat zum Beispiel schon 2007 ergeben, dass nur wenige Deutsche germanischer Abstammung sind, dafür spielten Kelten, Wikinger, Skythen, Juden und Slawen in der Ahnenfolge eine große Rolle.

Erstaunlich auch, dass viele Deutsche, die ganz offensichtlich keinen deutschen Nachnamen haben, felsenfest behaupten, ihre Familie sei schon immer hier gewesen. Sie bemühen sich nicht einmal, ihre Wurzeln zu finden.

Also gehe ich mal davon aus, dass es hier niemanden interessiert, dass meine Familie vor ein paar hundert Jahren von Kroatien nach Österreich kam.

Der "echte" Deutsche lebt eben im Hier und Jetzt, also tu ich das ab jetzt auch.

4. Spare am richtigen Ende. Beim Essen etwa

Da, wo ich herkomme, geht man fast jeden Sonntag ins Restaurant zum Mittagessen. Und da bestellt man zuerst eine Suppe, dann eine ordentliche Hauptspeise, einen Beilagensalat und natürlich die Nachspeise.

In Deutschland geht man traditionell schon seltener auswärts essen. Und wenn man es tut, dann achtet man darauf, dass man im Budget bleibt.

Für mich ist das völlig unverständlich, dass man nicht das Steak nimmt, obwohl man es so gerne hätte, sondern die Bulette, weil die fünf Euro günstiger ist.

Eine Umfrage der Stiftung für Zukunftsfragen kam zu dem Ergebnis, dass 69 von 100 Befragten am ehesten bei Restaurant, Kino oder Disco sparen würden, wenn sie knapp bei Kasse sind. Beim Einkaufen sucht laut der Nielsen-Studie jeder dritte Deutsche nach preisreduzierten Waren und nutzt Coupons.

Apropos ...

5. Geh zum Discounter

Aldi und Lidl gibt es ja in meinem Land auch, da heißt ersterer allerdings „Hofer“. Aber es ist unglaublich, welche starken Gefühle der Deutsche gegenüber Discountern hegt.

Sie sind der Tempel des deutschen Geizes.

Es fällt mir immer noch schwer, mich aus den aufgerissenen Pappkartons zu bedienen. Aber ich bleibe tapfer. Und der Aldi-Champagner ist gar nicht so schlecht.

6. Sei politisch korrekt – um jeden Preis. Ja, echt. Verkneif dir den Witz. Ja, obwohl er gut ist

Unterstehe dich, einen Witz über Geschichte, Behinderte, Homosexuelle, Geschlechter oder Herkunft zu machen. Außer über Ossis. Das ist in Ordnung.

Die politische Korrektheit der Deutschen hat aber auch einen Vorteil: Deutschland ist das einzige Land, in dem man als Österreicherin keine zweideutigen Bemerkungen über „Keller“ zu hören bekommt.

7. Hör heimlich Schlager

Kaum einer gibt es wirklich zu. Aber seien wir mal ehrlich: An wen verkaufen Helene Fischer und Andrea Berg ihre Millionen Platten?

Genau, an die Millionen Deutschen, die sie heimlich hören.

8. Sag deine Meinung. Heißt: Sag deine Meinung - egal, ob man sie hören will oder nicht

„Schön, dich kennen gelernt zu haben, du warst manchmal ein bisschen anstrengend, nimm’s nicht persönlich, aber meistens sehr nett.“

Das schrieb eine Deutsche auf meine Karte am Ende eines Sprachkurses in Malta. Eigentlich wurden wir gebeten, unseren Klassenkollegen nette Abschiedsworte mitzugeben.

Aber sie wurde um ihre Meinung gebeten und die teilte sie mir mit.

9. Verehre dein Abendbrot

Seit dem letzten Jahr ist es offiziell abgesegnet: Deutsches Brot ist Weltkulturerbe. Ja, UNSESCO-Weltkulturerbe.

Mehr noch als Kaffee ist Brot das Lebenselixier des Deutschen am Morgen. Und zwar das Roggenmischbrot im Verhältnis 60:40.

