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EXKLUSIV: Trumps Chef-Stratege erklärt, wie sein Boss die Wahl gewinnen will

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DONALD TRUMP
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ALEXANDRIA, Virginia. Paul Manafort sieht wie ein Vorsitzender aus: 67, perfekt frisiert, im maßgeschneiderte Anzug und angemessen mit Rolex bestückt. In Donald Trumps Welt lautet sein Titel: Wahlkampfvorsitzender und Chefstratege.

Und wie das Vorsitzende so tun, versichert Manafort uns, dass sein Unternehmen von Erfolg gekrönt sein wird: Trump wird Hillary Clinton im November haushoch schlagen.

“Er wird gewinnen”, sagt Manafort während des Frühstücks in einem Lokal namens The Royal in der Altstadt Alexandrias. “Er wird gewinnen. Es sei denn, wir – das heißt, Menschen wie ich – verkacken es. Dies ist kein harter Wettkampf.”

Warum? Wie es Manafort zusammenfasst: Trump wird Trump bleiben.

Er mag einige seiner Ansichten mäßigen – man denke an die Moslems – aber er wird nicht und muss auch nicht klein beigeben. Er wird wahrscheinlich keine Frau oder ein Mitglied einer Minderheit als Kandidat für die Vizepräsidentschaft vorschlagen, weil das ein Akt des Massenbefriedigens wäre.

Er wird nicht die selbe Menge an Latino- Zuspruch erfahren wie George W. Bush, aber er wird in umkämpften Schlüsselstaaten genug hispanische Stimmen einsammeln. Er wird die Unterstützung der Bush-Familie nicht erhalten und will sie auch nicht.

Trump muss in seiner ersten Debatte nur präsidentiell genug wirken (d.h. keine Körperteile dürfen erwähnt werden), einen erfahrenen Kandidaten für die Vizepräsidentschaft wählen und Clinton als korrupte Version von Barack Obama verheizen.
Er wird die Stimmen der weißen Männer und Frauen und gerade genug von allen anderen bekommen. Ganz einfach.

"Man verändert Donald Trump nicht. Man kann ihn nicht inszenieren"

Üblicherweise verkaufen Händler unter Wert, aber Manafort bestimmt nicht. Und jetzt erst recht nicht.

Zusätzliche Optimismusschübe helfen Trump in einer Zeit, während Teile der republikanischen Parteiführung ihm weiterhin zweifelnd gegenüber steht, Geldgeber Angst vor der Trumpismo-Masche haben, und der Donald die höchste Negativrate eines Parteikandidaten in der Geschichte der Präsidentschaftswahlen hat.

Manaforts sonnige Ansichten können etwas verzerrt wirken. Er hat bereits Millionen verdient, indem er das Image ausländischer Gewaltherrscher aufputschte. Natürlich scheint Trump ein leichtes Spiel im Vergleich. Und seine Analyse sollte mit Vorsicht genossen werden, da sich niemand gänzlich für Trump ausspricht – was Manafort auch schnell betonte.

„Man verändert Donald Trump nicht,” sagt er. „Man kann ihn nicht inszenieren.”

Die Trump-Welt ist im Endeffekt ein brodelndes Moshpit, das aus ehrgeizigen Egozentrikern besteht, die darum wetteifern,Trump beeinflussen zu können. Trump weiß sie sich vom Leibe zu halten, sie für Ratschläge auszunutzen und schlussendlich alles alleine zu entscheiden. Meist aus einer Laune heraus, in einem fragwürdig getimten Tweet.

Was die Theorie für den Siegesplan angeht, liegt es an Manafort, sie zu entwickeln. Zwischen Eiweiß-Omelett-Bissen hat er der Huffington Post seine Gedanken diesbezüglich geschildert.

Einreiseverbot für Muslime: Demkoraten wie auch viele Republikaner haben Trump ausgeinandergenommen für seinen Aufruf, Muslimen die Einreise in die Vereinigten Staaten bis auf ungewisse Zeit - wenn er sich eventuell besänftigen ließe und die Situation wieder für sicher einschätzen sollte - zu untersagen.

“Was das angeht, ist er bereits moderater geworden”, betont Manafort. Er beginnt stets mit dem Extremen, um sich anschließend langsam ins Mittelfeld zu bewegen. Sofern es für ihn bequem erscheint, mag er es anschließend noch weiter abschwächen.

