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Mauritius: Erwarte das Unerwartete

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Mauritius mit dem Paraglider aus der Vogelperspektive entdecken

Was zählt, sind die inneren Werte. Das ist auf Mauritius nicht anders. Die äußeren sind weltweit bekannt: Tolles Klima, weiße Strände, türkisfarbenes Wasser. Wer aber mehr Bewegung als die vom Liegestuhl zum Büffet und zurück haben möchte, erlebt 800 Kilometer östlich von Madagaskar eine Palette von Aktivitäten, die aus einem Bade- einen Traumurlaub machen. Expect the Unexpected - Erwarte das Unerwartete - ist auf Mauritius ein Versprechen.

Das Verblüffende ist, dass du dieses Fleckchen Erde magst, noch ehe du einen Fuß darauf gesetzt hast. Wer sich mit Mauritius auseinandersetzt, bevor er hinfliegt, ist frei von Vorurteilen. Verhaltenshinweisen, Vorsichtsmaßnahmen, Reisewarnungen? Nichts von alledem. Stattdessen hört und liest man von freundlichen Menschen, traumhaften Strände, außergewöhnlichen Hotels und einer unvergleichlichen Natur. Das ist mit normalen Reisemaßstäben betrachtet eigentlich zuviel des Guten.

Was die Geissens auf Mauritius alles erlebt haben, sehen Sie in diesem Video auf Clipfish

Sechs Geheimtipps

Vielleicht weiß Bénédicte mehr. Ganz sicher sogar. Stewardessen sind eine perfekte Informationsquelle, wenn es um spezielle Reisetipps geht. "Haben Sie etwas zum Schreiben?" fragte die charmante Flugbegleiterin der Air France. Und legte los mit ihren ganz persönlichen must see places:

1. Der Botanische Garten in Pamplemousses: "An den gigantischen Wasserlinien kann ich mich nicht satt sehen. Sie sind einzigartig."

2. Die vorgelagerte Miniinsel Ile aux Cerfs an der Ostseite. Weil: "Das Wasser dort leuchtet türkisfarben und ist kristallklar. Nirgendwo auf der Welt ist Schnorcheln schöner."

3. Chamarel im Nordwesten: "Mich faszinieren die Naturschauspiele dort. Die Wasserfälle im Regenwald und die bunte Erde mit sieben unterschiedlichen Farben."

4. Le Morne, ebenfalls im Nordwesten gelegen: "Ich mag den Ort wegen seiner Geschichte, den traumhaften Ausblicken und dem weltberühmten Spot für Kitesurfer."

5. "Der Heavenly Beach von Flic en Flac im Westen ist für mich wegen seiner pulsierenden Atmosphäre der schönste Strand der Insel."

6. "Sich einen Leihwagen nehmen und Mauritius auf eigene Faust erkunden," sagt die Französin. Und rät: "Die Beschilderung auf der Insel ist manchmal leicht chaotisch und die Leute sind so nett, dass sie einem oft die Richtung weisen, obwohl sie den Weg selbst nicht kennen. Aber mit google maps auf dem Handy findet man sich leicht zurecht."

Schwebend durchs Abenteuerland

Die Casela World auf Adventure ist zwar kein Insidertipp, aber erstaunlich genug. Jedenfalls muss man ihn gesehen haben, vor allem dann, wenn man Kinder im Reisegepäck hat. 1979 als 14 Hektar großes Vogelschutzgebiet gegründet, ist inzwischen ein gigantischer, 250 Hektar großer Abenteuerspielplatz mit über 2.000 Tieren und exakt 22 Action-Locations daraus geworden, die alle abzuhaken ein Tagesbesuch bei weitem nicht reicht. Für die Bauten im Park wurde der Setdesigner von "Games of Thrones" verpflichtet, und in den drei Kingdoms Mountain, Nature und Safari kann man Giraffen streicheln, Hippos füttern oder mit dem Quad auf einem verschlammten Rundkurs brettern.

