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Die AfD im Kleinkrieg mit den Kirchen: Parteivize Gauland nennt den EKD-Chef ein "gefährliches Irrlicht"

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GAULAND
Alexander Gauland, Fraktionsvorsitzender der AfD in Brandenburg, hat sich mit der Kirche angelegt | dpa
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  • Der Streit zwischen den Kirchen und der AfD spitzt sich immer weiter zu
  • AfD-Vize Gauland bezeichnet den EKD-Vorsitzenden Bedford-Strohm als "irre"
  • Bedford-Strohm hatte zuletzt einen "flächendeckenden"Islamunterricht in Deutschland gefordert

Passen Gott und die AfD zusammen? Die Kirchen tun sich derzeit mit den Rechtspopulisten schwer, dasselbe gilt auch umgekehrt. Der Konflikt findet ausschließlich über die Medien statt - und der scheint sich immer mehr zuzuspitzen.

Nachdem der bayerische AfD-Landesvorsitzende Petr Bystron in dieser Woche in einem Gastbeitrag für die Huffington Post den Kirchen vorgeworfen hatte, mit der Flüchtlingshilfe Milliardengeschäfte zu machen, hat sich jetzt Bystrons Parteikollege Alexander Gauland zu Wort gemeldet.

Gauland: "Es kann nicht sein, dass ein Bischof den Islam fördert"

Die jüngste Forderung des EKD-Ratsvorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm, den Islamunterricht auf alle Schulen auszuweiten, nannte der stellvertretende AfD-Vorsitzende Alexander Gauland am Samstag "irre".

"Einmal abgesehen davon, dass wir derzeit viel wichtigere Baustellen im Schulunterricht haben, kann es nicht wahr sein, dass ein christlicher Bischof den Islam fördert", sagte der AfD-Vize der Deutschen Presse-Agentur.

Bedford-Strohm hatte Islamunterricht an allen deutschen Schulen gefordert

In Zeiten von massiven Kirchenaustritten sollte sich Bedford-Strohm besser um die Christen kümmern, die ihm in Scharen den Rücken kehrten. Der Bischof sei "kein guter Hirte, sondern ein gefährliches Irrlicht, das das Schiff seiner Gemeinde in bedrohliche Untiefen leitet".

Der EKD-Ratsvorsitzende hatte flächendeckenden Religionsunterricht für Muslime als Mittel gegen radikal-islamische Indoktrinierung empfohlen. Er sagte: "Sie können zugleich Neues über den Islam lernen - und das auf dem Boden des Grundgesetzes."

Islamischer Religionsunterricht wird bisher an Schulen in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und im Saarland angeboten.

Petry & Co. machen gegen die Kirche mobil

Der neue Clinch ist der vorläufige Höhepunkt eines Konflikts, der schon lange anhält. AfD-Politiker bis hin zur Vorsitzenden Frauke Petry machen seit Monaten Front gegen evangelische und katholische Kirche. Diese setzen sich für Religionsfreiheit und Flüchtlinge ein und stellen - angetrieben vom christlichen Gebot der Nächstenliebe - Hilfe für Menschen in Not, darunter viele Muslime, nicht in Frage.

Den Bischöfen war nach Bystrons Aussagen zuletzt der Kragen geplatzt. Ihr Sprecher Matthias Kopp wies Bystrons Äußerungen ungewohnt undiplomatisch als durch nichts belegtes "Gequatsche" und "unreflektiertes Gerede" zurück, Berlins Erzbischof Heiner Koch sprach von einer Unverschämtheit.

AfD-Vize Albrecht Glaser schloss sich den Worten seines Parteifreundes zwar nicht an und sagte: "Das würde ich so nicht formulieren." Dennoch stichelte er gegen die Kirchen: Diese seien beim Thema Flüchtlinge von einem "naiven Humanitarismus beseelt".

Petry: Haltung der Kirche ist "verlogen"

AfD-Politiker begegnen dieser Haltung und Protestaktionen von Bischöfen, die etwa in Erfurt oder Köln bei AfD-Kundgebungen die Kirchenbeleuchtung ausschalten, mit harscher Kritik, Schmähungen, teils Beleidigungen.

Petry nannte die Position der Kirchen in der Flüchtlingspolitik "verlogen": Sie kümmerten sich eher um Muslime als um ihre unterdrückten Glaubensbrüder. AfD-Vize Alexander Gauland warf den Kirchen in Sachen Flüchtlingspolitik den Versuch vor, "den Staat zu manipulieren".

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