Huffpost Germany

Warum Männer die Frauen verlassen, die sie lieben (Was jede Frau wissen muss)

Veröffentlicht: Aktualisiert:
MAENNER VERLASSEN FRAUEN
Warum Männer die Frauen verlasen, die sie lieben | iStock
Drucken

THE BLOG

Vor mehr als einem Jahr schrieb ich darüber, warum Frauen die Männer verlassen, die sie lieben. Eine simple Erkenntnis, ein Einblick in meine Arbeit als Eheberater.

Der Artikel hat weltweit einen Nerv getroffen und innerhalb kürzester Zeit erhielt ich hunderte von Emails, Kommentaren, Fragen und Anfragen aller Art. Viele Leser - Frauen wie auch Männer - verlangten nach einem vergleichbaren Gegenartikel. Sie wollten hören, warum Männer die Frauen verlassen, die sie lieben - annehmend (vielleicht eine Wiederspiegelung der modernen Idee der Gleichstellung der Geschlechter), dass es eine inhärente Symmetrie dieses Phänomens geben müsste. Ich bin mir dessen nicht sicher.

Ich habe mich über ein Jahr lang mit diesem Kontrapunkt gequält, der Frage, warum Männer die Frauen verlassen, die sie lieben, im Geiste wie auf dem Papier.

Warum verlassen Männer die Frauen, die sie lieben... Tun sie das überhaupt?

Die Wahrheit ist - meiner klinischen Erfahrung nach - dass ich selten Männer jemanden verlassen sehe. Männer schotten sich ab. Sie ziehen sich in ihre Arbeit, Hobbys, Phantasie oder Abhängigkeit zurück. Sie betrügen oder führen geheime Zweitleben oder Affären. Sie stellen vielleicht Situationen her, die das Weiterführen einer Ehe oder einer Beziehung unmöglich machen. Männer leiden stillschweigend, sich enorme Lasten aufladend.

Die Männer, mit denen ich arbeite, haben oft eine hohe Abkoppelungs-Toleranz. Vielleicht verlassen sie eine mittelmässige Beziehung mental (manchmal kommen sie gar nicht erst vollkommen an), aber es ist unwahrscheinlich, dass sie diese physisch verlassen werden.

Sicherlich wird diese Beschreibung nicht allen Männern gerecht, allerdings sehe ich diese allgemeinen Muster zu häufig in meiner Arbeit als Paar-Therapeut, um sie ignorieren zu können.

Männer werden nach einem Standard gemessen

Ich finde es interessant, dass Frauen für das mutige Beenden einer toten oder nicht erfüllenden Beziehung gelobt werden. (Die überwältigend positiven Reaktionen auf meinen ursprünglichen Artikel veranschaulichen dies.)

Männer hingegen, werden oft nach einem anderen Standard gemessen: der Gesellschaft nach, untereinander, von Frauen und vielleicht am allerwichtigsten, von sich selbst.

Es könnte Pflichtgefühl oder Opferwille sein, der Männer vom Schlussmachen abhält. Der Fokus eines Mannes auf Leistung und Erfolg könnte das Gefühl einer gescheiterten Ehe unertragbar machen und somit ist die Schande des Verlassens keine Möglichkeit.

Erwarten Männer weniger von Leben?

Oder vielleicht erwarten Männer weniger von einer Beziehung, weniger von der Liebe. Vielleicht ist die schmerzhafte, aber aufschlussreiche Wahrheit, dass Männer weniger vom Leben erwarten. Abgesehen von jenem Draufgängertum, das wir manchmal von außen sehen, sind viele Männer losgemacht von jeglichem echten, lebendigen Gefühl, was den Zweck ihres Lebens angeht.

Ihre Brust mag zwar aufgebläht sein, aber ihre Herzen ächzen und sind leer.

Während viele Frauen sich gegenüber lang unterdrückten (und verdrängten) Verlangen öffnen – gegenüber der Freiheit, der Ausdrucksfähigkeit, Sinnlichkeit, Macht, Erotik, Authentizität, Lebendigkeit; können ihre männlichen Gegenspieler weiterhin mit gesenkten Köpfen entlang schlurfen.

