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In der rechten Falle: Wie der AfD-Erfolg der Linkspartei zum Verhängnis wird

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WAGENKNECHT
Die Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag, Sarah Wagenknecht | dpa
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  • Im Osten verliert die Linke massiv Wähler an die Rechtspopulisten der AfD
  • Die Partei schafft es nicht mehr, sich als Anwalt der Enttäuschten zu gerieren
  • Auf dem Parteitag in Magdeburg hat die Linke keine passende Antwort auf den Trend gefunden

Die Linken haben an diesem Wochenende auf ihrem Parteitag über radikale Antworten diskutiert. Antworten auf eine Frage, deren Tragweite viele in der Partei vielleicht noch gar nicht verstehen - möglicherweise, weil sie zu unbequem ist.

Sie lautet: Wie lässt sich verhindern, dass sich die Linke selbst kannibalisiert?

Vor dem Parteitag in Magdeburg hatte die Partei gezeigt, wie zerstritten Teile ihrer Spitze sind. Wagenknecht gegen Gysi, Lafontaine gegen Kipping und Riexinger - das strategische Dilemma in Sachen Partei-Image wurde zum politischen Bühnenspiel.

Die Linke will wieder Protestpartei sein

Der Kern des Problems: Die Linke will wieder mehr Protestpartei sein, zurück zu den Wurzeln, wenn man so will. Davon sind sie inzwischen jedoch so weit entfernt wie Angela Merkel von einem Strandurlaub mit Horst Seehofer.

Vor allem Gregor Gysi, ironischerweise derzeit der größte Kritiker der Partei, hat die Linke in den vergangenen Jahren zu einem Teil des politischen Establishments gemacht. Mehrere Regierungsbeteiligungen und ein linker Ministerpräsident in Thüringen machen es zunehmend schwer, sich als Anwalt der Enttäuschten zu gerieren.

Ein Stück Papier genügt nicht

Daher müsste die viel wichtigere Frage lauten: Wie wird die Linke wieder zur besseren Alternative für Deutschland?

Die Linke steht nämlich massiv unter Druck. Die Rechtspopulisten der AfD sind im Osten auf bestem Wege, der Linken als Protestpartei den Rang abzulaufen. Kein Wunder, dass die Linke am Samstag einen Beschluss gefasst hat, um den "Vormarsch des völkischen Mobs auf dem Weg zu einer dauerhaften politischen Kraft in der Bundesrepublik" zu stoppen.

Doch ein Stück Papier dürfte die jüngste Entwicklung nicht aufhalten. Der Linken droht in großen Teilen der Republik die Bedeutungslosigkeit.

AfD überholt die Linke in den neuen Bundesländern

Zuletzt war die AfD in Brandenburg in Umfragen erstmals an der Linken vorbeigezogen, in Mecklenburg-Vorpommern könnte die AfD in einigen Monaten bei den Landtagswahlen sogar stärkste Partei werden.

Sämtliche Wähleranalysen nach den diesjährigen Landtagswahlen haben gezeigt, dass neben der CDU vor allem die Linke massiv an die AfD verloren hat. Und auch bundesweite Umfragen zeigen, dass die Linke längst nicht mehr mit der AfD Schritt halten kann.

Vor allem das traditionelle Stammklientel der Partei (Arbeitslose und Erwerbslose) wechselt gerade die Seiten und sorgt dafür, dass die Rechtspopulisten um Frauke Petry von einem Umfrageerfolg zum nächsten springen.

Braucht die Linke einen Rechtsruck?

Die Linke und die AfD eint das Misstrauen gegenüber dem demokratischen Staatsapparat - ein Umstand, der Wagenknecht & Co. jetzt angesichts des Wählerschwunds zum Verhängnis wird. Als Reaktion auf diesen Trend war die Linke zuletzt nur mit Untätigkeit aufgefallen.

"Saft- und kraftlos" erscheine sie, hatte Gysi zuletzt gesagt. Es gibt Stimmen in der Partei, die wieder reine Protest-Politik machen wollen, Hau-Drauf-Polemik gegen die Polit-Elite. Um nicht weiter an Boden zur AfD zu verlieren, müsste sich die Partei einen merklichen Rechtsruck verordnen - was sie weiter entzweien dürfte.

"Die Linke wird gebraucht", sagte Wagenknecht am Sonntagnachmittag unter dem Jubel der Delegierten auf dem Parteitag. Es klingt ein wenig nach Durchhalteparole.

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