“Er wird immer noch außerhalb der Norm bleiben, aber so, dass es den Gedankengängen der Amerikaner entspricht.“

"Was das angeht, ist er bereits moderater geworden": Manafort bezüglich Trumps Moslem-Strategie

Die Mauer: “Er wird eine Mauer errichten. Das ist sehr wichtig für ihn”, sagt Manafort. “Er wird es nachdrücklich puschen und um die Einwanderungsänderungen wird er genau so vehement kämpfen.”

Seine Steuererklärungen: “Es würde mich überraschen, wenn er sie veröffentlichen würde. Ich würde ihm dies nicht unbedingt raten. Für die Wähler, die wir ansprechen wollen, ist dies kein Thema. Seine Steuererklärungen sind ausgesprochen kompliziert. Ich würde sie nicht verstehen, wie will es das amerikanische Volk also verstehen? Die finanzielle Offenlegung, die er erbracht hat, zeigt die besonderen Punkte”, so Manafort.

"Die einzigen Menschen, die seine Steuererklärungen sehen wollen, sind die, die vorhaben, ihn zu vernichten": Warum Trump seine Steuererklärungen nicht offenbar muss - laut Manafort.

Die republikanische Partei: Sie war nie so geteilt, erklärt Manafort, wie es an dem Abend schien, als Trump die Vorwahlen in Indiana gewann.

“Das war alles Blödsinn”, sagt er. “Es wurde aufgeblasen. Sein Image sollten sich ab dem Moment verbessern, als die Republikaner wieder zu Hause waren, und dem war so. Das Maß an Trump-Zuspruch innerhalb der Partei liegt nun zwischen 82 und 87 Prozent und es wird noch auf 90 bis 93 Prozent ansteigen.”

“Ich habe drei Trips zum Abgeordnetenhaus gemacht und die Mehrheit ist für uns, wenn sie es nicht eh schon war”, betont er. “Es gibt einige Senatsanwärter, die sich noch nicht sicher sind, ob Trump ihre Interessen vertritt, aber die werden sich auch noch fügen.”

„Die ‘Never Trump’-Bewegung hatte noch nie ernstzunehmendes Potenzial.“ Er hat Recht.

Die lateinamerikanischen Stimmen: Die gängige Ansicht - unterstützt von der Bush-Familie und sein Gefolgsmann Karl Rove - ist, dass ein republikanischer Präsidentschaftskandidat 40 Prozent der landesweiten hispanoamerikanischen Stimmen braucht um zu gewinnen. Trump liegt bei knappen 20 Prozent.

„Die landesweiten Meinungsumfragen geben ein verzerrtes Bild wieder“, erklärt Manafort. „Um einen Eindruck des gesamten Landes zu erhalten, legen sie zu viel Wert auf die Latinos in New York und Kalifornien, wo sich die große Masse befinden, vor allem aber auch, wo sich die radikalsten Hispanoamerikaner befinden.“

„Wenn man sich die Lateinamerikaner in Staaten wie Ohio, Pennsylvania und selbst Florida anschaut, wird man eines anderen Bildes gewahr. Wir werden uns auf hispanoamerikanische Wähler in diesen und anderen umkämpften Staaten konzentrieren.”

„Die Botschaft wird sein: Arbeitsplätze, nationale Sicherheit, Terrorismus, familiäre Werte und Bildung”, sagt er. “In dieser Reihenfolge.”

„Deren Sorgen sind die selben wie die der weißen Arbeiterfamilien.“

Sein Kandidat bedarf also nicht der 40 Prozent der landesweiten lateinamerikanischen Stimmen. „Wenn wir in diesen Staaten mit Hispanics in die hohen 20er kommen, werden wir diese gewinnen. Und in Florida können wir noch erfolgreicher sein, wenn wir in den kubanischen Gemeinden machen, was nötig ist.“

Die Frauen: „Selbst im Moment sind unsere Zahlen nicht so weit vom Gleichgewicht entfernt“, sagt Manafort. „Bei Frauen sind wir zwölf Prozent drunter, aber bei den Männern 20 Prozent drüber.“

„Hillary ist diejenige, die mit einem Geschlechterungleichgewicht zu kämpfen hat. Und während wir, was Frauen angeht, allgemein hintenan sind, liegen wir bei weißen Frauen vorne an. Schwarze und hispanische Frauen werden wir auch noch dazubekommen.“

Wie er seine Kampagne führen wird: „Wir werden weiterhin Rallyes abhalten. Das ist Trumps Markenzeichen. Bei den großen Rallyes behandeln wir die groben Themen. Niemand möchte das verändern.“

Aber, fügt Manafort hinzu, das Team wird eine hochmoderne Socialmedia-Präsenz und verstärkten Vor-Ort-Einsatz auf die Beine stellen.

