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Gauland-Zitat löst Empörung bei seinen Nachbarn aus

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BOATENG
Die Fans der Nationalmannschaft halten nichts von Gaulands Statement. | ASSOCIATED PRESS
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"Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben."

Mit diesem Satz zitierte die "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" den AfD-Vorsitzenden Alexander Gauland. Das Zitat hat in den Medien, in der AfD und auch unter Gaulands Nachbarn am Heiligen See in Potsdam heftige Diskussionen ausgelöst.

Die "Berliner Morgenpost" sprach mit den Anwohnern über das Nachbarschaftsverhältnis zu Gauland.

"Es gibt Gesichter, die ich beim Bäcker lieber sehe"

Die Nachbarn, die im Artikel nicht mit vollem Namen genannt werden wollen, sagten, die Mieterschaft stehe Gauland "gespalten gegenüber". Bereits vor dem Zitat in der "FAS" sei das Haus, in dem Gauland wohnt, beschmiert worden. Müll sei vor der Haustür abgeladen worden, sagte Nachbarin Marion der "Berliner Morgenpost".

Drastische Worte findet das Nachbarspaar Petra und Heinz S. über den Inhalt des Zitats: "Fürchterlich, widerwärtig, entsetzlich. Man macht sich Sorgen."

Ein Anwohner der Postdamer Siedlung könnte sich allerdings schlimmere Nachbarn vorstellen: "Es würde mich mehr stören, wenn hier ein Hardcore-Nazi wohnen würde. Aber es gibt schon Gesichter, die ich morgens beim Bäcker lieber sehen würde", sagte Nachbar Janek.

Gauland dementiert Äußerung

Gauland selbst bestreitet das Zitat der "FAS": Er behauptet, er habe in einem vertraulichen Hintergrundgespräch die Einstellung mancher Menschen beschrieben, "aber mich an keiner Stelle über Herrn Boateng geäußert".

Er widersprach zudem der Darstellung der Zeitung, er habe Boateng beleidigt. "Ich habe nie, wie die 'FAS' insinuiert, Herrn Boateng beleidigt. Ich kenne ihn nicht und käme daher auch nicht auf die Idee, ihn als Persönlichkeit abzuwerten."

Die "FAS" bleibt besteht weiterhin auf ihrer Darstellung. Die kritisierte Äußerung stamme aus einem Gespräch von Gauland mit zwei Berliner Korrespondenten am Mittwoch in Potsdam, heißt es in einer Stellungnahme der Politik-Redaktion der "FAS".

"Beide Kollegen haben die Passage aufgezeichnet, ihre Aufzeichnungen stimmen überein." Gauland habe lediglich den Teil des Gesprächs, in dem er sich über AfD-Führungspolitiker äußerte, als Hintergrund eingestuft, aus dem nicht zitiert werden sollte.

Petry entschuldigt sich, Boateng gelassen

AfD-Parteichefin Frauke Petry entschuldigte sich bei Boateng "für den Eindruck, der entstanden ist". Gauland bestätigte in der "Bild"-Zeitung, dass Petry nach der Publikation des Zitats auf ihn zukam: "Frau Petry hat mich angerufen und sich sehr kritisch über die Berichterstattung geäußert."

Der Vorfall heizt den innerparteilichen Machtkampf zwischen Petry und dem ultrarechten Rand an. Für diesen Rand steht vor allem der thüringische Landesvorsitzende Björn Höcke, der zuletzt von Gauland Rückendeckung bekommen hatte.

Boateng selbst reagierte gelassen. Es sei zwar "traurig, dass so etwas heute noch vorkommt", aber er könne darüber nur lächeln, sagte der Abwehrspieler der Nationalmannschaft am Sonntag in der ARD.

Die Fußballfans solidarisierten sich beim Länderspiel gegen die Slowakei in Augsburg mit Boateng. Auf Plakaten war etwa "Jérôme, zieh neben uns ein" und "Jérôme, sei unser Nachbar!" zu lesen.

Mit Material der dpa

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