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Virus-Alarm vor Olympischen Spielen in Rio - Experten fordern Verschiebung

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ZIKA
Ein Arbeiter reinigt eine vom Zika-Virus kontaminierte Stelle in Brasilien | Getty
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  • Experten warnen vor der Gesundheitskatastrophe: Die Olympischen Spiele könnten das Zika-Virus in die Welt schleudern
  • Die Wissenschaftler fordern, die Spiele zu verlegen oder zu verschieben
  • Mit der Warnung konnten die Verfasser des Briefs bislang nicht durchdringen - trotz vieler Gründe für eine Verschiebung

Sportfans aus aller Welt freuen sich auf die Olympischen Sommerspiele, die am 5. August in der brasilianischen Metropole Rio beginnen. Doch in diesem Jahr könnte das Mega-Sportevent zu einer Mega-Gefahr werden - möglicherweise sogar zu einer Bedrohung für die Menschheit. Die mit Spannung erwarteten Spiele könnten eine weltweite Epidemie auslösen.

Davor warnen derzeit mehr als 150 Gesundheitsexperten in einem offenen Brief an die Chefin der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Margaret Chan, und an das Olympische Komitee. Sie fordern: Die Spiele müssen verlegt oder verschoben werden, weil in Brasilien das Zika-Virus wütet. Reisten eine halbe Million Besucher aus aller Welt an, könnte sich die Krankheit blitzschnell über den Globus verbreiten.

Virus verursacht Fehlbildungen bei Neugeborenen

Der Virusstamm, der in Brasilien verbreitet sei, "schadet der Gesundheit auf eine Art, die die Wissenschaft so noch nicht gesehen hat". Das Virus kann unter anderem schwere Fehlbildungen des Schädels bei Neugeborenen verursachen. Fänden die Spiele statt, könne sich der Erreger in Regionen verbreiten, die bislang überhaupt nicht betroffen sind. Daher sei es "unethisch, das Risiko einzugehen".

Die Gefahr drohe insbesondere in Rio, dem Austragungsort. Dort sei die Zahl der wahrscheinlichen Zika-Fälle in Brasilien am zweithöchsten. Im ganzen Land gebe es derzeit vermutete 120.000 Fälle. Das heißt: Einer von 1.700 Brasilianern ist betroffen. Bei einer Massenveranstaltung sei das Risiko einer Ausbreitung somit "unbestreitbar hoch", heißt es in dem offenen Brief.

Es gibt keinen Impfstoff

Analysen haben bereits bewiesen, dass der brasilianische Virenstamm in Afrika angekommen ist. Übertragen wird das Virus vor allem über Stechmücken, wahrscheinlich aber auch zwischen Menschen. Eine Verbreitung in Europa, Deutschland eingeschlossen, und dem Rest der Welt ist also möglich. Einen Impfstoff gibt es nicht. Die Menschheit wäre Zika schutzlos ausgeliefert - ohne Impf- oder Heilmittel womöglich bis zur Auslöschung.

Einer der Verfasser des Briefs ist der kanadische Professor Amir Attaran von der University of Ottawa. Er hatte bereits zu Beginn des Monats eine erste Warnung ausgesprochen.

Doch damit dringen er und seine Kollegen nicht recht durch. Die öffentliche Gesundheit sei nicht gefährdet, teilte die WHO mit. Organisationschefin Chan ließ ausrichten, es gebe keine Empfehlung, die Spiele zu verlegen. Ganz sicher ist sie selbst jedoch offenbar nicht: Wegen des Virus sei sie "zunehmend besorgt", teilte Chan mit.

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