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"Liebe ist, den Partner nicht so zu nehmen wie er ist"

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Eine Beziehung - Zwei Wahrheiten

Fragt man zwei Partner getrennt voneinander, wie es in ihrer Partnerschaft läuft, wie zufrieden sie sind oder wie glücklich, dann bekommt man oft zwei sehr unterschiedliche Antworten - gleichsam zwei Wahrheiten.

Der Mann ist zufrieden. Er strahlt möglicherweise sogar und kann sich ein schöneres Leben als das derzeitige nicht vorstellen. Die Frau dagegen antwortet deutlich verhaltener.

Oder sie ist gar reichlich ungehalten mit ihrer Beziehung, so ungehalten, dass man den Eindruck bekommen kann, sie wolle bald schon die Scheidung einreichen, ganz so wie Kristin es ein halbes Jahr nach ihrer Silberhochzeit und wenige Monate nach ihrem Auszug zur Überraschung ihres Mannes getan hat.

Warum ist das so? Warum gibt es in vielen Partnerschaften so starke Unterschiede in der Zufriedenheit? Schauen wir uns die wichtigsten Gründe einmal an.

Erster Grund: Berufliche Anerkennung

Männer sind zufriedener, weil sie meist in der besseren beruflichen Position sind. Sie bekommen in der Arbeit oft reichlich Anerkennung.

Mit einer Familie im Rücken sind viele Männer beruflich zielstrebiger und kommen schneller voran. Das lässt sie zufrieden sein mit ihrer Beziehung - auch wenn es ab und an nicht so gut läuft.

Kristin war Hausfrau, die Anerkennung durch den Beruf fehlte ihr schon lange. Doch auch wenn beide Partner arbeiten, ziehen Frauen in der Regel nicht gleich viel Anerkennung daraus. Eine Frau mit Familie macht deshalb ja nicht etwa Karriere - wie er. Das Gegenteil ist der Fall.

Frauen stecken beinahe immer zurück. Der Beruf des Mannes dagegen geht vor. Sie muss sich ihm und seinen Arbeitszeiten anpassen.

Ist er Ingenieur und bei einem großen Elektrokonzern beschäftigt - so wie Hans -, dann kann es schon mal passieren, dass er eines Morgens zur Arbeit kommt und sein Chef teilt ihm mit, dass er bereits am nächsten Tag zu einem Auftragsfertiger in China abreisen muss.

Seine Frau ist dafür zuständig, ihm den Rücken freizuhalten. Sie muss häufig zurückstecken - der Kinder und der Arbeit ihres Mannes zuliebe. Eine Chance auf berufliche Fortentwicklung hat sie entweder nicht oder nur eingeschränkt - einerlei, wie gut ausgebildet sie ist.

Keine Frage, die beruflichen Chancen sind zwischen den Partnern in der Regel noch immer ungleich verteilt. Und deshalb sind Frauen unzufrieden.

Zweiter Grund: Männer haben mehr zu verlieren

Auch in einer eher lieblosen Partnerschaft sind Männer in der Regel immer noch zufriedener als ihre Frauen. Sie wissen, dass ein Leben als Single für sie ein hartes Brot wäre. Sie haben oft keinen oder nur einen kleinen Freundeskreis.

Sie haben wenig Geschick, es sich in einer Wohnung schön zu machen. Sie können allenfalls ein Spiegelei braten und wissen nicht, wie man die Waschmaschine bedient.

Das alles erledigt ihre Frau, sie pflegt die Kontakte zu Freunden, sie kümmert sich um eine schöne Wohnung, sie kocht und macht die Wäsche - und das alles tut sie auch dann, wenn die Stimmung in einer Partnerschaft schon auf dem Nullpunkt ist. Also harren die Männer aus. Sie haben durch eine Trennung mehr zu verlieren als ihre Frauen.

Dritter Grund: Die Hausarbeit

Männer beteiligen sich nach wie vor nicht angemessen an der Hausarbeit. Ihren Frauen entgeht das nicht. Und es macht sie unzufrieden. Zudem führt es dazu, dass viele Frauen sich verbessern können, indem sie sich trennen. Sie haben dann weniger Arbeit. Nichts ist so gefährlich für eine Partnerschaft, wie die Tatsache, dass eine Trennung klare Vorteile bringt.

Für Männer gibt es diesen Vorteil nicht. Sie erwartet, sind sie erst wieder Single, eine Menge an ungewohnten wie ungeliebten Aufgaben. Sie müssen sich der Tatsache stellen, dass sich in der Küche das Geschirr stapelt, der Flur voller Wollmäuse ist und die Waschmaschine einmal mehr einen Socken verschluckt hat.

Das alles gilt zumindest für den Fall, dass sie es ohne jede Absicherung zu einer Trennung haben kommen lassen. Viele Männer sorgen deshalb vor. Sie sichern sich ab und suchen schon vor einer Trennung nach der nächsten Frau.

Und dann darf die sich um das Geschirr kümmern, um die Wollmäuse und das ebenso unerklärliche wie bizarre Phänomen des plötzlichen Sockenschwunds.

Vierter Grund: Mangel an Vitamin A, B und R

Anerkennung, Bestätigung und Respekt sind drei Kernbestandteile einer glücklichen Partnerschaft, quasi lebenswichtige Vitamine. Männer bekommen in der Regel deutlich mehr Anerkennung, Bestätigung und Respekt von ihren Partnerinnen als diese im Gegenzug von ihnen. Auch hier findet sich also eine ungleiche Verteilung zwischen den Geschlechtern, die die Zufriedenheit in der Partnerschaft beeinträchtigt.

