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Warum deine Entscheidung richtig ist, keine Kinder zu bekommen

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KINDER KRIEGEN ENTSCHEIDUNG
Warum deine Entscheidung, keine Kinder zu bekommen, richtig ist | iStock
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"Haben Sie Kinder?"

"Nein."

"Da müssen sie sich aber beeilen!"

Ich glaube, ich habe nur gestarrt. Ungläubig gestarrt. Und mich geärgert. Über einen dieser Momente, für den einen immer erst zu spät eine gute, schlagfertige Reaktion einfällt.

Dieser Typ kannte mich überhaupt nicht, wusste nichts von mir. Bis auf mein Alter, das er aber auch nur geschätzt haben kann. Und der Tatsache, dass ich keine Kinder habe. Offenbar genug Information für ihn, mich ungefragt auf das angebliche Verfallsdatum meiner Eierstöcke hinzuweisen.

Wir haben keinen Auftrag, Kinder zu kriegen

An solchen Bemerkungen ärgert mich zweierlei. Zum einen die Tatsache, dass ein wildfremder Mann meint, das Recht zu haben, über meinen Körper und das, was ich mit ihm mache, urteilen zu dürfen.

Das unterstellt, dass Frauenkörper eine Art Allgemeingut sind. Eine Hülle, die einer bestimmten Funktion dient: Dem Kinderkriegen. Die Frau als Schale eines höheren Guts, als ausführendes Organ eines reproduktiven Auftrags. Die Annahme, dass das ihr höchstes Ziel sei.

Frauen müssen aber keine Kinder kriegen. Genauso wenig wie Männer. Nur weil wir es können, heißt das nicht, dass wir es sollten.

Nicht umsonst praktizieren Menschen seit Jahrtausenden Empfängnisverhütung. Und dass die heute so komplikationslos ist, dafür sollten wir dankbarer sein als für die Mondlandung, finde ich.

Und noch etwas stört mich an dieser Bemerkung: Sie ist auf persönlicher Ebene unverschämt. Sie sind rücksichtslos und anmaßend. Besonders, wenn sie von wildfremden Menschen kommt.

Was wusste dieser Kerl schon über mich? Es könnte doch sein, dass mir die Eierstöcke wegen einer lebensbedrohenden Krankheit entfernt werden mussten. Es hätte sein können, dass ich traumatisiert bin. Es hätte sein können, dass ich seit Jahren verzweifelt versuche, Kinder zu bekommen - ohne Erfolg.

Es gibt unzählige Gründe, warum Frauen keine Kinder bekommen

Es gibt zig Gründe, warum Frauen Kinder keine Kinder bekommen können. Für die, die sich das wünschen, ist das hart. Diese Frauen brauchen sicherlich keine ungebetenen Kommentare über ihr Leid.

Es gibt aber auch zig Gründe, warum Frauen keine Kinder bekommen möchten. Und auch diese Frauen brauchen keine ungebetenen Kommentare über ihr Leben.

Wie oft hört man als kinderlose Frau ab einem bestimmten Alter die Frage, ob man sich denn wirklich sicher sei? Ob man nicht irgendwann aufwachen werde und anders denken werde? Ob man nicht wisse, dass Kinder das Leben komplett machen? Dass man Liebe erst durch sie erfahre?

Nun, viele Entscheidungen im Leben schließen andere Entscheidungen aus. Ich zum Beispiel, ich werde wohl keine Astrophysikerin mehr. Und an einer Olympiade werde ich auch nicht mehr teilnehmen. Ich habe mich für andere berufliche Perspektiven entschieden und bin mir relativ sicher, dass ich auch morgen früh (oder in zehn Jahren), der Karriere als Naturwissenschaftlerin nicht hinterhertrauern werde.

Das Leben lebt sich nur vorwärts

Warum ich da so sicher bin? Nun, ich kenne mich. Ich kenne mich schon länger. Ich weiß, was mir wichtig ist. Und ich weiß auch: Auf "was wäre wenn" lässt sich kein zufriedenes Leben bauen.

Was wäre, wenn ich diesen einen Mann nicht hätte gehen lassen? Was wäre, wenn ich den Job doch nicht gekündigt hätte? Was wäre, wenn ich jetzt schon Mutter wäre?

Wir wissen es nicht. Wir werden es auch nie wissen. Leben kennt nur eine Richtung. Und wer mit dieser Erkenntnis leben möchte, der tut gut daran, solche Fragen nicht allzu Ernst zu nehmen.

Und all denen, die glauben, Kinder seien der Schlüssel zum Glück, die möchte ich gerne fragen, wo ich es denn abgeben dürfte, wenn ich merkte, dass es nicht sooo glücklich macht? Denn eine Glücksgarantie, dass dürfte klar sein, sind Kinder auch nicht.

Glücklich muss man ganz alleine werden. Das können weder ein Partner, noch Kinder einem abnehmen.

Eine Entscheidung für oder gegen Kinder hängt immer von so vielen Faktoren ab. Es ist eine persönliche, es ist aber auch eine finanzielle, eine wirtschaftliche, eine emotionale Entscheidung. Und wenn man sich dagegen entscheidet, ist die Entscheidung genauso richtig oder falsch, wie andersrum.

Ich hatte auch Sorgen

Ich habe mich selbst lange von diesen Fragen verunsichern lassen. Mich selber gefragt, wie ich denn meine biologische Uhr auf leise schalten könnte. Ich habe mich das gefragt, weil die Bemerkungen, die ich mir als kinderlose anfang-30-Jährige anhören musste, überhand nahmen.

"Möchtest du denn keine Kinder?" Als würde ich freiwillig zehn Tage auf Stuhlgang verzichten.

Das habe ich dann einem guten Freund erzählt. Der schaute mich daraufhin entgeistert an. "Stell dir doch einfach mal vor, du kriegst keine Kinder mehr. Dein Leben läuft so weiter wie bisher. Wie schlimm wäre das denn?"

Er hatte recht. Es wäre überhaupt nicht schlimm. Denn ich mag mein Leben ziemlich gerne.

Ich kann mir gerade nicht vorstellen, Kinder zu kriegen. Ob sich das bis zu meinen Wechseljahren noch ändert? Mag sein. Mal sehen. Was ich sicherlich weiß, ist: Wenn ich irgendwann mal ein Kind möchte, werde ich das selbst entscheiden.

Du möchtest keine Kinder? Dann ist es genau die richtige Entscheidung. Weil sie deine ist.


Jedes Kind braucht die Chance auf Bildung

Egal wo auf der Welt: Ohne Bildung haben Kinder aus armen Familien in der Regel keine Chance. Doch die ist mitunter teuer - und so vergrößern sich vielerorts das Ungleichgewicht. Dieses Problem versuchen Organisationen in aller Welt zu lösen.

Zusammen mit der Spendenplattform betterplace.org nennt die Huffington Post einige spannende Projekte, die jeder unterstützen kann.

Viele Kinder aus sozial schwachen Familien haben niemanden, der sich um ihre alltäglichen Sorgen kümmert. Ein Blick auf die Hausaufgaben, Konflikte mit Freunden - oder Gesundheitsprobleme: In dem Münchner Projekt Lichtblick Hasenbergl unterstützen Pädagogen junge Menschen bei all diesen Fragen. Hier erfahrt ihr mehr zu der Initiative.

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