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Martin Schulz: Idomeni ist "Schandfleck" für Aufnahme-Verweigerer

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IDOMENI
Idomeni: Räumung geht weiter - Martin Schulz sieht "Schandfleck" | POOL New / Reuters
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  • EU-Parlamentspräsident Schulz nannte Idomeni einen "Schandfleck" für Europa
  • Gestern hatte die Räumung des wilden Flüchtlingscamps in Idomeni begonnen
  • Über 2000 Flüchtlinge wurden bereits aus dem Camp an der griechisch-mazedonischen Grenze in andere Auffanglager gebracht

EU-Parlamentspräsident Schulz mahnt mit Blick auf das Camp an der griechisch-mazedonischen Grenze: "Das ist ein Schandfleck für diejenigen Mitgliedsstaaten, die nicht bereit sind, Flüchtlinge aufzunehmen, und die die Griechen mit diesem Problem alleine lassen.“

Schulz: "Schuld haben die Staaten, die sich weigern, Flüchtlinge aufzunehmen"

Er sieht die Schuld für die Eskalation an der griechisch-mazedonischen Grenze im Gespräch mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung“ bei den nicht aufnahmewilligen Staaten Europas: "Die Staaten, die sich hartnäckig weigern, Flüchtlinge aufzunehmen, haben die EU in solch eine Situation getrieben.“

Schulz forderte: "Wir dürfen Griechenland mit dem Flüchtlingsproblem nicht alleine lassen.“ Der EU-Parlamentspräsident verlangte mehr Einsatz von allen 28 EU-Staaten in der Flüchtlingsfrage: "Ich erwarte, dass alle Staaten an der Verteilung teilnehmen.“

Räumung verläuft friedlich

Unterdessen ist die Räumung des Flüchtlingscamps im griechischen Idomeni ist in vollem Gange. Am Dienstag haben gut 2000 Menschen das wilde Lager an der Grenze zu Mazedonien verlassen. Sie wurden mit Bussen in Auffanglager gebracht.

Widerstand gegen die Umsiedelungsmaßnahmen gab es am ersten Tag nicht. Die Evakuierung des Camps, in dem sich zuletzt noch bis zu 9000 Menschen aufhielten, soll mehrere Tage dauern. Viele der sich in Idomeni befinden Flüchtlinge hatten bis zuletzt auf eine Wiederöffnung der Balkanroute gehofft, damit sie nach Mittel- und Nordeuropa weiterreisen können.

greek police idomeni

Bis zu 15.000 Menschen - unter ihnen viele Frauen und Kinder - harrten im März trotz unwürdiger Zustände in Idomeni aus. Mehrmals kam es zu gewalttätigen Ausschreitungen weil Flüchtlinge in ihrer Verzweiflung versuchten die Grenzzäune zu überwinden und von Polizeibeamten gestoppt wurden.

Fast 1500 Polizisten im Einsatz

Die lange angekündigte Räumung des Lagers in Idomeni hatte am frühen Dienstagmorgen begonnen. Rund 1400 Polizisten hielten sich in Bereitschaft und sperrten das Lager weiträumig ab. Polizeibeamte in Zivil kontrollierten jeden, der nach Idomeni fahren wollte. Sie ließen nur Einwohner der Region durch.

maceodnian police idomeni

Die Polizei veröffentlichte am Nachmittag Videoaufnahmen, die von ihrem Hubschrauber aus gedreht worden waren. Deutlich zu sehen waren Migranten, die koordiniert und ohne Gewaltanwendung in Busse stiegen und das Lager verließen. Augenzeugen berichteten, Zelte und Plastikplanen sowie Müll seien mit einem Bagger beseitigt worden.

Griechische Behörde: "Alles läuft am Schnürchen"

Reporter zählten bis zum Abend mindestens 40 Busse, die das Lager verließen und ins Landesinnere fuhren. Die Aktion sollte bis Einbruch der Dunkelheit fortgesetzt werden und am Mittwochmorgen fortgesetzt werden.

"Alles wie am Schnürchen. Die Menschen kommen jetzt in bessere Lager“, sagte der Sprecher des Stabes für die Flüchtlingskrise, Giorgos Kyritsis, im griechischen Rundfunk. Diese sind überwiegend in der Region der Hafenstadt Thessaloniki.

Werden die Flüchtlingen in noch schlimmere Lager gebracht?

Die Hilfsorganisation medico international beklagte, die Zustände in anderen Lagern seien teilweise noch schlechter als in Idomeni. Die versprochenen Zugänge zum Asylverfahren und Familiennachführung scheiterten zumeist an der mangelhaften Ausstattung, die auch eine Folge der EU-Sparpolitik sei.

Auch die Linken-Innenexpertin Ulla Jelpke bezeichnete es als "armselig", dass die Flüchtlinge in andere Lager gebracht würden, wo noch schlimmere Zustände herrschten. "Deutschland und andere EU-Mitgliedstaaten hätten diese Flüchtlinge aufnehmen müssen."

Flüchtlingskrise: Helft den Helfern!

Die Flüchtlingskrise bewegt die Deutschen wie kein anderes Thema. Viele blicken fassungslos auf das, was sich an Europas Grenzen abspielt. Auf das Leiden und die Nöte der Hilfesuchenden.

Dabei gibt es zahlreiche Menschen und Organisationen, die vor Ort helfen, die Probleme zu lösen. Zusammen mit der Spendenplattform betterplace.org nennt die Huffington Post spannende Projekte, die ihr direkt unterstützen könnt.

Die Nachrichten von ertrunkenen Flüchtlingen nehmen kein Ende. Auch, weil es viel zu wenig Rettungskräfte auf dem Mittelmeer gibt. Hier versucht die Mannschaft des Schiffes Sea Watch 2. zu helfen. Spenden benötigt die Crew für Nahrung, Schwimmwesten und Medikamente.

Auf der sogenannten Balkanroute ist ein großer Teil der Flüchtlinge unterwegs. Der Verein Soups & Socks versorgt Flüchtlinge hier mit einer warmen Mahlzeit und anderen lebensnotwendigen Dingen. Hier geht es weiter zur Soups & Socks Tour.

Ein weiteres Problem sind die vielen unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlinge in Berlin. Ihnen vermittelt die Organisation Akinda beispielsweise einen gesetzlichen Vertreter. Wie das geht, beschreiben die Initiatoren hier.

bp