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Etablierte Parteien verlieren Tausende Mitglieder an die AfD

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FRAUKE PETRY
Neue Zahlen zeigen: Jedes zehnte AfD-Mitglied war früher in der CDU | dpa
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  • Neue Zahlen zeigen, dass die etablierten Parteien massiv Mitglieder an die AfD verlieren
  • Der Aderlass betrifft nicht nur Regierungsparteien, sondern auch die Opposition

Bei den Landtagswahlen in diesem Jahr war der Trend deutlich: Die etablierten Parteien verlieren zunehmend Wähler an die AfD. Darunter waren jedoch auch viele Menschen, die mit ihrem Kreuz für die Rechtspopulisten vor allem eins wollten: ein (Protest)zeichen setzen.

Ob sie die AfD langfristig unterstützen - ungewiss.

Jetzt liegen allerdings Zahlen vor, die in den Zentralen der großen Parteien für weitaus größere Unruhe sorgen dürften - vor allem bei der CDU.

Es geht um Deutsche mit Parteibuch. Wähler also, die sich mit ihrer Parteimitgliedschaft deutlich zu den Ideen eines politischen Lagers bekennen. Und hier zeichnet sich nach Information der "Bild"-Zeitung eine massive Mitglieder-Verschiebung hin zur AfD ab.

2300 CDU-Mitglieder sind zur AfD gewechselt

Demnach haben die Koalitionsparteien Tausende Mitglieder an die Rechtspopulisten verloren. Bis Ende Mai seien allein 2300 CDU- und 354 CSU-Mitglieder zur Alternative für Deutschland gewechselt, berichtet das Blatt. Außerdem hätten von den aktuell 23.400 AfD-Mitgliedern 1212 vorher ein SPD-Parteibuch gehabt.

Die Zahlen stammen aus eine interne Statistik der AfD-Bundesgeschäftsstelle.

Doch nicht nur die Regierungsparteien sind von der Wählerwanderung betroffen: Auch die Opposition im Bundestag hat dem Bericht zufolge einen erheblichen Aderlass zugunsten der Rechtspopulisten zu verzeichnen. So würden sich 1122 frühere Linke-Mitglieder inzwischen in der AfD engagieren, hinzu kämen 345 ehemals Grüne. Aus den Reihen der FDP seien 950 Mitglieder abtrünnig geworden.

Die weitaus meisten Parteiwechsel zur AfD ergaben sich demnach erst ab September 2015, also nach Beginn der Flüchtlingskrise. Demnach seien über 1800 der insgesamt 2300 Ex-CDU-Mitglieder erst zur AfD gewechselt sein, nachdem Merkel entschieden hatte, das Weiterreiseverbot aufzuheben und damit die Einreise von Flüchtlingen zu ermöglichen, berichtet die "Bild".

Linke-Streit über AfD-Erfolg im Osten

Brisant: Die Zahlen könnten erst der Anfang sein. Nach Informationen des Blattes liegen in der AfD-Parteizentrale derzeit noch 2500 unbearbeitete Eintritts-Anträge.

Die Zahlen dürften die Debatte um die derzeitige Ratlosigkeit der etablierten Parteien angesichts des jüngsten AfD-Wachstums zusätzlich befeuern. Zuletzt war etwa bei den Linken ein Streit um das Erscheinungsbild der Partei entbrannt - in Ostdeutschland müsse die Linke die Konkurrenz der AfD fürchten, hatte Partei-Ikone Gregor Gysi kritisiert.

Auch die derzeit schlechten Umfragewerte der SPD sehen viele Experten als Folge des AfD-Aufstiegs. Schon seit einiger Zeit versuchen die Sozialdemokraten, mit einer neuen Außendarstellung auf die Rechtspopulisten zu antworten.

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