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Romantische Route durch Rumänien

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Pferdegespanne gehören in Rumänien zum alltäglichen Straßenbild

Rumänien, seit 2007 Mitglied der Europäischen Union, gehört nicht unbedingt zu jenen Ländern, die man auf Reisen mit dem eigenen Auto oder auch mit dem Mietwagen durchquert. Individualtourismus ist hier noch die Ausnahme, geführte Bustouren dafür umso mehr die Regel. Das zeigen uns bereits die ersten Kilometer abseits der Autobahnen. Mit dem Skoda Octavia Scout tauchen wir ein in eine Welt der Vergangenheit, wie sie die Älteren untern uns noch aus Vorkriegszeiten kennen.

Ärmliche Häuser, an denen Putz abbröckelt, verrostete Blechdächer, morsche Zäune, hinter denen Gemüse gezogen wird oder Hühner laufen. Häufig sind die Häuser nur halb fertig gebaut, stehen verlassen als Ruinen in der Landschaft. Der Asphalt der Straßen ist holperig, Baustellen sind nur notdürftig gekennzeichnet, Pferde- und Maultier-Fuhrwerke, bei uns seit mindestens 60 Jahren aus dem Straßenbild verschwunden, zählen hier zum Verkehrsalltag, dienen als Transportmittel für Waren aller Art. An den Straßenrändern mähen Männer mit Sensen das Gras, hüten Rinder, Schafe und Ziegen. Alte Frauen mit Kopftüchern kehren den Gehsteig - wenn es denn überhaupt einen gibt - oder halten ein Schwätzchen an einer der öffentlichen Wasserstellen.

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Armes Land, reiche Landschaften

Für kein anderes europäisches Land liefert das Auswärtige Amt ausführlichere Reise- und Sicherheitshinweise, schreibt mehr über Verkehrsregeln, Hygiene und Kriminalität. Selbst auf das Problem der Straßenhunde, die auch wir unterwegs immer wieder angetroffen haben, wird hingewiesen, besser gesagt, gewarnt. Hundebesitzer und Tierliebhaber sollten ihr Mitleid in Rumänien besser ausblenden und die Vierbeiner in Ruhe lassen. Mitunter schlafen sie mitten auf der Straße. Kadaver am Wegesrand zeugen von Unfällen.

Unsere Tour startet nicht in der Hauptstadt Bukarest, sondern nordwestlich in Sibiu, ehemals Hermannstadt, und soll nach drei Tagen 900 Kilometer weiter östlich am Schwarzen Meer enden. Weil unser Weg dorthin oft über Schotterwege und die Route entlang der nördlichen Karpaten führt, geht Ausrichter Skoda fahrzeugmäßig auf Nummer sicher. Zur Verfügung stehen die Modelle Octavia Scout, ausgerüstet nicht nur mit Allradantrieb, kräftigem Dieselmotor und Automatikgetriebe, sondern auch mit einem stabilen Unterbodenschutz. Zudem liegt die Karosserie etwas höher, erlaubt somit auch Fahrten über steinigen Untergrund und ausgefurchten Wegen.

In den Bann der schönen Landschaft gezogen wird der Autofahrer bereits in der Region südlich von Sibiu. Zur rechten Hand erhebt sich das im Mai noch immer schneebedeckte Faragas-Gebirge. Wie aufgereiht in fast künstlicher Gleichmäßigkeit strecken sich die neun Gipfel über 2.500 Meter gen Himmel. Nirgendwo sonst in West- und Mitteleuropa gibt es zudem ein so großes zusammenhängendes Waldgebiet wie in Rumänien. Es ist Heimat von über einem Drittel aller europäischen Wölfe, Bären und Luchse. Begegnungen mit ihnen blieben uns erspart.

Graf Dracula treibt sein Souvenir-Unwesen

Wald und Walachei, Touristen und Transsilvanien, was passt da besser als Schloss Bran? Nie gehört? Hier soll einst der blutrünstige Graf Dracula sein Unwesen getrieben haben. Ob sich das wirklich alles so zugetragen hat, wie im Roman von Bram Stoker beschrieben, sei dahingestellt. Ein Geschäft ist in jedem Fall mit dem Vampir zu machen. Davon zeugen die vielen Souvenir-Shops im Umfeld der Burg.

