Huffpost Germany

Wassermassen fluten ganze Städte: Katastrophenalarm in Niederbayern

Veröffentlicht: Aktualisiert:
TRIFTERN
Katastrophenalarm in Günzburg in Bayern (Archivbild) | Bayernwerk AG
Drucken
  • Landkreise Rottal-Inn und Passau rufen Katastrophenfall wegen Überschwemmungen aus
  • Viele Menschen sind von den Wassermassen eingeschlossen, darunter auch hunderte Schulkinder
  • Nahe der Stadt Regen konnten 27 Kinder aus dem Wasser gerettet werden

Nach schweren Überschwemmungen haben die Landkreise Rottal-Inn und Passau in Niederbayern den Katastrophenfall ausgerufen. In Rottal-Inn sind nach Angaben des Landratsamtes vom Mittwoch die Orte Simbach am Inn, Triftern und Tann betroffen.

Wie mehrere Medien berichten, harren derzeit Hunderte Kinder in einer abgeschnittenen Schule aus. Die Zufahrtswege seien nicht passierbar, möglicherweise müssen sie nun die Nacht die Turnhalle verbringen.

Laut dem Bauhofleiter in Triftern ist die Lage "katastrophal". Das berichtet die "Passauer Neue Presse" (PNP). Sämtliche Feuerwehren, Wasserwacht und andere Hilfskräfte aus der Umgebung seien im Einsatz. Nach Informationen von "Focus Online" wurde bereits ein Haus weggespült.

In Triftern war der Altbach über die Ufer getreten und hat den Ortskern überschwemmt. Der Fluss habe den höchsten Pegel seit Beginn der Aufzeichnungen erreicht, berichtet die "PNP". Ein Video zeigt das Ausmaß der Zerstörung:

Auch im Ort Tann filmen Bewohner aus ihren Fenstern, wie sich die Wassermassen ihre Wege durch die Straßen bahnen:

Im Raum Simbach und Pfarrkirchen kommt es derzeit zu Stromausfällen, mindestens 13 Ortschaften sind betroffen. Das Handynetz ist laut der "PNP" zusammengebrochen.

Auch Passau schlimmer betroffen als zunächst angenommen

Mittlerweile verschlimmert sich in Passau die Lage ebenfalls: Das Hochwasser an der Donau nimmt größere Ausmaße an als zunächst angenommen.

Der Passauer Landrat Franz Meyer hat deshalb den Katastrophenfall ausgerufen. Damit habe der Katastrophenschutz-Stab des Landkreises seine Arbeit aufgenommen und koordiniert den Einsatz von derzeit über 40 Feuerwehren, teilte das Landratsamt am Mittwochnachmittag mit. Betroffen waren unter anderem Bad Griesbach, Kößlarn, Ruhstorf, Harbach, Kirchham und Neuburg a. Inn.

Die Bevölkerung solle nun auf unnötige Autofahrten verzichten, nach Möglichkeit in Haus bleiben und Kellerräume vermeiden. Laut dem Landratsamt seien bereits im großen Ausmaß Straßen und Keller überflutet, eine Entspannung der Situation sei nicht zu erwarten.

In Passau selbst ist zentrale Fritz-Schäffer-Promenade bereits seit dem frühen Nachmittag gesperrt, Parken in der Innenstadt ist derzeit verboten. Die Polizei ist vormittags von Haus zu Haus gegangen und hat die Bewohner gebeten, ihre Autos wegzufahren.

Auch kam es zu einem kleinen Schiffsunfall an einer Hängebrücke: Das Oberdeck des Passagierschiffs "Amadeus Silver" kollidierte am Vormittag mit der Unterseite der Brücke. Den Sachschaden schätzte die Polizei auf 5000 Euro, verletzt wurde niemand.

Dammbruch nahe Altötting

Am Grenzgebiet zum Landkreis Altötting ist derzeit ebenfalls ein Großaufgebot an Rettungskräften im Einsatz: Nach ersten Informationen der "PNP" ist nahe dem Ort Bruckmühl ein Damm des Türkenbachs gebrochen. Mehrere Menschen sollen nun auch dort vom Wasser eingeschlossen ein.

Der Inn bereitet den Helfern entgegen einigen Medienberichten aber noch keine Probleme. Er würde zwar mehr Wasser als gewöhnlich führen, habe aber noch kein Hochwasser-Level erreicht. Schwierigkeiten machen im Landkreis bisher eher kleinere Bäche, die sich durch die Wassermassen zu reißenden Flüssen entwickeln.

Auch der Landkreis Regen wird vom Unwetter geplagt. In einer Spedition in Viechtach schlug der Blitz ein und ein Feier brach aus. Die Höhe des Schadens ist noch unklar. Außerdem wurden im Ort viele Straßen und Unterführung überflutet.

27 Kinder nach Bootsunfall gerettet

Gute Nachrichten kommen währenddessen aus der Stadt Regen: 30 Personen, darunter 27 Schulkinder, konnten aus dem Wasser gerettet werden. Die siebte Klasse einer Augsburger Realschule wurde bei einer Bootsfahrt am Schwarzen Regen vom Unwetter überrascht.

Die Boote trieben durch die starke Strömung auseinander, bei vielen brach Panik aus. Für die Rettung war ein Großaufgebot an Hilfskräften im Einsatz, darunter mehrere Hubschrauber und die Rettungshundestaffel.

Ein Teil der Schüler musste von einer kleinen Insel gerettet werden, der Rest erreichte aus eigenen Kräften das Ufer. Zwei Mädchen wurden leicht verletzt, sie erlitten einen Schock und eine Unterkühlung.

Auch auf HuffPost:

In fünf Kreisen gilt Alarmstufe rot: Hier schlägt das Unwetter jetzt wieder richtig zu