Frauen sind in ihren Partnerschaften oft regelrecht "mangelernährt". Sie dürsten nach mehr Anerkennung und Bestätigung und Respekt - sie sehen aber keine Möglichkeit, diese auch zu bekommen.

Hat ein Mann Stress mit dem Chef, dann bekommt er in der Regel Rückhalt und Unterstützung durch seine Frau. Sie stärkt ihm den Rücken - und er genießt diese emotionale Unterstützung.

Kommt eine Frau von der Arbeit und hatte Stress, dann sind viel Männer nicht bereit, ihre Frauen ebenfalls emotional zu unterstützen. Statt "mein armer Schatz" zu sagen, erteilen sie ihrer Partnerin lieber einen Ratschlag.

Das bedeutet: Männer bekommen jede Menge emotionale Unterstützung durch ihre Partnerinnen und genießen das auch. Die Frauen aber gehen oft leer aus. Sie bekommen statt Verständnis einen guten Rat.

Etwa dazu, wie sie ihre Arbeit in Zukunft besser hinbekommen könnten, wenn sie von Problemen bei der Arbeit erzählen. Emotionale Unterstützung sieht anders aus. Und deshalb sind Frauen unzufrieden.

Fünfter Grund: Der Glaube an die Macht der Gefühle

Männer glauben stärker als Frauen, dass eine Partnerschaft allein aufgrund der Gefühle Bestand hat. Frauen dagegen tendieren dazu anzunehmen, dass für eine Partnerschaft Liebesbeteuerungen ("Aber was hast du nur: Ich liebe dich doch!") nicht ausreichen. Sie erwarten auch liebevolle Taten. Zu Recht, wie die Forschung eindrücklich belegt.

Er glaubt an romantische Gefühle - sie will konkrete Taten sehen. Dieser Widerspruch belegt: Es sind die Frauen, die in puncto Liebe rational denken und handeln. In Sachen Liebe sind Frauen also die Realistinnen - und Männer folgen unrealistischen Annahmen.

Leider finden Frauen oft keinen Weg, den Mann an ihrer Seite zu einem anderen Verhalten zu bewegen, zu liebevollen Taten also. Und weil sie nicht bekommen, was sie sich wünschen, sind sie unzufrieden.

Sechster Grund: Die Pathologisierung

Ist eine Frau öfter mal ungehalten oder kritisiert sie ihren Mann, greifen viele Männer auf psychiatrische Diagnosen zurück, um zu erklären, warum es in ihrer Partnerschaft zu Schwierigkeiten kommt. Es liegt an ihr. Punkt.

"Sie ist hysterisch", sagen sie dann. Oder einfacher ausgedrückt: "Hilfe, meine Frau spinnt." Sie ist ein Fall für den Psychiater. Auf diese Weise setzen Männer sich mit der Unzufriedenheit ihrer Partnerinnen gar nicht erst auseinander - und vergrößern sie damit noch.

Unzufrieden zu sein ist unangenehm genug. Interessiert das den Partner aber nicht oder weist er die Verantwortung weit von sich, dann ist das frustrierend - und vergrößert die Unzufriedenheit noch weiter.

Siebter Grund: Für den anderen da sein

Fragt man eine Frau, über welche drei oder fünf oder zehn Dinge sich ihr Mann besonders freuen würde, dann erhält man in der Regel umgehend eine Antwort. Eine Frau weiß, was ihren Mann erfreut. Stellt man die gleiche Frage einem Mann, dann wird es schwieriger.

Manche Männer geben sich keinerlei Mühe herauszufinden, was ihre Frauen freuen könnte, und sie sehen auch keinen Anlass, irgendetwas in diese Richtung zu unternehmen. Auch hier zeigt sich ein deutliches Ungleichgewicht. Frauen haben es schwerer, das zu bekommen, was sie sich wünschen - und deshalb sind sie unzufrieden.

Frauen sind aus guten Gründen unzufrieden

Das waren jetzt die sieben wichtigsten Gründe, warum Männer oft deutlich zufriedener in ihrer Partnerschaft sind als Frauen. Es gibt natürlich noch einige mehr. So hat eine geringe emotionale Verbindung zwischen den Partnern weitere Folgen: Sie wirkt sich oft gravierend auf die Erotik aus.

Frauen sind in der Sexualität stärker als Männer auf eine gute Stimmung in der Beziehung angewiesen. Wenn sich die Stimmung verschlechtert, sinkt bei Frauen oft auch die Lust auf Zweisamkeit und Sex.

Weniger Sex als gewünscht ist für beide Geschlechter ein unangenehmer Zustand, was wiederum dazu führt, dass sich die Stimmung noch weiter verschlechtert. Das ist so, weil beim Sex große Mengen an Glücks- und Bindungshormonen ausgeschüttet werden - und auf die verzichten zu müssen, bekommt keiner Beziehung gut.

Mein Fazit: Frauen wollen mehr Anerkennung und mehr Bestätigung, mehr Wertschätzung und mehr emotionale Unterstützung. Sie wollen das, weil sie es brauchen, um in einer Beziehung glücklich zu sein. Und weil diese für eine Partnerschaft lebenswichtigen Güter in ihrer Partnerschaft möglicherweise auch noch ungleich verteilt sind. Zu ihren Ungunsten.

Frauen sind aus guten Gründen unzufrieden. Und sie haben deshalb in der Regel auch deutlich mehr Gründe sich die entscheidenden Fragen zu stellen: Was muss passieren? Was kann ich selbst tun, um die Situation zu verbessern? Und: Wie ändere ich meinen Mann?

Der Beitrag ist ein Auszug aus dem Buch Liebe ist, den Partner nicht so zu nehmen wie er ist von Christian Thiel.

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