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Toyota Hilux: Roadtrip zu Brangelina

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Hilux-Konvoi in Namibia: Staubfahne ohne Ende

18 Millionen verkaufte Exemplare in bald 50 Jahren sind eine Ansage. Vor allem, wenn man berücksichtigt, dass Europa mit einem Anteil von 815.000 Stück nicht gerade zu den stärksten Märkten des Toyota Hilux zählt. Seit er 1968 anfing, die von den Amis dominierte Pick-up-Szene aufzumischen, fand er auch in Deutschland eine kleine Fangemeinde. Von Generation 8, die im September ausgeliefert wird, möchte Toyota bei uns jährlich 40.000 Hiluxe unters Volk bringen. Das ist in einer automobilen Infrastruktur, in der rollende Fahrerkabinen mit angedockter Ladefläche zu den Raritäten im Straßenbild zählen, eine durchaus respektable Zahl.

Hein Truter ist keiner, dem man gerne widerspricht. Vermutlich mag er das auch gar nicht. Um die Einsneunzig, kantiger Schädel, Safarihut mit breiter Krempe, wache, stechende Augen. Typ Idealbesetzung als Sicherheitschef fürs Dschungelcamp. Hein's Ansagen sind kurz, knapp und enden meist mit einem gedehnten "okay?", das aus dem Satz eine rhetorische Frage macht. Die Mission des weißen Mannes aus Windhoek: Gut zwei Dutzend europäische Autoschreiber (nicht -schrauber!) in zwei Konvois mit insgesamt 25 Ausgaben der neuen Toyotas über eine Strecke von mehr als 500 Kilometer durch Namibia zu bringen. Möglichst heil, versteht sich. Hört sich gar nicht so wild an, aber Hein geht auf Nummer Sicher und wählt die Disziplin-Variante. Funktioniert.

Auch Kate Upton machte schon die Wüste unsicher, wie auf Clipfish zu sehen ist

Von Swakopmund an der Westküste Namibias, wo sich noch immer irritierende Überbleibsel deutscher Kolonialherrschaft aus Bismarck'schen Zeiten eisern halten ("Buchhandlung", "Hotel zum Kaiser" etc.), geht es mit dem Hilux gleich mal in eine Dünenlandschaft, und erstmal ist die Luft raus. Aus den Reifen natürlich, denn das braucht es, um steile Sandberge zu schaffen. Mit der Kraft seiner 150 PS aus dem 2,4 Liter-Turbodiesel und einem Drehmoment von 400 Newtonmeter fühlt sich der Hilux in diesem Terrain wie zuhause, was sich nicht von allen Autoexperten behaupten lässt. Aber bei denen, die dosiert auf dem Gas bleiben, wühlt sich der mobile Wüstenfuchs mit zugeschaltetem Allradantrieb brav durch den Sand. Wobei man der Fairness halber hinzufügen muss, dass es die mit der feinfühlig schaltenden Sechs-Gang-Automatik ein wenig einfacher hatten, als die Herrschaften mit Schaltgetriebe. Die Bergabfahrkontrolle indes, die das Auto auch bei steilsten Pisten jederzeit im Griff hatte, wussten beide Lager zu schätzen.

Kein Durchblick in der Staubschlange

On the road again. Oder was man in Namibia unter einer Straße versteht, die unbefestigt ist und aus Schotter oder afrikanischer Erde. Selbst bei Abständen bis zu 200 Metern befindest du dich im ständigen Blindflug, und aus der Ferne betrachtet windet sich der Konvoi in den langen Staubfahnen wie eine fette, helle Schlange. Tückisch außerdem: In den wenigen Kurven herrscht Rutschgefahr auf dem feinen Sand, zum Glück lässt sich das ausbrechende Heck des Hilux problemlos einfangen. Trotz seiner gut 1.800 Kilo ist die viersitzige Version Extra Cab - es gibt auch noch die Modellvarianten Single Cab (Zweisitzer) und Double Cab (Fünfsitzer) - ein ziemlich gutmütiger Vertreter des Übersteuern. Und weil wir gerade bei den Fahrleistungen sind: Die Beschleunigung auf Tempo 100 in 12,8 Sekunden und die Höchstgeschwindigkeit von 170 km/h sind auf staubigen Pisten ohnehin nur theoretische Werte. Ganz abgesehen davon, dass für den Linksverkehr in Namibia Tempo 120 auf geteerten und 80 auf natürlich planierten Straßen gilt.

