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Nach Kritik an Mekka-Reise: Das sagt Mesut Özil über die AfD

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  • DFB-Star Mesut Özil ist gläubiger Muslim
  • Für seine Reisefotos aus Mekka wurde er von AfD-Vertretern angefeindet
  • Jetzt reagiert er: "Da wollen sich bloß welche wichtigmachen“

Erst singt er nicht die deutsche Nationalhymne mit und nun auch noch das: Mit seiner Pilgerreise nach Mekka hat Mesut Özil heftige Reaktionen bei vielen AfD-Anhängern ausgelöst. Nachdem der 27-Jährige am 22. Mai ein Foto von sich in traditionellem Gewand in der heiligen Moschee gepostet hatte, musste er sich wegen dieses "antipatriotischen Signals“ kritisieren lassen.

🕋 #Mecca #HolyCity #SaudiArabia #Islam #Pray

Ein von Mesut Özil (@m10_official) gepostetes Foto am


Mesut Özil, der an Deutschlands WM-Triumph 2014 maßgeblichen Anteil hatte, ist gläubiger Muslim – und hat sich nun erstmals zu den Anfeindungen geäußert. Der Weltklasse-Mittelfeldspieler nimmt’s gelassen: "Es gibt immer Leute, die stets etwas Negatives am Menschen suchen“, sagte er im Interview mit dem Kölner "Express“. "Die nutzen die Bühne eines solch großen Turnieres, um sich wichtigzumachen.“

AfD kritisierte Özil wegen seines muslimischen Glaubens

Und weiter: "Ich bin Sportler, konzentriere mich auf Fußball und will die EM gewinnen. Davon lasse ich mich von solchen Äußerungen nicht abbringen.“



Mittelsachsens Kreisvorstand Andrea Kersten hatte Özil vorgeworfen, eine Gesinnung zu unterstützen, "in der Christen und Juden nur Menschen zweiter Klasse sind“ und in der "die Scharia über der Demokratie steht“.

Özil: "Das beeinflusst uns als Team nicht“

Mesut Özil bevorzugt es, auf Kritik wie der des AfD-Vizes Alexander Gauland gegen DFB-Teamkollegen Jerome Boateng nicht weiter einzugehen. "Ehrlich gesagt halte ich es eigentlich für besser, nicht viel darüber zu sprechen. Da wollen sich bloß welche wichtigmachen. Das beeinflusst uns als Team nicht.“

Seine Religion spielt für den in Gelsenkirchen geborenen Sohn türkischer Eltern eine große Rolle. Özil betet regelmäßig, auch vor dem Anstoß senkt er den Kopf und hält mit geöffneten Handflächen kurz inne. Auf seinem linkem Oberarm prangt seit zwei Jahren ein großes Tattoo mit dem Schriftzug: "Only God can judge me“.

Ramadan-Fasten während EM? "Unmöglich“

Doch die Europameisterschaft in Frankreich (10. Juni bis 10. Juli) kollidiert in diesem Jahr mit dem am 6. Juni beginnenden islamischen Fastenmonat Ramadan. In diesem dürfen Gläubige vom Morgengrauen bis Sonnenuntergang nichts essen und nichts trinken, so steht es im Koran.

Doch für Sportler gibt es eine Ausnahme. Schon bei der WM 2014 hatte sich der Deutsche Fußball-Bund mit dem Zentralrat der Muslime in Deutschland verständigt, dass seine Spieler das Fasten nachholen dürfen. "Das Wetter ist im Sommer zu warm“, erklärte Özil nun. "Wir haben intensive Trainingseinheiten und Spiele. Da ist es für mich unmöglich, zu fasten.“

DFB-Präsident Grindel lobt Özil

Neben Mesut Özil sind im deutschen EM-Kader auch Sami Khedira, Emre Can und Shkodran Mustafi muslimischen Glaubens. Für sein Mekka-Foto erntete Özil übrigens längst nicht nur Kritik. Von über zwei Millionen Facebook-Nutzern aus aller Welt gab’s ein dickes "Daumen hoch“.

Unterstützung gibt es auch vom neuen DFB-Präsidenten. "Millionen Menschen lieben unsere Mannschaft, weil sie so ist, wie sie ist“, sagte Reinhard Grindel zu "Sport-Bild“. "Mesut Özil ist Teil dieser Mannschaft, in der es keine Rolle spielt, wo jemand seine Wurzeln hat, welche Religion er ausübt, ob er Moslem oder Christ ist."

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(lk)