Huffpost Germany

Streit bei den Grünen: Darf die Heinrich-Böll-Stiftung mit Airbus für grünes Fliegen werben?

Veröffentlicht: Aktualisiert:
GRNE
Streit bei den Grünen: Darf die Heinrich-Böll-Stiftung mit Airbus für grünes Fliegen werben? | dpa
Drucken
  • Die den Grünen nahestehende Heinrich-Böll-Stiftung hat eine Broschüre mit Airbus herausgegeben
  • Ziel: Umweltfreundlicheres Fliegen fördern
  • Grünen-Politiker diskutieren nun, ob das ein Fauxpas ist - oder eine gute Idee

Die Grünen stehen für Umweltschutz und Gewaltlosigkeit. Es sind ihre Kernthemen, definiert im Grundsatzprogramm.

Und nun kooperiert die Heinrich-Böll-Stiftung mit Airbus.

Die Stiftung steht den Grünen nahe, in ihrer Führung sitzen viele Grünen-Politiker, in ihren Zielen steht „gegen Umweltzerstörung angehen“ und „Konflikte mit zivilen Mitteln lösen“. Und zur Airbus-Group gehört der größte Flugzeughersteller Europas sowie der Rüstungshersteller Airbus Defence and Space.

Heinrich Böll Stiftung und Airbus geben Broschüre heraus

An diesem Mittwoch, zur Eröffnung der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) in Berlin, veröffentlichten die Heinrich-Böll-Stiftung und Airbus eine Broschüre mit dem Titel „Oben. Ihr Flugbegleiter“.

Der Tenor: „Wir alle fliegen. Immer mehr. Den globalen Luftverkehr nachhaltig zu gestalten, ist eine gemeinsame Aufgabe.“

Der Inhalt: Ein paar Fakten zum Luftverkehr, Ideen für Kerosin aus Algen-Öl, ein bisschen Verkehrs- und Umweltpolitik.

Umweltschützer und eine Fluggesellschaft - geht das zusammen?

Was soll man davon nun halten? Selbst die Grünen sind sich uneins.

Stellvertretende Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Kerstin Andreae, verteidigt die Aktion als „kritischen Dialog“, als „Streiten“, ohne das sich die Wirtschaft nicht verändere.

Ihr Kollege Jürgen Trittin frotzelt, wenn es sich bei dieser Aktion um Streiten handele, dann könne man Greenwashing – also die ungerechtfertigte öffentliche Darstellung eine Unternehmens als umweltfreundlich – auch als Biosiegel verkaufen.

Und selbstverständlich stichelt auch der politische Gegner, darunter Andrej Hunko von den Linken:

Und auf dem Blog der Umweltschutzorganisation „Robin Wood“ heißt es: „Um es klar zu sagen: Das Klima schützt, wer weniger fliegt. Alles andere ist Quark.“

Wenig Fliegen? "Ein edler Vorsatz, keine Lösung"

Ralf Fücks, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung, verteidigt sich. Zwar müssten Kurzstreckenflüge durch Bahnfahrten und manche Flugreise durch eine Videokonferenz ersetzt werden. Aber letztlich sei nicht mehr so viel zu fliegen „ein edler Vorsatz, aber keine wirkliche Lösung des Problems“ angesichts der globalen Entwicklungen.

Die Wähler der Grünen sind da übrigens ganz vorne mit dabei. In der Broschüre wird eine repräsentative Umfrage von 2014 zitiert, nach der 49 Prozent der Grünen-Wähler im Jahr zuvor geflogen sind. Unter den Linke-Wählern waren es 42 Prozent, gefolgt von Anhängern der Union mit 36 Prozent und der SPD mit 32 Prozent.

Fücks plädiert deshalb für CO2-freies Fliegen, alternative Treibstoffe, für mehr Druck der Politik, für klare Zielvorgaben.

Die Themen müsse man einem breiten Publikum bekannt machen. "Weil Airbus mit an Bord ist, kann man das nicht als grünes Wolkenkuckucksheim abtun.“

Der Dialog mit Airbus sei deswegen auch „keine Harmonieveranstaltung“ gewesen. Und was die Rüstungssparte von Airbus angehe: die "war nicht Gegenstand des Dialogs“.

Kooperation ist eine gute Lösung - aber sie muss gut gemacht werden

In einem Punkt haben Fücks und seine Unterstützer sicher recht: Nicht mit der Industrie zu reden und ausschließlich Konzepte zu predigen, die die meisten Bürger als utopisch ablehnen, bringt der Umwelt gar nichts. Mit dem Dialog eröffnet sich die realistische Chance, wenigstens etwas zu bewegen.

Aber in einem Punkt haben auch Fücks Kritiker Recht: Weniger Jubel in der Broschüre über technische Möglichkeiten, die erst in Dekaden in Serie gehen können, hätte der Stiftung gut gestanden. Auch das gehört zum Realismus.

Auch auf HuffPost:

Das ist Deutschlands neues Boomland – und es ist nicht Bayern

(ca)