"Wir sind wohl der einzige Ort der Welt, an dem man morgens mit den Delphinen schwimmen, mittags Kamele reiten und abends mit Löwen spazieren gehen kann." Das sagt mit Rusheel zwar ein für die Öffentlichkeitsarbeit zuständiger Casela-Mitarbeiter, aber es gibt tatsächlich viel zu sehen und zu tun in dieser Welt des kontrollierten Abenteuers, auch ein wenig Nervenkitzel darf sein: Beim Zipplining überqueren Mutige auf schwankender Planke eine tiefe Schlucht, ehe sie diese am Stahlseil hängend dreimal surrend überqueren. Und dann kann man noch klettern, sich durch den Canyon schwingen lassen und, und, und. Wir müssen weiter, Mauritius entdecken. Aber nicht ohne von Rusheel aufgeklärt zu werden, dass Stefanie von Monaco die Patronin des Parks sei und übrigens nachher noch UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon für einen Kurzbesuch vorbeischauen würde. Der junge Mann versteht seinen Job.

Rendezvouz mit der Natur und den Kitesurfern

Es ist mehr als ein Bekenntnis. Es ist Überzeugung. Viele junge Mauritianer erkennen, dass ihre Heimat jenseits der Klischees noch relativ unbekannt ist. Ein grünes Naturwunder in seinem Innern, unberührt, begehrenswert. In den letzten Jahren erst entdeckt. Von eben diesen jungen Insulanern, die der Welt zeigen wollen, was ihr Zuhause fernab der Strände alles zu bieten hat für Urlauber, die neugierig sind auf ein fremdes Land. Es sind Einsteiger, Aussteiger, Umsteiger, für die es eine Herzensangelegenheit ist, die Schätze von Mauritius stolz zu präsentieren.

Henri Payolle ist einer von ihnen, 23 Jahre jung, geboren und aufgewachsen auf Mauritius. Eigentlich wollte er Architekt werden, hat dafür in der Schweiz drei Jahre lang studiert. Aber dann traf er bei einem Heimatbesuch Yan de Maroussem, den Gründer von Yanature und ein begeisterter Bergsteiger. Und plötzlich fühlte sich Henri mitverantwortlich für die Natur seiner Geburtsstätte. Er schmiss sein Studium, wurde Teilhaber bei Yanature und ist jetzt als Hiking-Guide unterwegs. Mit ihm entdeckten wir den tiefgrünen Kern des 60 mal 40 Kilometer kleinen Mauritius. Henri durchwanderte mit uns den Black River Gorges National Park zehn Kilometer lang von West nach Ost auf dem Maccabee Trail, und gesäumt von einem dichtgrünen Regenwald begegnete uns ein gigantischer Regenbogen, ein einzigartiges Panorama mit sich tief hinabstürzenden Wasserfällen und ein schmaler Pfad im Regenwald, der Abstieg vom Hochplateau. Leicht abenteuerlich, weil steil, nass, rutschig und beherrscht von tausend Baumwurzeln, die wie dicke Adern den engen Weg vereinnahmen. Wer da nicht mit gutem Schuhwerk unterwegs ist, hat schlechte Wander-Karten. Was aber bleibt, ist ein wunderbares Rendezvouz mit der Natur. "Mauritius ist gesegnet mit unglaublich schönen Wander- und Klettertouren," weiß Henri, der seine Zukunft der Entdeckung seiner Heimat verschrieben hat.

Der Hausberg der Urlauber ist der 556 Meter hohe Le Morne Brabant, gelegen auf der gleichnamigen Halbinsel im Südwesten. Von seinem Gipfel hat man Postkarten-Panoramen auf die Küste mit ihren zauberhaften Stränden und dem intensiven Türkis des Indischen Ozeans. Und wer nach zwei strammen Marschierstunden wieder unten angekommen ist, setzt sich am besten an den Strand und verfolgt staunend die Kunststücke der Kitesurfer. Das ist spektakulär genug, denn der Strand von Le Morne gilt unter den beschirmten Brettkünstlern als einer der besten der Welt. Zur Linken üben die Anfänger in hüfthohem Wasser, vor dem rechten Strandabschnitt schweben die Kiter gen Himmel, die den Trendsport beherrschen. Und die umliegenden Hotels, wie etwa das zur mauritianischen Beachcomber-Gruppe gehörende Dinarobin, haben die junge Klientel längst für sich entdeckt. In der Zwischensaison von April bis September, wenn die kräftigsten und konstantesten Winde wehen, bietet das Fünf-Sterne-Haus den Kitesurfern Pauschalarrangements zu vergleichsweise moderaten Preisen.