"Dafür hätten wir nicht nach Namibia fliegen müssen", mault abends am Lagerfeuer ein Kollege aus der spanischen Gruppe. "Solche Bedingungen haben wir zuhause auch." Ignorant. Erstens soll es Leute geben, die in die Karibik fliegen, obwohl es in Spanien auch Meer gibt. Zweitens befahren wir atemberaubend schöne, unendlich weite Landschaften, in denen sich karge Berge und grüne Steppen auf eine stille, friedliche Koexistenz geeinigt haben. Pinkfarbene Flamingoschwärme waten am Wegesrand durch seichtes Wasser, vereinzelte Springböcke flüchten vor dem Motorenlärm, einige versprengte Zebras bleiben unbeeindruckt. Und rund um die Guest Farm von Namibgreen, am Rande des Namib Naukluft National Park und auf dem halben Weg in die Hauptstadt Windhoek gelegen, ging's mit dem Hilux nach einer Nacht im Zelt ins Gelände. Besser: Zum Autoklettern über Stock und Stein im Outback. Erstaunlich, wie gut sich der Toyota Hilux off road macht. Andererseits muss es gute Gründe geben, warum dieser Pick-up in über 100 Ländern dieser Erde einen guten Ruf genießt. Den nämlich, unverwüstlich zu sein.

Am Ende stehen 25 verstaubte und verdreckte Hilux vor der N/a'an ku se Lodge nahe Windhoek, zu der 240 Hektar großer Wildpark gehören, in dem - hinter Zäunen aber mit reichlichst Auslauf - Löwen, Leoparden und Geparden gehalten werden, die wegen ihrer langen Gewöhnung an Menschen nicht mehr ausgewildert werden können. Die Lodge und ihr Wildlife Sanctuary gehören einer gemeinnützigen Stiftung, die sich durch die Vermietung von wunderschönen Appartments und fantastischen Luxusvillen finanziert. Und jetzt - endlich! - kommen wir zu Brangelina. Das Glamourpaar verbrachte einige Safari-Tage in der Lodge, und ein Kollege durfte nun behaupten, im Bett von Angelina Jolie geschlafen zu haben.

Toll. Viel spannender wäre gewesen zu erfahren, ob sie in einem Hilux unterwegs waren. Aber diese Geschichte ist nicht überliefert.

Technische Daten, Toyota Hilux Comfort Extra Cab: Viertüriger Pick-up mit zuschaltbarem Allradantrieb, Länge: 5,33 Meter, Breite: 1,85 Meter, Höhe: 1,81 Meter, Radstand: 3,08 Meter, Wendekreis: 13,4 Meter, Leergewicht: 1.800-1.850 Kilogramm, Ladefläche: 1,81x1,64x0,48 Meter, Tankinhalt: 80 Liter, Motor: Vierzylinder Diesel mit Turbolader, Hubraum 2.393 ccm, Leistung: 150 PS bei 3.400 U/min, max. Drehmoment: 400 Newtonmeter bei 1.600 - 2.000 U/min, 0 - 100 km/h: 13,2 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit: 170 km/h, Durchschnittsverbrauch NEFZ: 6,8 Liter Diesel/100 km, CO2-Emission: 178 g/km, Euro 6, Preis ab: 34.730 Euro (Modell Duty ab 24.590 Euro)