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Alle reden über die Milch: Das müsst ihr jetzt über den Verfall des Milchpreises wissen

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MILCH
Bauern leiden unter den extrem niedrigen Milchpreisen | dpa
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Urplötzlich kam in den vergangenen Tagen ein Thema zurück auf die innenpolitische Agenda, dessen Brisanz viel zu lange unterschätzt wurde: der schier unaufhaltsame Verfall des Milchpreises.

Ein Liter Vollmilch für 45 Cent, das Päckchen Butter für 70 Cent - und nein, wir reden nicht von den Tiefstpreisen der Lebensmitteldiscounter. Auch in den gehobenen deutschen Supermärkten kommen Schnäppchenjäger bei Milchprodukten voll auf ihre Kosten.

Bei den Erzeugern hingegen schellen schon länger die Alarmglocken. Nicht wenige der Tausenden deutschen Milchbauern können mit dem Verkauf ihrer Erzeugnisse nicht einmal mehr ihre Kosten decken. Der Preisverfall treibt sie in den Ruin.

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt schlägt nun Alarm: Bei einem eilig einberufenen "Milchgipfel" in seinem Ministerium versprach der CSU-Politiker den betroffenen Landwirten Soforthilfe in Millionenhöhe.

Hier sind die 5 dringlichsten Fragen zur deutschen "Milchpreiskrise":

1. Wie dramatisch ist die Lage der Milchbauern?

Beim Bauernverband herrscht Weltuntergangsstimmung: "Es geht in diesen Tagen ums Ganze", hieß es dort. Ungefähr 23, 24 Cent bekommen Milcherzeuger im Schnitt derzeit noch für den Liter, in manchen Regionen sind es sogar weniger als 20 Cent.

Dabei müssten es mindestens 30 oder 35 Cent sein, um keinen Verlust zu machen. Ohne ausreichende Reserven oder nach teuren Investitionen gehen da vielen Betrieben die Mittel aus. Das Höfesterben droht sich weiter zu beschleunigen. Dabei halbierte sich die Zahl der Milchbetriebe seit dem Jahr 2000 inzwischen schon auf gut 73.000.

2. Wo liegen Ursachen der Krise?

Schwankungen der Milchpreise sind nicht neu. Schon 2009 sackten sie teils unter 22 Cent für die Bauern, schwangen sich 2013 aber zeitweise wieder auf mehr als 40 Cent empor. Seitdem geht es abwärts.

Gerade bremst die schwächere Nachfrage etwa in China die Geschäfte. Weil Russland wegen der Konfrontation in der Ukraine-Krise Importe abblockt, bleibt mehr Milch in der EU und drückt die Preise.

In den USA und Neuseeland legte die Erzeugung stark zu, genau wie in einigen EU-Ländern nach dem Wegfall der Milchquote als Mengenschranke 2015. Dazu kommt der Reflex, dass Bauern erst recht mehr produzieren, um ihre gewohnten Einnahmen zu erhalten. Das verschärft wieder den Preisdruck für alle.

3. Was hat der "Milchgipfel" gebracht?

Gastgeber Schmidt wiederholte nach dem Treffen eine schon kursierende Zahl: "100 Millionen plus X" will der Bund berappen, um Entlastung in der Not zu schaffen. Ins Paket kommen sollen etwa Steuerentlastungen und Zuschüsse zur Unfallversicherung. Wie groß das X wird, ist aber erst noch mit Finanzminister Wolfgang Schäuble und der EU-Kommission zu klären.

Druck kam von Seiten des Bauernverbands, deren Vertreter sprachen vom sogenannten "Faktor 10", also von einer Milliarde Euro für die Landwirte. Hohe politische Priorität hat das Thema jedenfalls. Nachdem es wegen der Milliardenförderung für Elektroautos in der Union rumorte, sagte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) persönlich Hilfen für die Bauern zu.

4. Was muss sich im Markt ändern?

Die Wurzel des Problems ist zu viel Milch - da sind sich alle einig. Doch wie lässt sich das Angebot senken? Von staatlichen Eingriffen will der Minister vorerst weiter nichts wissen. Der Bauernverband fordert, Molkereien müssten besser zu den Bauern rückkoppeln, welche Mengen zu vernünftigen Preisen absetzbar sind.

Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter und die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), die nicht zum Gipfel geladen wurden, rufen dagegen nach Bonus-Zahlungen, damit Milcherzeuger die Produktion drosseln. Das bekämen sie gut hin, indem sie weniger Kraftfutter geben oder Kälber mit frischer Kuhmilch füttern, heißt es dort.

5. Wie geht es weiter?

Schnelle Lösungen für neue Mechanismen in der Milchkette sind vorerst nicht in Sicht - zumal der Markt ja mindestens europäisch ist. Die beteiligten Branchen will Schmidt nun in die Pflicht nehmen, dazu einen Dialog aufzunehmen. Absprachen über einheitliche Mindestpreise dürfe es aber schon kartellrechtlich nicht geben, machte der Handel gleich klar.

Dabei stehen die Supermarktriesen mit ihrer großen Marktmacht besonders im Visier. Sie argumentieren, Kunden könnten aus einem breiten Angebot mit diversen Preisstufen wählen - im Kühlregal steht neben der 46-Cent-Milch zum Beispiel auch Markenmilch für 99 Cent. Die Verbraucherorganisation Foodwatch kritisiert aber, der Aufpreis resultiere vor allem aus mehr Marketingkosten: "Landwirte erhalten fast immer die gleichen, niedrigen Auszahlungspreise."

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(sk)