Stille Höhenflüge

Für Freunde der Vogelperspektive ist Hans Joachim zuständig, ein bekennender Aussteiger. Der 58-jährige Deutsch-Franzose (der Name ist allerdings das einzig Deutsche an ihm) stellte sich schon vor 25 Jahren nach einem Mauritius-Urlaub die Sinnfrage seines Lebens: "Willst du ewig im Hotelbusiness arbeiten?" Inzwischen hat er fünf Kinder mit einer Mauritianerin und lebt für sein Hobby, dem Paragliding. Hans war der erste, der mit dem Gleitschirm seine Kreise über Mauritius flog, und wer Lust auf einen Tandemflug hat, kommt an ihm als einzigen Anbieter nicht vorbei.

Der Spaß dabei ist groß, der Aufwand vor dem Start ist es allerdings auch. Eine gute Viertelstunde strammer Fußmarsch ist nötig, um in der richtigen Höhe abzuheben. Völlig risikolos geht das aber im Schnitt nur ein-, zweimal die Woche - der Wind ist auf Mauritius oft unberechenbar.

"Aber wenn alles passt," schwärmt der Flugpionier der Insel, "gibt es nichts Schöneres. Von oben betrachtet ist Mauritius einfach atemberaubend." Zur Zeit denkt Hans Joachim intensiv darüber nach, Paragliding zum richtigen Business zu machen. Vom Strand aus will er abheben, gezogen von einem Motorboot. Und sich dann durch die Aufwinde in die Höhe schrauben, zu atemberaubenden Perspektiven.

Abwärts mit der "Entdecker-Tour"

Bei Krish Hardowar (39) geht es dagegen abwärts. "Vertical World" hat er seine Outdoor-Company genannt, und das ist durchaus wörtlich zu nehmen. Der in den USA ausgebildete Wildnis- und Rettungsexperte hat sich neben Kletter- und Hikingtouren auf das Canyoning spezialisiert. Sein Revier sind die Tamarin Falls im Gebiet von Black River, und seine "Entdecker-Tour" kommt bei den Touristen besonders gut an. "Weil sie nicht so lange dauert und leicht zu bewältigen ist," wie er sagt. "Unser jüngster Teilnehmer war gerade mal viereinhalb Jahre alt, der älteste 92."

Viereinhalb Stunden dauert der Trip, auf einer Lodge auf 580 Metern Höhe in der Nähe von Curepipe geht es los. Eine Viertelstunde später der erste Thrill - ein 18 Meter hoher Wasserfall. Und der Vorgeschmack auf die finale Herausforderung, wo die Wassermassen sich 40 Meter in die Tiefe stürzen. "Da haben manche weiche Knie," schmunzelt Krish, der im Städtchen Floreal geboren und aufgewachsen ist. "Aber wenn sie dann sicher abgeseilt worden sind, ist es das beste Erlebnis ihres Lebens." Und Krish ist glücklich, wenn wer wieder einen Besucher für seine Heimatinsel begeistert hat. "Das bedeutet mir mehr als Geld," versichert er. Es klingt glaubhaft. Lohnt das Geschäft mit der Natur? Antwort: "Es macht mich nicht reich, aber es ernährt mich." Zum Leben allerdings reicht es nicht ganz, weshalb Krish einen Nebenjob hat, der zu seiner vertikalen Welt passt und ihm "richtig Spaß" macht - er ist Fensterputzer der höchsten Häuser von Port Louis, der Hauptstadt von Mauritius.