10. Habe eine Lieblingsregion beim „Tatort“

Münsteraner "Tatort"? Hannoveraner "Tatort"? Ach Mist, heute läuft der Schweizer "Tatort". Seit über 45 Jahren ist der „Tatort“ das ultimative Fernsehlagerfeuer der Deutschen.

In Österreich fährt der „Tatort“ durchaus auch ausgezeichnete Quoten ein und hat viele treue Fans. Aber er ist keine Religion. Ganz anders in Deutschland. Montagmorgen sollte man bestens vorbereitet sein und eine ganz klare Meinung zum „Tatort“ vom Vorabend haben.

11. Wenn du etwas sagst, dann musst du es auch so meinen

"Lass uns mal treffen" - "Okay, wann?" - "Ähm ...". Ja, der Deutsche ist verbindlich. Dieses unverbindliche österreichische Gerede von wegen "Ja, wir reden uns dann zusammen" geht hier nicht.

Als Österreich Obergrenzen für Flüchtlinge im eigenen Land eingeführt hat, war die Empörung in Deutschland groß. So groß, dass man gar nicht bemerkt hat, dass der Verteidigungsminister einen Tag später zurückgerudert ist und meinte: „Ähm, gilt eigentlich nur für eine Grenze.“

Der österreichische Politologe Reinhard Heinisch schrieb in der Huffington Post: „Maßnahmen werden in Österreich mit einer gewissen Dramatik angekündigt, werden aber dann durch Interpretationsspielraum weniger konsequent umgesetzt als in Deutschland.“

12. Schließ die Türen zwischen deinen Räumen

... und ...

13. Dreh die Heizung immer nur in dem Raum auf, in dem du gerade bist

Hängt vielleicht mit Punkt 4 zusammen. Ich weiß es nicht. Ganz seltsame Angewohnheit. Mach einfach.

14. Nörgle über die richtigen Dinge – zum Beispiel die Deutsche Bahn

Der Deutsche beklagt sich schon sehr gerne. Zum Beispiel darüber, zu wenig Zeit zu haben, oder über Verkehrslärm, oder über Bahnverspätungen.

"Es ist das ursprüngliche Fundament der Gesellschaft und die heimliche Quelle der nationalen Identität“, schreibt der Autor Eric Hansen. Der US-Amerikaner lebt in Berlin und schrieb sogar ein Buch darüber.

Er geht hart mit den Deutschen ins Gericht: "In Deutschland gilt Nörgeln als Zeichen von Intelligenz. Wer nörgelt, hat kapiert, dass hinter jeder guten Nachricht auch eine schlechte steckt. Der Nörgler weiß, dass die Welt ihn reinlegen will, und stemmt sich dagegen."

Nicht dagegen wehren. Einfach mitmachen.


Flüchtlingskrise: Helft den Helfern!

Die Flüchtlingskrise bewegt die Deutschen wie kein anderes Thema. Viele blicken fassungslos auf das, was sich an Europas Grenzen abspielt. Auf das Leiden und die Nöte der Hilfesuchenden.

Dabei gibt es zahlreiche Menschen und Organisationen, die vor Ort helfen, die Probleme zu lösen. Zusammen mit der Spendenplattform betterplace.org nennt die Huffington Post spannende Projekte, die ihr direkt unterstützen könnt.

Die Nachrichten von ertrunkenen Flüchtlingen nehmen kein Ende. Auch, weil es viel zu wenig Rettungskräfte auf dem Mittelmeer gibt. Hier versucht die Mannschaft des Schiffes Sea Watch 2. zu helfen. Spenden benötigt die Crew für Nahrung, Schwimmwesten und Medikamente.

Auf der sogenannten Balkanroute ist ein großer Teil der Flüchtlinge unterwegs. Der Verein Soups & Socks versorgt Flüchtlinge hier mit einer warmen Mahlzeit und anderen lebensnotwendigen Dingen. Hier geht es weiter zur Soups & Socks Tour.

Ein weiteres Problem sind die vielen unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlinge in Berlin. Ihnen vermittelt die Organisation Akinda beispielsweise einen gesetzlichen Vertreter. Wie das geht, beschreiben die Initiatoren hier.

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(sk)