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Flüchtlingskrise hat Kriminalität drastisch ansteigen lassen - aber anders, als viele denken

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DE MAIZIERE KRIMINALITTSSTATISTIK
De Maizière stellte die Kriminalstatistik 2015 vor | Kay Nietfeld/dpa
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  • BKA veröffentlicht Kriminalitätsstatistik für 2015
  • Innenminister de Maizière zeigt sich besorgt

Mit 39.000 politisch motivierten Straftaten im Jahr 2015, davon 23.000 rechtsmotiviert, hat die politische Kriminalität einen neuen Höchststand erreicht.

Dies zeigen die Zahlen der jährlichen Kriminalstatistik des Bundeskriminalamts.

Aber das BKA listet nicht nur Zahlen auf, es nennt auch Gründe für die Gewalt.

Fremdenfeindliche Gewalt gab es schon immer, doch seit Deutschland mehr als eine Million Flüchtlinge aufgenommen hat, ist die Zahl der Übergriffe auf Asylsuchende stark angestiegen.

Während 2014 199 Angriffe auf Flüchtlingsheime registriert wurden, waren es 2015 mehr als 1000. Auch Gewalttaten mehrten sich und sind zu einem quasi alltäglichen Phänomen geworden.

Auch Besserung ist bislang nicht in Sicht. Im ersten Quartal 2016 wurden bereits mehr als dreimal so viele Übergriffe registriert wie im gleichen Vorjahreszeitraum.

Rechtspopulisten nutzen Flüchtlingskrise für sich

Die Täter, meist junge Männer zwischen 18 und 30 Jahren, besitzen oft einen rechtsextremen Hintergrund. Das Auffällige hierbei: Rund die Hälfte von ihnen wurde erst durch die Flüchtlingskrise kriminell aktiv.

Die Ankunft der vielen Flüchtlinge in den vergangenen beiden Jahren wurde von Rechtspopulisten genutzt, um Fremdenhass zu schüren und bisher zurückhaltende, fremdenfeindliche Bürger zu mobilisieren. Zahlreiche Demonstrationen, Beschimpfungen im Internet und wachsende Zwietracht in der Bevölkerung waren die Folge.

Die Rückkehr der "German Angst"

Innenminister Thomas de Maizière zeigte sich bei der Veröffentlichung der Kriminalstatistik besorgt und räumte gleichzeitig mit einigen Vorurteilen gegenüber Flüchtlingen auf.

Deutschland habe sich durch die Flüchtlingskrise polarisiert: der Fremdenhass sei im Turbogang gestiegen, während gleichzeitig die Hemmschwelle für Beleidigungen und Gewalttaten sank. Die „übertriebene Sorge um den Anstieg der Kriminalität durch Asylbewerber und Flüchtlinge“, sei jedoch unbegründet.

Asylbewerber größtenteils harmlos

Die Zahl der Straftaten sei laut Statistik mit der steigenden Bevölkerungszahl zwar gestiegen, im Schnitt seien Flüchtlinge jedoch nicht kriminell auffälliger als die deutsche Bevölkerung.

Von den rund 190.000 begangenen Straftaten im Jahr 2015, handele es sich bei zwei Drittel um harmlose Vergehen wie Schwarzfahren oder kleine Diebstähle. Nicht einmal ein Prozent entfielen dabei auf sexuelle Übergriffe.

Die Verrohung unserer Gesellschaft, in der Beleidigungen und Hass an der Tagesordnung stehen, sei ein Phänomen, das die Polizei nicht allein bekämpfen könne, sagte de Maizière.

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(ben)