In seinem Buch “Eisenhans- Ein Buch über Männer”, wirft der Dichter und Autor Robert Bly die folgende These in den Raum:

“… der Europäische Roman, ein liebliches Phänomen der letzten zwei Jahrzehnte, hat mehr als eine moderne Frau gelehrt, was für ein reiches Reservoir an Impulsen und Sehnsüchten sie in ihrer Seele hat, die erfüllt oder unerfüllt bleiben können... Eine Frau des zwanzigsten Jahrhunderts empfindet in sich komplizierte Empfindungen, die kein durchschnittlicher oder sterblicher Mann bedienen kann.“

Diese komplizierten Empfindungen scheinen so nicht auf die gleiche Art und Weise bei Männern an die Oberfläche zu gelangen- und vielleicht glücklicherweise. Die Wege von Männern und Frauen, obwohl miteinander verknüpft, scheinen zwangsläufig unterschiedlich zu sein.

Auch Männer haben komplizierte Gefühle

Nichtsdestotrotz haben auch Männer ihre eignen „komplizierten Empfindungen“ und ihre eigenen „reichen Reservoirs“ zu entdecken und zu pflegen.

In archetypischen Bildern gesprochen, könnten wir sagen, dass viele Frauen weiterhin in einer Beziehung die Eigenschaften einer Liebenden annehmen, während Männer den Krieger verkörpern.

Dem Krieger ist es möglich, seine Gefühle beiseite zu packen um, sich auf Prinzipien und Ideen stützend, für das Gemeinwohl zu arbeiten.

Diese Fähigkeit ist wertvoll, aber wenn diese Prinzipien und Ideale getrennt werden von der wahren Berufung eines Mannes - wenn sich diese mit seinem Herzen einen Konkurrenzkampf liefern - wird die Energie des Kriegers verzerrt und der Mann wird mechanisch, kalt und distanziert werden. (Natürlich können diese Rollen auch verdreht sein. Viele Frauen entdecken ihre inneren Kriegerinnen und Männer ihre inneren Liebenden. Alle Konstellationen können wertvoll sein, und alle können sie problematisch sein.)

Der Mann zwischen zwei Extremen


Es gibt ein Sprichwort: „Gib niemals einem Mann, der nicht tanzen kann, ein Schwert.“ Die Energie des Kriegers ist kraftvoll und nobel in ihren gesunden und lebhaften Ausführungen, aber wenn sie zu rigide wird, entwickelt sie sich zu einer traurigen und gefährlichen Parodie ihrer selbst.

Der Mann, der nicht tanzen kann, ist ein Mann, der nicht empfinden kann. Er kann den Rhythmus des Lebens nicht fühlen - den anderer oder den einer Beziehung. Tanzen bedarf einer Wachsamkeit, es bedarf Grazie. Tanzen bedarf einer erotischen Intelligenz.

Ein auf eine Sache fokussierter Mann, ohne diese Qualitäten, wird sich von seinen Gefühlen abgeschnitten wiederfinden, unerreichbar für sich selbst und andere.

Wenn Frauen diese Männer verlassen, macht sich Fassungslosigkeit breit

Viele Männer haben große Bitterkeit ausgedrückt, wenn sie von ihrer Frau verlassen wurden. Vor allem, weil sie so viel von sich selbst opferten, um den Handel zu erfüllen - was sie für nötig für eine Beziehung oder Ehe hielten.

Er führte einen Job aus, der gefährlich für seinen Körper oder seine Seele ist. Er schaltete viele seiner Gefühle ab, um sich adäquater zu verhalten, um ökonomischer für seine Familie sorgen zu können.

Wenn Frauen diese Männer verlassen, macht sich Fassungslosigkeit breit. Diese Männer glauben, alles ihnen Mögliche gemacht zu haben. Wenn wir nicht aufpassen, machen sich archetypische „Opfer und Täter“-Muster in uns breit und Männer und Frauen finden sich gegeneinander gestellt wieder, und im Endeffekt gegen wichtige Teile ihrer selbst.

In meinem ursprünglichen Artikel, der so viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat, stelle ich Männern die folgende Frage:

“Kannst du deine Leidenschaft fühlen? Wenn du sie verloren hast, warum? Wo ist sie hin? Finde das heraus. Finde sie. Wenn du sie noch nie entdeckt hast, lebst du nicht wirklich.“

Wenn Männer nicht fähig sind, in ihrer Beziehung gänzlich präsent zu sein, sei es nur für fünf Minuten am Stück, könnte es sein, dass sie keinen Bezug zu ihrem Herzen, ihrer Leidenschaft haben. Sie sind Fremde gegenüber ihren eigenen „komplizierten Empfindungen“ und “reichen Reservoirs”.