Ein atemberaubender Golfplatz im Landesinnern

Die Geschichte über Aktivurlaub auf Mauritius mit einem Angebot von mehr als zwanzig Sportarten wäre ohne Golf nicht komplett. Freunde des komplizierten Spiels schätzen die Insel, weil es für sie dort keine Jahreszeiten gibt. Eingelocht werden kann immer, und das auf vier spektakulären Plätzen an der West- und Ostküste. Seit letzten Dezember stiehlt ein neuer Golfkurs den anderen die Show. Weil es der erste ist, der im Inneren der Insel liegt. In der Nähe des Dorfes mit dem putzigen Namen Bois Cherie und bekannt für besten Tee, setzte der südafrikanische Golfarchitekt Peter Matkovich einen atemberaubend schönen Platz in die Landschaft. Eingerahmt von Zuckerrohrfeldern und Teeplantagen liegen dem Golfer breite, sattgrüne Fairways zu Füßen, weiße Sandbunker beschützen die perfekt manikürten Greens, und überall öffnen sich Traumperspektiven auf die Südküste von Mauritius. Der "Avalon Golf-und Country Club" ist schon jetzt eine feine Adresse der Insel.

Dem Golfer fehlt es bis hin zum Schuh- und Schlägerputzservice an nichts, das großzügige, stylische Clubhaus ist mit einem Feinschmecker-Restaurant und viel Platz für Feste aller Art für Events bestens aufgestellt. Rund 40 Millionen Dollar sind bereits in das Projekt geflossen, aber die haben sich jetzt schon amortisiert, weil über 70 Prozent der 350 Villen, die ab dem nächstem Jahr entstehen, bereits verkauft sind. Fast alle an Mauritianer. Avalon, benannt nach der mystischen Insel auf der das Schwert Excalibur von König Artus geschmiedet worden sein soll, blüht eine sagenhafte Zukunft. Jetzt schon spektakulär, verspricht dieser Platz in ein, zwei Jahren ein Golfparadies zu werden, wenn die Natur ihn mit ihrem verschwenderischen schönen Wachstum umhüllt haben wird.

Neben dem Reiz des Neuen sollte man einmal den ältesten Platz der Insel gespielt haben. Den teilen sich auf der Halbinsel die aneinander grenzenden Beachcomber-Hotels Dinarobin und Le Paradis, und er ist, was die Golfer fair nennen.

Allerdings liegen die 18 Löcher gleich um die windige Ecke der Kitesurfer, und so spektakulär vor allem die am Meer entlang führenden letzten Neun sind, so unberechenbar werden sie, wenn es kräftig bläst. Dann wird die alte Golfer-Weisheit "When it's breezy, swing easy" zwar zur reinen Ironie, aber der Spaß an der faszinierenden Umgebung überwiegt allemal.

Kann ein Land noch mehr bieten?

Spaß. Das wäre am Ende unserer Aktivitäten auf Mauritius eigentlich ein gutes Schlusswort. Aber da fällt einem noch einmal unsere Stewardess Bénédicte ein, die von einem bewegenden Gespräch mit einem Passagier erzählte: "Diese Frau war von der Freundlichkeit der Bevölkerung auf Mauritius so beeindruckt, dass sie beschloss, in ihrem Alltag auch so nett zu den Menschen zu sein."
Es gibt nichts, was ein Land mehr zu bieten hat.

Reisetipps; Preisbeispiele: Flug mit Air France/Air Mauritius ohne Hotel über Paris ab ca. 900 Euro. www.airfrance.de. Hotels (5 Sterne-Kategorie): Eine Woche Aufenthalt im Hotel Dinarobin inklusive Flug ab 1.535 Euro pro Person, Trou aux Biches 1.459 Euro, Shandrani ab 1.239 Euro. www.beachcomber-hotels.com. Mietwagen: Günstige Angebote zu finden z.B. über billiger-mietwagen.de (eine Woche ab ca. 200 Euro). Aktivitäten: Abenteuerpark: Casela - World of Adventure, www.caselapark.com, Hiking: www.yanature.com, Kitesurfing: www.yoaneye.com, Paragliding: www.paraglidingmauritius.com, Canyoning: www.verticalworldltd.com, Golf: Dinarobin Hotel Golf&Spa, Avalon Golf & Country Club, www.avalongolf.mu. Weitere Informationen: www.tourism-mauritius.mu