Huffpost Germany

Nach Empörung über Gauland: AfD prüft Unterlassung wegen Boateng-Zitat (EXKLUSIV)

Veröffentlicht: Aktualisiert:
GAULAND
Die AfD prüft eine Unterlassung gegen die Berichterstattung der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" | dpa
Drucken
  • Die AfD prüft rechtliche Schritte gegen die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung"
  • Dies bestätigte ein Partei-Sprecher gegenüber der Huffington Post
  • Mittlerweile hat sich auch die Bundeskanzlerin in die Debatte eingeschaltet

Der AfD-Vorstand plant offenbar, mit einer Unterlassung gegen den umstrittenen "FAS"-Bericht vorzugehen, nachdem sich Partei-Vize Alexander Gauland abfällig gegen Nationalspieler Jérôme Boateng geäußert haben soll.

Das bestätigte AfD-Sprecher Christian Lüth gegenüber der Huffington Post.

Auf dem Titel der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (FAS) hieß es: "Gauland beleidigt Boateng". Diese Unterstellung sei nicht im Artikel gedeckt, sagte Lüth.

"Gauland hat lediglich behauptet, dass es Menschen gäbe, die ein Problem damit hätten, wenn ein Nachbar ausländische Wurzeln habe. Er sieht darin keine Beleidigung, sondern eine Tatsachenbehauptung."

Gespräch wurde nicht auf Band aufgezeichnet

Fraglich ist, ob eine solche Unterlassung Erfolg hätte. Die laut "FAS" von Gauland getätigte Aussage ist keine Tatsachenbehauptung, sondern eine Meinungsäußerung. Klagen könnte Gauland höchstens dann, wenn er das nicht so gesagt haben will. Dann müsste ein Gericht alle bei dem Gespräch Anwesenden anhören.

Die "FAS" hatte Gauland mit den Sätzen zitiert: "Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben." Damit spielte er auf Boatengs Hautfarbe an: Der gebürtige Berliner hat eine deutsche Mutter und einen ghanaischen Vater. Politiker aller anderen Parteien und Fußballfunktionäre empörten sich über Gauland.

Der weit rechts stehende AfD-Vize bestritt am Sonntag, sich über Boateng als Person geäußert zu haben. "Ich habe nie, wie die "FAS" insinuiert, Herrn Boateng beleidigt. Ich kenne ihn nicht und käme daher auch nicht auf die Idee, ihn als Persönlichkeit abzuwerten."

"Boatengs Name könnte gefallen sein"

Die Zeitung bekräftigte aber ihre Darstellung. In der ARD räumte Gauland am Abend ein, Boatengs Name könne gefallen sein, möglicherweise seitens der Journalisten - "denn ich kenne mich im Fußball gar nicht aus». Er habe deutlich machen wollen, "dass es viele Menschen gibt, die halt Fremde in ihrer Nachbarschaft nicht für ideal halten".

Von dem Gespräch gibt es aber keine Tonbandaufzeichnung. Die "FAS"-Redakteure hatten sich die Aussagen von Gauland nur handschriftlich notiert.

Kritik von der Kanzlerin

Angela Merkel verurteilte Gaulands Äußerung scharf. "Der Satz, der da gefallen ist, ist ein niederträchtiger und ein trauriger Satz", erklärte Regierungssprecher Steffen Seibert auf die Frage, wie die Bundeskanzlerin den Bericht über Gauland bewerte.

Zuvor hatte bereits CSU-Chef Horst Seehofer den AfD-Politiker scharf angegriffen: "Es ist erbärmlich, wie er sich da präsentiert. Ich glaubte eigentlich, so etwas wäre in Deutschland nicht mehr möglich", sagte Seehofer.

mit Material von dpa

Auch auf HuffPost:

AfD ohne Petry: So radikal würde sich die Partei nach einem Putsch verändern


Flüchtlingskrise: Helft den Helfern!

Die Flüchtlingskrise bewegt die Deutschen wie kein anderes Thema. Viele blicken fassungslos auf das, was sich an Europas Grenzen abspielt. Auf das Leiden und die Nöte der Hilfesuchenden.

Dabei gibt es zahlreiche Menschen und Organisationen, die vor Ort helfen, die Probleme zu lösen. Zusammen mit der Spendenplattform betterplace.org nennt die Huffington Post spannende Projekte, die ihr direkt unterstützen könnt.

Die Nachrichten von ertrunkenen Flüchtlingen nehmen kein Ende. Auch, weil es viel zu wenig Rettungskräfte auf dem Mittelmeer gibt. Hier versucht die Mannschaft des Schiffes Sea Watch 2. zu helfen. Spenden benötigt die Crew für Nahrung, Schwimmwesten und Medikamente.

Auf der sogenannten Balkanroute ist ein großer Teil der Flüchtlinge unterwegs. Der Verein Soups & Socks versorgt Flüchtlinge hier mit einer warmen Mahlzeit und anderen lebensnotwendigen Dingen. Hier geht es weiter zur Soups & Socks Tour.

Ein weiteres Problem sind die vielen unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlinge in Berlin. Ihnen vermittelt die Organisation Akinda beispielsweise einen gesetzlichen Vertreter. Wie das geht, beschreiben die Initiatoren hier.

(ben)