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Polizeigewerkschaft: "Sex-Attacken wie in Darmstadt werden sich häufen"

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  • Polizeigewerkschafts-Chef Wendt warnt: "Sex-Attacken wie in Darmstadt werden sich häufen."
  • Wendt fordert härtere Strafen für Flüchtlinge, die Straftaten begehen.
  • Die Zahl der von den Darmstädter Übergriffen mutmaßlich betroffenen Frauen stieg zuletzt an.
  • Die Darmstädter Polizei verteidigt sich. Ein Sprecher äußert sich im Video oben zu den Sex-Attacken.

Nach den erneuten Übergriffen von Männergruppen mit mutmaßlichem Migrationshintergrund bei einem öffentlichen Fest, schlägt die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) Alarm: „Solche Sex-Attacken wie jetzt in Darmstadt werden sich auch weiter häufen“, sagt deren Vorsitzender Rainer Wendt im Gespräch mit der Huffington Post.

Wendt verweist auf die massenhaften Attacken von Köln, die Übergriffe beim Düsseldorfer Japan-Tag und die Vorfälle auf dem Berliner Karneval der Kulturen. Auch bei der Bergkirchweih im fränkischen Erlangen kam es zuletzt zu 14 sexuellen Übergriffen.

Oft seien Migranten, nicht selten Asylsuchende, die Täter gewesen, sagt Wendt. Asylbewerber, die für Gewalt- oder Sex-Delikte verurteilt werden, sollten bis zum Ausgang ihrer Asylverfahren in „Abschiebehaft genommen werden“, fordert er.

"Sex-Attacken kaum zu verhindern"

Derlei Übergriffe bei Großveranstaltungen seien für die Polizei auch „künftig kaum zu verhindern“, sagt Wendt der Huffington Post. Der Sicherheitsexperte klagt: „Die Einsatzkräfte werden hier vor eine ganz neue Herausforderung gestellt.“ So viel Personal wie nötig sei, um solche Taten zu verhindern, habe die Polizei schlicht nicht.

Wendt fordert deshalb weitere Stellen für die Sicherheitsbehörden. Solche Taten seien für den Rechtsstaat "nicht hinnehmbar".

Die Zahl der Frauen, die beim Darmstädter Musik-Festival Opfer von Sex-Attacken wurden, könnte möglicherweise weiter steigen. „Es ist sehr gut möglich, dass sich noch mehr Frauen melden“, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Südhessen am frühen Dienstagabend der Huffington Post.

Bei Sexual-Delikten könne immer einige Zeit vergehen, bis die Opfer zur Polizei gingen. Ein Grund kann aus Sicht von Sicherheitsexperten etwa sein, dass sich das Opfer schämt. Auch Wendt geht davon aus, dass es noch eine Dunkelziffer an Straftaten geben könnte: "Auch nach Köln und anderen Übergriffen von Männergruppen dauerte es einige Zeit, bis das ganze Ausmaß bekannt war."

26 Frauen meldeten sich bei der Polizei

Tatsächlich hatten nach den Sex-Attacken in der Domstadt an Silvester auch noch Wochen später Opfer der Grabscher die Polizei aufgesucht. Am Montag und Dienstag hatten sich auch in Mainz noch eine Reihe von mutmaßlichen Opfern von Übergriffen beim Musik-Festival den zuständigen Beamten anvertraut.

Bis zum Dienstagnachmittag hätten sich insgesamt 26 Frauen bei der Darmstädter Polizei gemeldet, sagte der Polizeisprecher. Inzwischen gebe es 14 Anzeigen. Noch nicht alle Angaben der Frauen seien geklärt. Zunächst hatte die Polizei noch von 18 Anzeigen gesprochen.

Berichte von sexuellen Attacken durch größere Migrantengruppen sind allerdings mit Vorsicht zu betrachten. In Kiel hatten angebliche Übergriffe in der geschilderten Form nie stattgefunden. Manche Vergewaltigungen sind überdies komplett erfunden.

Polizei weist Vorwürfe zurück

Dem bei den Darmstädter Übergriffen laut gewordenen Vorwurf, die Polizei habe nicht genug Präsenz bei dem Musikfest gezeigt, wies der Sprecher der örtlichen Polizei auf Anfrage zurück: „Die Polizei war mit viel Personal vor Ort, nicht nur ein oder zwei Streifenwagen.“ Bis die ersten Übergriffe bekannt wurden, sei das Fest „sehr ruhig verlaufen“.

Dass es eine Vielzahl an sexuellen Übergriffen gab, die jetzt erst durch die Anzeigen bekannt wurden, habe man bis Sonntag „ja nicht ahnen können“. In der Vergangenheit sei das Fest in der Regel ruhig verlaufen. Für den Sprecher ist überdies klar: „Wir können nicht für jeden Festbesucher einen Polizisten abstellen.“

Zum Ende des viertägigen Schlossgrabenfestes mit etwa 400.000 Besuchern hatten zunächst drei Frauen in der Nacht zum Sonntag die Polizei darüber informiert, von mehreren Männern unsittlich angefasst worden zu sein.

Ähnlich wie in der Kölner Silvesternacht sollen die Verdächtigen in Kleingruppen vorgegangen und die Frauen umzingelt haben. In Köln liegen inzwischen mehr als 1000 Strafanzeigen vor.

Tatverdächtige wieder auf freiem Fuß

In einer Pressemitteilung der Polizei Darmstadt hieß es, nach dem Eindruck der Frauen habe es sich „um Männer aus dem südasiatischen Raum gehandelt“.

Die Beamten nahmen kurz darauf drei verdächtige Männer im Alter von 28 bis 31 Jahren fest. Diese sind inzwischen wieder auf freiem Fuß. „Es gibt keine Haftgründe“, sagte der Sprecher der Polizei Südhessen. Die Männer hätten einen festen Wohnsitz. Laut der Polizei stammen sie aus Pakistan. Zwei seien Asylbewerber, der dritte vermutlich auch.

"Im Intimbereich berührt"

Ermittelt werde wegen sexueller Nötigung und Beleidigung auf sexueller Grundlage. Die Tatverdächtigen hätten sich den Schilderungen zufolge den auch jugendlichen Opfern mit Antanzen genähert und „fast immer im Intimbereich“ berührt, sagte der Sprecher.

Allem Anschein nach hätten sie sexuelle Absichten gehabt, um den Diebstahl von Geldbörsen sei es nicht gegangen. Von Vergewaltigungen wie in Köln hätten die Frauen aber nicht berichtet.

In einer ersten Mitteilung hatte die Polizei berichtet, die drei Tatverdächtigen könnten von zwei bis drei unbekannten Männern begleitet worden sein. Zu diesem Hinweis gebe es aber noch keine genauen Erkenntnisse, so der Polizeisprecher.

Mit Material der dpa

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