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Die EU berät heimlich über die Zeit nach einem Brexit

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LONDON BUCKINGHAM PALACE
Die EU berät heimlich über die Zeit nach einem Brexit | Reuters Staff / Reuters
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  • Am 23. Juni stimmen die Briten über den Brexit ab
  • Die EU will öffentlich nur wenig über ein Szenario danach reden
  • Hinter den Kulissen aber gibt es geheime Gespräche

Nicht einmal mehr vier Wochen. Dann stimmen die Briten ab. Darüber, ob sie in der EU bleiben wollen, und vielleicht über noch viel mehr.

Der 23. Juni 2016 gilt als heikler Tag nicht nur für die Zukunft Großbritanniens, sondern auch der EU.

Die EU hofft, dass nicht einer ihrer größten, wichtigsten, wenn auch unbequemsten Player aussteigt. Und damit vielleicht eine Kettenreaktion in Gang setzt, an deren Ende das Ende der EU steht.

EU warnt vor "ernster Gefahr" für die Wirtschaft

An diesem Freitag sprachen sich die G7-Chefs ausdrücklich für einen Verbleib Großbritanniens in der Europäischen Union aus und stärkten damit Premierminister David Cameron den Rücken. In einem Satz, der überraschend in das Abschlussdokument aufgenommen wurde, warnt die Gruppe, ein Brexit wäre eine „ernste Gefahr“ für das wirtschaftliche Wachstum.

Das ist die eine, die offizielle Seite. Das Hoffen. Das Mahnen. Das Warnen.

Hinter den Kulissen gehen die EU-Mitglieder offenbar noch einen Schritt weiter: Sie beraten, was im Fall eines Brexit zu tun wäre. Nur offiziell mag über diesen Fall kaum jemand sprechen.

Diskrete Beratungen für den Fall des Brexit

Während Merkel sagte, der Brexit sei in den G7-Gesprächen „kein Thema“ gewesen, hob Cameron hervor, es habe sehr wohl eine Rolle gespielt. Besonders US-Präsident Barack Obama und Japans Premier Shinzo Abe hätten vor den Folgen gewarnt.

Wie der „Spiegel“ in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, haben sich die Außenminister der sechs EU-Gründungsstaaten am Freitag vergangener Woche darüber unterhalten, am Montag dann soll der Kabinettschef des EU-Kommissionspräsidenten, Martin Selmayr, zu einer „diskreten Beratung“ geladen haben.

Es geht um Milliarden Euro

Die Außenminister, heißt es in dem Bericht, erwarteten im Fall eines Brexit mindestens zweijährige, anstrengende Verhandlungen mit den Briten – weil es um viel Geld geht. Für die Briten – und auch für die EU.

Einige Beispiele:

1. Die britische Regierung warnt, im Fall eines Brexit gingen in Großbritannien 500.000 bis 800.000 Arbeitsplätze innerhalb von zwei Jahren verloren. Der größte britische Gewerkschaftsverband TUC (Trades Union Congress) sieht sogar vier Millionen Jobs vor allem in der Exportwirtschaft, zum Beispiel in der Auto- und Chemiebranche, in Gefahr.

2. Das Land könne in eine Rezession fallen und das Pfund zwischen zwölf und 15 Prozent an Wert verlieren. Die Zahl stammen aus einer Studie über die unmittelbaren Folgen eines Brexit, die Finanzminister George Osbourne am Montag vorstellte.

3. Experten fürchten auch für Deutschland Auswirkungen: Allein die Autoindustrie könnte Schätzungen nach bis 2019 mehr als fünf Milliarden Euro einbüßen.

Mit Material der dpa

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