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Dieses schreckliche Foto zeigt, dass die Flüchtlingskrise noch nicht ansatzweise gelöst ist

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SEA WATCH
Ein Sea-Watch-Helfer hält eine Babyleiche im Arm. | Reuters
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Der Rückgang ist immens: Im April kamen 90 Prozent weniger Flüchtlinge nach Griechenland als noch im Monat davor, berichtete die Genzschutzorganisation Frontex Mitte Mai.

Und auch in Deutschland sind die Zahlen rückläufig: Seit November 2015 kommen immer weniger Hilfesuchenden an. Inzwischen ist die Zahl der registrierten Flüchtlingen auf unter 20.000 im April gesunken. Zum Vergleich: Im November waren es noch über 200.000, also zehn Mal so viel.

Politische und humanitäre Katastrophe

Klar, die Balkanroute ist dicht, der EU-Türkei-Deal ist in Kraft. Die Politik brüstet sich durch ihre Erfolge. Der Tenor: Seht an, wir haben den längsten – längsten Arm, um uns die Flüchtlingen vom Leib zu halten. Der Arm sitzt in der Türkei, und heißt Erdogan.

Um zu erkennen, dass diese vermeintliche Souveränität eine Farce ist, musste man nur die Bilder aus Idomeni verfolgen. Das dortige Flüchtlingslager an der griechisch-mazedonischen Grenze wurde zwar in der vergangenen Woche geräumt, die humanitäre Katastrophe ist aber noch lange nicht überstanden.

Flüchtlingen eine sichere Route gewähren

Im Gegenteil: Die Katastrophe wird anhalten, so lange der Syrien-Krieg noch anhält - also noch lange.

Und nur, weil das Leid nun weiter weg ist, wird es nicht weniger. Um sich dessen bewusst zu werden, braucht es scheinbar manchmal besonders traurige Bilder. So wie heute.

Die Hilfsorganisation Sea-Watch veröffentlichte das Foto eines toten Babys in den Armen eines freiwilligen Helfers. Es sieht aus, als würde das Baby schlafen. Doch das Kind, dessen Alter und Identität bislang niemand kennt, wird nie mehr aufwachen.

"Wenn wir solche Bilder nicht mehr sehen wollen, müssen wir aufhören, sie zu produzieren", erklärte Sea-Watch dazu.

Mit dem erschütternden Foto möchte die deutsche Organisation darauf aufmerksam machen, Flüchtlingen eine sichere Fluchtroute zu gewähren.

700 ertrunkene Flüchtlinge in einer Woche

Das Baby war nach Angaben von Sea Watch mit zirka 350 Flüchtlingen auf einem Holzboot, das am Freitag vor der lybischen Küste kenterte. Allein in der letzten Woche sind laut der UNO-Flüchtlingshilfe UNHCR wieder über 700 Flüchtlinge im Mittelmeer ertrunken.

Das Sea-Watch-Video zeigt die Situation auf einem Schiff mit Flüchtlingen

Seit die Balkanroute geschlossen wurde, kommen immer mehr Flüchtlingen über den noch gefährlichere Seewege über das Mittelmeer. Statt über die Ägäis transportieren Schlepper Flüchtlinge etwa über Lybien oder Tunesien. Entfernungen von über 500 Kilometer sind dabei keine Seltenheit – wenn das Boot denn ankommt.

Im vergangenen Jahr sorgte das Bild des toten Flüchtlingsjungen Aylan Kurdi (oben) ebenfalls weltweit für Aufmerksamkeit. Kurdi wurde vor der türkischen Mittelmeerküsten an den Strand des Badeorts Bodrum gespült.


Flüchtlingskrise: Helft den Helfern!

Die Flüchtlingskrise bewegt die Deutschen wie kein anderes Thema. Viele blicken fassungslos auf das, was sich an Europas Grenzen abspielt. Auf das Leiden und die Nöte der Hilfesuchenden.

Dabei gibt es zahlreiche Menschen und Organisationen, die vor Ort helfen, die Probleme zu lösen. Zusammen mit der Spendenplattform betterplace.org nennt die Huffington Post spannende Projekte, die ihr direkt unterstützen könnt.

Die Nachrichten von ertrunkenen Flüchtlingen nehmen kein Ende. Auch, weil es viel zu wenig Rettungskräfte auf dem Mittelmeer gibt. Hier versucht die Mannschaft des Schiffes Sea Watch 2. zu helfen. Spenden benötigt die Crew für Nahrung, Schwimmwesten und Medikamente.

Auf der sogenannten Balkanroute ist ein großer Teil der Flüchtlinge unterwegs. Der Verein Soups & Socks versorgt Flüchtlinge hier mit einer warmen Mahlzeit und anderen lebensnotwendigen Dingen. Hier geht es weiter zur Soups & Socks Tour.

Ein weiteres Problem sind die vielen unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlinge in Berlin. Ihnen vermittelt die Organisation Akinda beispielsweise einen gesetzlichen Vertreter. Wie das geht, beschreiben die Initiatoren hier.

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