Wer in Rumänien "on the road" ist, sollte unbedingt entlang seiner Route vorab Übernachtungen buchen. Auf Risiko erst abends etwas zu suchen, könnte leicht schiefgehen. Es empfiehlt sich ebenso, nicht auf den Preis zu schauen sowie die Anzahl der Sterne als Gütesiegel als bindend anzusehen. Hotels in Rumänien abseits der Metropolen zählen nicht zu den besten Herbergen. Sie durchströmt oft noch ein Lüftchen des Sozialismus, zumindest was Architektur und Zimmerausstattung angehen. Dafür kostet eine gute Schlafstätte auch nur 50 bis 80 Euro.

Im Herzen des Landes liegt die Großstadt Brasov, die wir am zweiten Tag unserer Rumänien-Route passieren. Die ehemalige Handelsstadt gilt als geistig-kulturelles Zentrum der Siebenbürgen-Sachsen. Viele Schilder haben noch deutsche "Untertitel". Kein Wunder, Brasov hieß einmal Kronstadt. Aus ihr stammen der Sänger Peter Maffay und das Erfolgsduo aus Boris Beckers Glanzzeiten - Schnauzbartträger Ion Tiriac und Trainer Günther Bosch.

Einen Hauch von Abenteuer erfährt unser Skoda-Tross beim Überqueren des Flusses Buzau. Gespannte Stahlseile und Holzbretter bilden die Konstruktion. Deutsche TÜV-Beamte würden vermutlich die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Hier dient die 289 Meter lange Hängebrücke als Lebensader zwischen den Ortschaften Ursoaia und Viperesti. Die Brücke ist so schmal, dass wir die Spiegel einklappen müssen. Das Knarren der Bohlen unter den Rädern und das Nachgeben der Seile dürften manchen ausländischen Autofahrer den Schweiß auf die Stirn treiben. Aber die rumänische Konstruktion hat gehalten, uns alle unversehrt ans andere Ufer gebracht.

Ans andere Ufer müssen wir auch in Braila. Nur ist es dieses Mal die mächtige Donau, die hier einen Knick nach Süden macht. Eine Brücke gibt es nicht. Fährmeister übernehmen den Job. Seltsam: Diese Verbindung gilt als Teil der Europastraße 87.
Die Landschaft beginnt nun flach wie eine Pizza zu werden. Wir erreichen die Ausläufer des Donaudeltas, passieren schließlich Tulcea, jene Multi-Kulti-Stadt mit der wohl vielseitigsten Vergangenheit Rumäniens. Einst reiche Handelsmetropole voller herrschaftlicher Gebäude und zeitweise Heimat von Tataren, Bulgaren, Russen und Türken, ist davon heute architektonisch nicht mehr viel zu sehen. Aber Tulcea bemüht sich derzeit, wieder ein bisschen Flair in die Stadt zu holen, zumindest im Hafenbereich.

Aus der Tristesse ins zauberhafte Donaudelta

Dennoch ist es enttäuschend, dass kleine Städte und Dörfer den Reisenden nicht animieren, mal eine Pause einzulegen, auch wenn dies einem die Landkarte suggeriert. Gemütliche Cafés oder Restaurants am Straßenrand oder nett gestaltete öffentliche Plätze, wie wir sie im Westen kennen, sucht man vergeblich, selbst an vermeintlichen romantischen Lagen am Ufer der Donau.

Aufhören, nicht wann es am schönsten ist, sondern wo es am schönsten ist. Wir erreichen das Donaudelta und fühlen uns augenblicklich an die Everglades in Florida erinnert. Dobrudscha nennt man die Landschaft zwischen dem Unterlauf der Donau und dem Schwarzen Meer, ein Paradies für Naturliebhaber, Vogelkundler und Angler. Das Donaudelta ist seit 1991 Teil des UNESCO-Weltkulturerbes und bildet ein dichtes Gewebe aus wilden Kanälen, Seen, Sümpfen, Schilfrohrinseln, Sanddünen, Hügeln und Urwäldern. Allein der Anblick ist jede Reise hierhin wert. Wir sollten eine Verlängerungswoche einlegen, um wenigstens einen Teil dieser Schönheit mitzubekommen. Dabei nicht nur Pelikane bei ihrer geschickten Futtersuche zu beobachten, sondern vielleicht auch mit Glück die letzten Delfine zu sehen, die es im Schwarzen Meer noch gibt.