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Jérôme Boateng: Gauland erklärt, wie es zu dem umstrittenen Zitat kam

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ALEXANDER GAULAND
Alexander Gauland erklärt, wie es zu dem umstrittenen Zitat kam | Wolfgang Rattay / Reuters
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  • AfD-Vize Gauland erklärt, wie es zu dem umstrittenen Zitat über den Fußballspieler Boateng kam
  • Er wirft den "FAS"-Journalisten vor, sich nicht an die Abmachung zu Vertraulichkeit gehalten zu haben
  • Mit dem Zitat habe er nicht den Fußballer beleidigen, sondern die Heuchelei mancher Deutscher zeigen wollen

Der AfD-Vize Alexander Gauland spricht erstmals darüber, wie es zu seiner umstrittenen Aussage über den Nationalspieler Jérôme Boateng kam. Indirekt bestätigte er das Zitat dabei.

Gauland hatte in einem Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (FAS) mit Bezug auf den Nationalspieler gesagt: "Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben."

In einer Rundmail an AfD-Mitglieder hat er seine Sicht zum Interview geschildert. In dem Schreiben, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, warf er den Journalisten unter anderem vor, sich nicht an die vereinbarte Vertraulichkeit gehalten zu haben.

"Gespräch sollte vertraulich sein"

"Ich hatte vorige Woche ein als vertraulich klassifiziertes Hintergrundgespräch mit zwei FAZ-Redakteuren", schreibt Gauland in seiner Mail.

Im Mittelpunkt hätten Auseinandersetzungen im Bundesvorstand sowie der "ungebremste Zustrom raum- und kulturfremder Menschen nach Deutschland" gestanden und wie sich dieser Zustrom auf das Heimatgefühl vieler Menschen auswirke.

"Ich kann heute nicht mehr sagen, wer zuerst den Namen Boateng in den Mund genommen hat – ich bilde mir ein, es war einer der beiden FAZ-Redakteure, da mir der Name wie auch der Fußballsport weitgehend fremd sind", schreibt Gauland

"Dabei mag das Zitat von der Nachbarschaft gefallen sein." Er habe dem keine Bedeutung beigemessen, da das Gespräch nicht zur Veröffentlichung bestimmt gewesen sei.

"Journalisten haben sich nicht an die Abmachungen gehalten"

"Leider haben die Journalisten sich nicht an die Abmachungen gehalten, mir aber auch nicht irgendwelche Zitate zur Autorisierung vorgelegt."

Gauland kritisierte in der Mail zudem die Text-Überschrift ("Gauland beleidigt Boateng"). Dies sei durch keinen Satz gedeckt, und erst dadurch hätten "die ansonsten richtigen Aussagen den Dreh ins Fremdenfeindliche, Rassistische bekommen".

Gauland fügte an: "Dabei ging es mir nur um eine Beschreibung von Gefühlen, die wir alle überall in unserer Nachbarschaft wahrnehmen und die sich nicht dadurch vermindern, dass wir sie heuchlerisch nicht zur Kenntnis nehmen."

Gauland wollte deutsche Nachbarn beleidigen - nicht Boateng

"Streng genommen habe ich nicht Herrn Boateng beleidigt, sondern diejenigen, die vielleicht nicht in seiner Nachbarschaft leben wollen, wenn er nicht ein berühmter Fußballstar wäre", sagte Gauland. "Doch mit einer solchen Differenzierung kommt man bei einem Medienhype nicht mehr durch."

Gauland hatte anfangs bestritten, das Zitat gemacht zu haben. "Ich habe nie, wie die "FAS" insinuiert, Herrn Boateng beleidigt. Ich kenne ihn nicht und käme daher auch nicht auf die Idee, ihn als Persönlichkeit abzuwerten", sagte er am Sonntag.

Später räumte er in der ARD ein, dass Boatengs Name gefallen sei. Möglicherweise seien es aber die Journalisten gewesen, die ihn zuerst genannt hatten "denn ich kenne mich im Fußball gar nicht aus". Er habe deutlich machen wollen, "dass es viele Menschen gibt, die halt Fremde in ihrer Nachbarschaft nicht für ideal halten".

AfD prüft gerichtliche Unterlassung

Von dem Gespräch gibt es aber keine Tonbandaufzeichnung. Die "FAS"-Redakteure hatten sich die Aussagen von Gauland nur handschriftlich notiert.

Nach Informationen der Huffington Post plant die AfD offenbar, mit einer Unterlassung gegen den umstrittenen "FAS"-Bericht vorzugehen. Das bestätigte AfD-Sprecher Christian Lüth.

Gauland bedauerte, "dass der Partei objektiv durch den Bruch aller Regeln ein Schaden entstanden ist". Er könne sich "nur bemühen, diesen Schaden durch Nachfolgegespräche möglichst klein zu halten".

Mit Material der dpa

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(ben)