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Amnesty International zeigt in einem Video, wie nah sich Europäer und Flüchtlinge sind

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Wenn wir über Flüchtlinge sprechen, benutzen wir oft Worte, die bürokratisch klingen, kalt - und so gar nicht nach echten Schicksalen. Sie reduzieren die menschlichen Tragödien auf Zahlen und Statistiken. Auf eine gesichtslose Gruppe an Menschen, die ihre Heimat aufgegeben haben, um in Deutschland ein besseres Leben zu führen.

Dabei vergessen wir gerne, dass hinter jeder dieser Zahlen, dieser Statistiken ein Mensch steckt. Jemand, der wahrscheinlich Schlimmes durchmachen musste - und der sich genauso wie man selbst nach Akzeptanz, nach Nähe, nach einem unbeschwerten Leben sehnt. Der genauso wie man selbst eine Familie, Freunde, Träume und Ziele im Leben hat.

Im Alltag ist es für viele Menschen allerdings nicht leicht, einen Zugang zu finden zu dem Neuen, mit fremden Kulturen in Kontakt zu treten. Meist fehlen schlicht die Gelegenheiten.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat deshalb ein Experiment in Berlin gestartet, das Einheimische und Flüchtlinge einander bedeutend näher bringt - und das innerhalb sehr kurzer Zeit.

"Als ich in ihre Augen geschaut habe, habe ich versucht zu sehen, was sie mir über das Leben erzählen"

Die Aktivisten führten jeweils einen Europäer und einen etwa gleich alten Syrer oder eine Syrerin gemeinsam in einen Raum. Gegenüber auf zwei schlichten Holzbänken sitzend sollten die beiden sich für vier Minuten in die Augen schauen.

Das Ergebnis hat Amnesty in einem fünfminütigen Video festgehalten. Wer den Blicken der Menschen folgt, erkennt darin tief gehende Emotionen. Emotionen wie Zuneigung, Empathie, Trauer, Verständnis - spätestens nach ein paar Sekunden ist in keinem der Blicke mehr Skepsis zu lesen oder gar Wut.

Da sind zwei alte Männer, die mit Zeichensprache und gebrochenem Englisch viel mehr als nur eine Sprachbarriere überwinden. Da ist die syrische Frau um die Dreißig mit Kopftuch, deren Gefühle so stark sind, dass sie beginnt zu weinen.

Und da ist die junge Frau mit den Locken, die, nachdem sie einem jungen Syrer vier Minuten lang in die Augen geschaut hat, ein bisschen rot wird und sagt: "Ich erwarte schon, dass er mich jetzt nach meiner Telefonnummer fragt."

Ein Engländer sagt nach den vier Minuten, die er einer Syrerin gegenüber saß: "Als ich in ihre Augen geschaut habe, habe ich versucht zu sehen, was sie mir über das Leben erzählen, das sie gelebt hat. Und ich denke, ich habe da sehr viele Erfahrungen gesehen."

Die Menschen sahen sich zum ersten Mal in ihrem Leben

Eine junge blonde Frau nimmt die Hände ihres Gegenüber in die ihren, als er ihr erzählt hat, dass er ganz alleine nach Deutschland gekommen ist. Nach den vier Minuten umarmen sich die Beiden.

"Die Teilnehmer waren ganz normale Menschen", schreibt Amnesty zu dem Video. "Die Situationen waren nicht gestellt, denn wir wollten natürliche, spontane Reaktionen." Die Menschen, die sich dort gegenüber saßen, sahen sich zum ersten Mal in ihrem Leben.

Durchgeführt wurde das Experiment in Berlin, der Stadt, die "ein Symbol ist, für das Überwinden von Unterschieden und zugleich das Zentrum des gegenwärtigen Europa", wie die Aktivisten schreiben.


Flüchtlingskrise: Helft den Helfern!

Die Flüchtlingskrise bewegt die Deutschen wie kein anderes Thema. Viele blicken fassungslos auf das, was sich an Europas Grenzen abspielt. Auf das Leiden und die Nöte der Hilfesuchenden.

Dabei gibt es zahlreiche Menschen und Organisationen, die vor Ort helfen, die Probleme zu lösen. Zusammen mit der Spendenplattform betterplace.org nennt die Huffington Post spannende Projekte, die ihr direkt unterstützen könnt.

Die Nachrichten von ertrunkenen Flüchtlingen nehmen kein Ende. Auch, weil es viel zu wenig Rettungskräfte auf dem Mittelmeer gibt. Hier versucht die Mannschaft des Schiffes Sea Watch 2. zu helfen. Spenden benötigt die Crew für Nahrung, Schwimmwesten und Medikamente.

Auf der sogenannten Balkanroute ist ein großer Teil der Flüchtlinge unterwegs. Der Verein Soups & Socks versorgt Flüchtlinge hier mit einer warmen Mahlzeit und anderen lebensnotwendigen Dingen. Hier geht es weiter zur Soups & Socks Tour.

Ein weiteres Problem sind die vielen unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlinge in Berlin. Ihnen vermittelt die Organisation Akinda beispielsweise einen gesetzlichen Vertreter. Wie das geht, beschreiben die Initiatoren hier.

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