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EU-Pläne: In Deutschland sollen die Strompreise kräftig steigen - aber nicht im ganzen Land

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STROM
Stromleitungen | Getty
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  • In Deutschland könnten die Preise für Strom bald beträchtlich steigen
  • Betroffen wäre vor allem der windarme Süden
  • Grund ist ein Plan der EU-Kommission, der der Ausbau der Stromtrassen zu langsam geht

Aus dem Haus der EU-Kommission in Brüssel droht ein drastisches Preisdiktat. Die Behörde will sich den Strommarkt vorknöpfen - allerdings nur den deutschen. Und auch hier nur einen Teil des Landes. Im Süden soll der Strompreis kräftig steigen. Das natürlich nicht, weil die Brüsseler spontan Lust haben - sondern weil Deutschland seit Jahren beim Ausbau seiner Stromtrassen hinterherhinkt, wie die "Welt am Sonntag" berichtet.

Denn das Land hat ein Problem: Im Norden, wo der Wind kräftig bläst und viel plattes Land zur Verfügung steht, ist die Energiewende längst Realität. Windkraft produziert dort überreichlich Strom. Energie, die im Süden des Landes dringend gebraucht wird. Um sie zu transportieren, müssten neue Leitungen her - die geplanten drei "Stromautobahnen" werden wahrscheinlich aber erst 2025 fertig sein.

Ein Plus von zehn Prozent droht

Weil so viel Strom einfach nicht in den Süden zu bekommen ist, fließt er in die Nachbarländer. In Polen etwa schwappt deutscher Strom auf den Markt - billig, weil er unbedingt irgendwo hinmuss. Die dortigen Stromerzeuger kostet das Milliarden.

Ein Fall für die EU, die den Energieramschladen Deutschland nun sanktionieren will: Geplant ist, den Staat in zwei sogenannte Preiszonen aufzuteilen. Damit wird süddeutscher Strom im Süden angeboten und norddeutscher Strom im Norden. Weil im Süden aber Energieflaute herrscht, sind dort höhere Preise zu erwarten - rund zehn Prozent in Bayern und Baden-Württemberg, schätzt die Zeitung.

Die EU-Pläne gehen noch weiter

Insgesamt betrachtet mag das durchaus fair klingen - norddeutsche Verbraucher müssten somit nicht mehr für den Netzpreis der Süddeutschen mitzahlen. Doch was können die für die ländlichen Gegebenheiten und den schleppenden Trassenausbau?

Dazu kommt ein widersinnig erscheinender Umweltplan: In der teureren Zone läge die Einspeisevergütung für Strom aus konventionellen Kraftwerken - also etwa Kohle, Atom oder Gas - höher. Weil sich die Produktion dann stärker lohnt als bisher, sollen mehr Kraftwerke im stromarmen Süden entstehen - und zwar keine ökologischen.

Preiszonen sind schon Realität

Die EU-Kommission freilich hat Europa im Blick: Sie sieht die aktuelle Stromflut aus dem Norden als "Quelle politischer Konflikte", mit der die Integration der west- und osteuropäischen Strommärkte behindert werde. Darum ist es den Brüsselern sowohl ernst als auch eilig: In ersten Gesprächen mit dem Bundeswirtschaftsministerium und dessen Chef Sigmar Gabriel legte sie die Pläne schon einmal auf den Tisch.

Fest steht auch, dass die Preiszonen keine Träumerei sind: In Schweden hat die EU schon vor fünf Jahren ernst gemacht. Das Land ist seitdem in vier Zonen aufgeteilt - mit unterschiedlichen Preisen, versteht sich.

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