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Methan-Studie: Darum ist Antibiotika für Rinder vielleicht klimaschädlich

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Bekommt eine Kuh Antibiotika, dann wird ihr Dung vermutlich klimaschädlicher. Denn dieser enthält dann mehr Methan | Digital Vision. via Getty Images
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  • Rinder setzen Methan frei
  • Durch eine Antibiotika-Behandlung steigt der Treibhausgas-Anteil im Dung
  • Weitere Forschungen sind nun nötig

Bekommen Kühe Antibiotika dann ist das wahrscheinlich klimaschädlich. Denn diese Rinder sollen wohl noch mehr Methan ausstoßen, als sie durch ihre Rülpser und ihren Dung bereits ohne das Medikament freisetzen.

Zu diesem überraschenden Ergebnis sind Forscher nach einer ersten kleinen Testreihe gelangt. Möglicherweise profitierten die methanbildenden Mikroben im Darm der Tiere davon, dass die Bakterien dort durch die Antibiotika gehemmt werden. Das schreibt das Team in dem Online-Magazin "Proceedings B" der britischen Royal Society.

Der weit überwiegende Teil des von Rindern freigesetzten Methans wird allerdings beim Rülpsen abgegeben - die Wirkung von Antibiotika auf diesen Prozess untersuchten die Forscher nicht.

Jede Kuh gibt tägliche Hunderte Liter Methangas ab

Es ist also wieder an der Zeit sich bewusst zu machen: Rinder produzieren jeden Tag Hunderte Liter Methangas je Tier und tragen damit zur Klimaerwärmung bei. Das Gas entsteht beim Zelluloseabbau durch bestimmte Mikroben im Pansen der Wiederkäuer.

Im Dung läuft dieser Prozess noch einige Zeit weiter. Wenn Dungkäfer Tunnel durch die auf den Wiesen liegenden Fladen graben, gelangt Sauerstoff hinein. In der Folge sinkt die Menge freigesetzten Methans, weil die Methanbildner durch Kontakt mit Sauerstoff absterben.

Forscher machten den Kuh-Vergleich

Die Forscher um Tobin Hammer von der University of Colorado in Boulder (USA) wollten nun klären, inwiefern sich dieses Zusammenspiel bei der Gabe von Antibiotika verändert. Insgesamt zehn Rinder wurden in ihre Testreihe einbezogen. Fünf von ihnen erhielten Tetracycline, in der Landwirtschaft häufig eingesetzte Breitband-Antibiotika.

In einige der anschließend von den Tieren fallengelassenen Fladen wurden die sogenannten Grabenden Dungkäfer (Aphodius fossor) gesetzt. Anschließend untersuchten die Forscher die Mikrobenzusammensetzung im Dung sowie im Verdauungstrakt der Käfer und erfassten die Menge freigesetzten Methans, Kohlendioxids und Distickstoffmonoxids (das man auch als Lachgas kennt).

Das Ergebnis: Mehr Methan im Dung durch Antibiotika

Sowohl im Dung als auch bei den Käfern war die Mikrobenzusammensetzung nach Antibiotikagabe eine andere. Größe, Vermehrungsrate und Zahl der Käfer blieben aber gleich. Trotz der somit wohl gleichbleibenden Durchlüftung über die Käfergänge wurde in den Fladen behandelter Kühe fast die doppelte Menge Methan freigesetzt.

Tetracycline (also die Antibiotika) wirkten auf die zu den Archaeen gehörenden Methanbildner der Kühe weit weniger als auf Bakterien, erläutern die Forscher. Möglicherweise gebe es einen Konkurrenzvorteil.

Die genauen Ursachen des Effekts müssten aber noch untersucht werden. Keine Unterschiede gab es beim Kohlendioxid, der Lachgasausstoß war jeweils in den von Dungkäfern besiedelten Fladen höher und verminderte sich dort bei Antibiotikagabe leicht.

Weitere Forschungen laut Agrarwissenschaftler nötig

Aber: Der Agrarwissenschaftler Michael Kreuzer von der Universität in Zürich beziffert den Anteil des Methans, das über den Dung der Rinder frei wird, auf zehn bis zwanzig Prozent. "Antibiotika verändern die Mikroben im Pansen und im Dung", sagte Kreuzer, der nicht an der Studie beteiligt war. Das könne alles Mögliche anrichten.

Eine weitergehende Aussage ist für Kreuzer aber nicht möglich. Denn: Nach einer Vorstudie mit zehn Tieren müssten aber auf jeden Fall noch intensivere Forschungen folgen, um das Ergebnis der Wissenschaftler zu bestätigen.

Forscher warnen vor ausgedehntem Antibiotika-Einsatz in der Landwirtschaft

Das Interesse daran ist für die Forschung wohl nicht so gering. Bereits für viele Tierarten und auch den Menschen wurde gezeigt, dass Antibiotika die Zusammensetzung der Bakteriengemeinschaften im Verdauungssystem verändern.

Aber speziell zur Wirkung auf methanbildende Mikroben gebe es noch kaum Analysen, schreiben die Forscherin den "Proceedings B". Generell begünstigt der Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung die Entwicklung und Verbreitung von Resistenzen - mit Folgen auch für den Menschen.

In einer von der britischen Regierung in Auftrag gegebenen Studie kamen Forscher erst kürzlich zu dem Schluss, dass ohne entsprechende Gegenmaßnahmen künftig zehn Millionen Menschen weltweit pro Jahr an Infektionen mit resistenten Erregern sterben könnten.

Derzeit sind es demnach etwa 700.000 jährlich. Das Forscher-Team um den britischen Ökonomen Jim O'Neill forderte in einem Zehn-Punkte-Programm unter anderem, den Gebrauch von Antibiotika in der Landwirtschaft weltweit einzuschränken. Für die Menschen - und vielleicht auch für unser Klima.

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  • (lk)