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"Es war ein fantastisches Fest": Das sagen die Colmnitzer zu der Hakenkreuz-Parade

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COLMNIZU
Colmnitz: Naziuniformen beim Heimatfest sind kein Problem. | Marcus Fischer/dpa
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In dem sächsischen Örtchen Colmnitz fand am Sonntag das "Schul- und Heimatfest 2016" statt. Und wie es sich an einem Festtag gehört, werfen sich die Bürger natürlich in Schale.

Denn gefeiert wurden gleich mehrere Jubiläen: 110 Jahre Rassegeflügelzuchtverein, 110 Jahren Rassekaninchenzüchterverein, 110 Jahren Freiwillige Feuerwehr und 850 Jahre Kirche Colmnitz.

Einige Colmnitzer griffen bei der Wahl der Garderobe allerdings mächtig daneben: Vertreter von Militaria-Verbänden erschienen in Uniformen von Wehrmachtssanitätern.

Mit grauen Anzügen, Helmen, Fahrzeugen in Tarnfarben und Maschinengewehren nahmen die 22 Mitglieder am Umzug teil. Was letztendlich zum Eklat führte, waren allerdings kleine Details: offen zur Schau getragene Hakenkreuze auf den Uniformen.

"Bejubelt und beklatscht"

Die absurden Bilder, die der Umzug produzierte und die deutschlandweit für Empörung sorgten, sind in Colmnitz allerdings kaum ein Thema. "Manche der Schaulustigen haben die Militaria-Fans eher bejubelt und beklatscht", sagte der Fotograf Marcus Fischer "Spiegel Online".

Auch zwei Tage nach der Parade zeigen sich die Bewohner der Gemeinde Klingenberg unbeeindruckt angesichts der Geschehnisse vom Sonntag. Die Colmnitzer sind stolz auf ihr Fest – so steht es auf einer Tafel im Ort:

Staatsanwaltschaft ermittelt

Auf die Frage der "Bild"-Zeitung, ob sie die Nazi-Symbolik gestört hätte, sagte eine Colmitzerin: "Warum sollte mich das stören? (...) Warum macht man wegen eines Hakenkreuzes so einen Aufriss."

Eine weitere Colmnitzerin sagte, so etwas in die Presse zu bringen sei "wirklich eine Schweinerei". Für sie sei das Fest "fantastisch" gewesen, ein Hakenkreuz störe sie bei der Feierlichkeit nicht.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt inzwischen gegen den Militaria-Verband wegen des Verwendens von verfassungswidrigen Kennzeichen.

Stimmung in Colmnitz gespalten

Eine weitere Bewohnerin versteht den Aufruhr nicht, und sieht darin keinen Rechtsbruch: Auf anderen Dorffesten werde schließlich auch mit Hakenkreuzen an Umzügen teilgenommen, meint sie.

Es gibt aber auch Colmnitzer, die Verständnis für die strafrechtliche Verfolgung haben. Ein Mann sagte, er würde die Mitglieder der "Militaria" nicht mehr am Dorffest teilnehmen lassen.

Auch der Bürgermeister von Colmnitz, Torsten Schreckenbach, räumt Versäumnisse ein. In Zukunft müsse man darauf achten, dass diese Dinge nie wieder passieren, sagte er gegenüber "Bild". In der Verantwortung sieht er auch den Heimatverein, der besser darauf hätte achten müssen, wer in welcher Kleidung an dem Umzug teilnehme.

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(ben)