Ein Mann, der sich und seine Empfindungen kennt, ist in der Lage, eine Beziehung zu beenden

Paradoxerweise ist es die Verbindung eines Mannes zu diesen Teilen seiner selbst, die es ihm erlaubt, gänzlich präsent in einer Beziehung sein zu können, und die ihm gleichermaßen auch die Kraft gibt, gehen zu können.

Wenn wir wollen, dass sich Männer tiefgehender zeigen, müssen wir auch auf ihre lang zurückgehaltene Rage gefasst sein - darüber, benutzt und schlecht behandelt worden zu sein, als Kanonenfutter, wirtschaftliches Futter, Unterhaltungsfutter, Familienfutter und so weiter.

Wenn wir wollen, dass Männer ein Leben lang mit ihrer Leidenschaft in Kontakt bleiben, müssen wir bereit sein, zuzuhören, was diese Leidenschaften zu sagen haben. Manchmal wird das Wort Nein sein. Oder Lebewohl.

Wie es für Blys Frau des zwanzigsten Jahrhunderts der Fall ist, so gelangt auch der sich selbst gewahr werdende Mann in die Lage, eine Ehe zu stärken, oder zu zerstören.

Wenn wir einen leidenschaftlichen und präsenten Partner wollen, müssen wir auch mit den Folgen leben

Wenn wir eine Ehe um jeden Preis aufrecht erhalten wollen, dann wäre es besser, alle Leidenschaften, alle Herzenswünsche, alle “komplizierten Empfindungen” and “reichen Reservoirs” auszulöschen.

Wenn wir hingegen eine Beziehung mit einem wachen, leidenschaftlichen, präsenten und bevollmächtigten Partner wollen, sollten wir besser bereit sein, uns allen möglichen Folgen zu stellen. Dies mag furchteinflößend sein, aber mir ist keine bessere Möglichkeit bekannt.

Justice Schanfarber ist Eheberater und zertifizierter Hakomi-Therapeut, der individuelle Beratungen, Eheberatungen, Coaching und Mentoring für Einzelpersonen und Paare zu jenen Themen anbietet, die eine Beziehung entstehen oder zerbrechen lassen. Sitzungen per Telefon/Skype weltweit möglich. Email an justice@justiceschanfarber.com für die Anfrage nach einem Klienten-Infopaket.

Besucht Justice auf seiner Website oder folgt ihm bei Facebook!

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf www.justiceschanfarber.com erschienen und wurde von Ramona Biermann aus dem Englischen übersetzt.


Jedes Kind braucht die Chance auf Bildung

Egal wo auf der Welt: Ohne Bildung haben Kinder aus armen Familien in der Regel keine Chance. Doch die ist mitunter teuer - und so vergrößern sich vielerorts das Ungleichgewicht. Dieses Problem versuchen Organisationen in aller Welt zu lösen.

Zusammen mit der Spendenplattform betterplace.org nennt die Huffington Post einige spannende Projekte, die jeder unterstützen kann.

Viele Kinder aus sozial schwachen Familien haben niemanden, der sich um ihre alltäglichen Sorgen kümmert. Ein Blick auf die Hausaufgaben, Konflikte mit Freunden - oder Gesundheitsprobleme: In dem Münchner Projekt Lichtblick Hasenbergl unterstützen Pädagogen junge Menschen bei all diesen Fragen. Hier erfahrt ihr mehr zu der Initiative.

In Ruanda haben 400.000 Kinder keine Chance auf einen Platz in der Schule; besonders Waisen und Mädchen sind benachteiligt. Das Projekt "Schulen für Afrika" von Unicef ermöglicht tausenden Kindern den Zugang zu Bildung. Hier könnt ihr die Initiative unterstützen.

Ein zuverlässiges Transportmittel kann für Menschen in einem Entwicklungsland alles verändern. World Bicycle Relief stattet Menschen in ländlichen Regionen Afrikas mit Fahrrädern aus und schenkt ihnen damit ein großes Stück Lebensqualität. Hier geht es weiter zu diesem faszinierenden Projekt.

Dieser Mann wurde blind – Wegen eines einfachen Fehlers, den viele jeden Abend machen