„Er möchte das Geld nicht für eine große, landesweite Kampagnenstruktur ausgeben. Er hört Zahlen wie 500 Millionen Dollar und sagt: 'Das sind alles Menschen, die einmal reich sein werden.' Aber ich habe ihm versichert, dass es sich um eine sehr schlanke Operation handeln wird.“

'Den Stuhl ausfüllen': „Es gibt zwei Haupthürden. Die eine ist es, die Amerikaner dazu zu bringen, ihn anzuschauen und zu sagen: 'Er kann diesen Stuhl ausfüllen.'“

„Ob er genug weiß? Ja, weil er weiß, dass er noch viel zu lernen hat. Und er arbeitet durchgehend daran.“

Trump liest keine Briefings, aber er ist ein Magnet für Informationen, so Manafort. „Er liest die Nachrichten, er unterhält sich am Telefon und mit Bürobesuchern. Du sitzt da in seinem Büro und dir wird bewusst, dass er durchgehend Sachen aufnimmt.“

„Wir haben all diese Umfragenberichte, aber er unternimmt jeden Tag zusätzlich noch seine eigenen Befragungen. Und seine sind akkurater“, sagt Manafort.

Die erste Präsidentschaftsdebatte wird ein Schlüsselmoment sein. Natürlich wird Trump nicht zögern, Clinton während dieser und anderen Debatten zu kritisieren. Angriff war schon immer sein stärkster Modus - und wird es auch immer bleiben.

„Die Taktik, in die Offensive zu gehen, muss sich nicht ändern“, betont Manafort. „Aber es wird darauf ankommen, wie er sich ausdrücken wird.“

"Er braucht jemand Erfahrenes, um den Bereich des Jobs zu übernehmen, den er nicht machen will": Manafort bezüglich Trump’s Vizewahl

Die Vizepräsidentschaftswahl wird auch Teil der Arbeit sein, zu beweisen, dass er bereit für das Weiße Haus ist, so Manafort.
„Er braucht jemand Erfahrenes, um den Bereich des Jobs zu übernehmen, den er nicht machen will. Er sieht sich selbst eher als den Aufsichtsratsvorsitzenden als den Vorstandsvorsitzenden, geschweige denn den Betriebsleiter.”

„Es gibt eine lange Liste, wer diese Person sein könnte“, fügt Manafort hinzu, „und jeder einzelne davon bringt ernstzunehmende Probleme mit sich.“

Das Team wird sicherlich keine Frau oder ein Mitglied einer Minderheit auswählen, sagt er. „Wir glauben, dass dies als eine Art des Einschleimens interpretiert werden würde.“

Hillary angreifen: Die zweite Hürde wird es sein, Clintons Fehler auf eine Art und Weise zu demonstrieren, die die Unabhängigen nicht abschreckt.

Manafort besteht darauf, dass es kaum Grund zur Sorge gibt, dass Trumps wüste Angriffe auf ihn zurückfallen könnten. „Er wird sich nicht von Grund auf verändern, dennoch muss er sich richtig ausdrücken“, sagt er.

Die Hauptaussage bezüglich Clinton wird sein, dass sie als Präsidentin „Obama 3“ sein würde - aber mit üblerer Moral. Die Vorstellung einer weiteren Legislaturperiode der derzeitigen Regierung ist genug, um Wähler abzuschrecken - die kürzlichen ziemlich positiven Bewertungen des Präsidenten seien außenvorgestellt.

Keine Bushs: „Ich denke, dass wir bald noch andere Unterstützer gewinnen werden, aber sicherlich nicht die Bushs – und Trump kann auch ohne sie“, betont Manafort. „Und wir werden auch ohne sie mehr als 90 Prozent der republikanischen Unterstützung bekommen.“

„Menschen möchten keine Dynastien. Sie wollen Veränderung.“

Anmerkung der Redaktion: Donald Trump regt regelmäßig politische Gewalt an und ist ein zwanghafter Lügner, hemmungsloser Fremdenhasser, Rassist, Frauenhasser und „Birther“, der wiederholt versprochen hat, Muslimen die Einwanderung in die USA zu verweigern — 1.6 Billionen Mitglieder einer gesamten Religion.

Dieser Artikel wurde übersetzt von Virginia Hartmann und erschien im Original in der Huffington Post US.


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