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Steh auf und nimm dein Leben in die Hand

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Steh auf und nimm dein Leben in die Hand | gruizza via Getty Images
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Wir Menschen sind manchmal behäbige Gewohnheitstiere. Es ist ein gutes Gefühl, sein Leben im Griff zu haben. Warum sollen wir etwas ändern, wenn kein echter Anlass dazu besteht? Lohnt sich der Aufwand? Der Esel geht doch auch nicht aufs Eis, wenn die Gefahr besteht einzubrechen. Klar, es könnte besser laufen, aber man kennt ja nun genug Menschen, denen es noch viel schlechter geht…

Von Menschen, die aus einer akuten Not heraus ihre Lebensrichtung ändern müssen, haben wir ja schon gesprochen. Von Menschen, die vielleicht gerade ihren Arbeitsplatz verloren, auf die falschen Aktien gesetzt, eine dramatische Diagnose vom Arzt bekommen oder einen geliebten Menschen verloren haben oder die durch unglückliche Umstände und Gegebenheiten in eine missliche Lage geraten sind. Diesen Menschen bleibt gar nichts anderes übrig, als sofort eine Kurskorrektur vorzunehmen, und daher stellt sich für sie auch nicht die Frage, was sie ihnen bringen kann. Das sind aber wirklich Extremfälle.

Bei allen anderen geht der Kurskorrekturprozess eher schleichend vonstatten. Erst denkt man: "Ach, früher war das hier in der Arbeit schon ein bisschen netter. Da wurde mal gelacht oder zusammen Geburtstag gefeiert." Seit der neue Abteilungsleiter da ist, fühlt man sich ständig gehetzt. Alles muss per gestern fertiggestellt sein. Relevante Informationen, die man haben müsste, um Fehler zu vermeiden, werden nicht mehr weitergegeben, und sollte man es wagen, einen Urlaubszettel einzureichen, wird man gefühlte zwei Wochen geschnitten. Da man sich mit den Kollegen gut versteht, hofft man, dass sich die Lage bald wieder zum Besseren wendet. Leider wird es schlimmer.

Der Zeitpunkt ist gekommen

Der auf seine Karriere bedachte neue Vorgesetzte hat es irgendwie geschafft, dass nette Kollegen aus dem Team die Abteilung wechseln mussten und die nun vakanten Arbeitsplätze von ebenso karrieresüchtigen Kollegen besetzt wurden. Jetzt ist es mit der Harmonie und dem noch halbwegs erträglichen Arbeiten vorbei. Man muss nicht Medizin studiert haben, um zu wissen, welche Auswirkungen ein solch destruktives Arbeitsklima auf Körper und Seele haben kann. Der fast überfällige Zeitpunkt für einen Richtungswechsel ist gekommen.

Es ist immer wieder erstaunlich zu beobachten, welch langen Atem Menschen unter Beweis stellen, wenn es darum geht, sich aus fast unzumutbaren Verhältnissen herauszubewegen. Ob es die Ehe ist, die man vor zwanzig Jahren eingegangen ist und jetzt nicht so einfach auflösen möchte, da man beruflich eng miteinander verflochten ist – und da sind ja auch noch die Kinder.

Ob es der Job ist, den man gerade als Projektmanagerin angetreten hat, der aber, wie sich herausstellt, nur vergeben wurde, damit die Budgetstelle für die Abteilung nicht gestrichen wird, so dass man im Grunde genommen nicht ausgelastet ist – schon gar nicht mit einer befriedigenden Arbeit.

Welche Mechanismen sind da am Werk, dass es uns so schwerfällt, uns von "Schlechtem" zu trennen? Ist es die vage Hoffnung, dass es doch noch besser wird? Dass alles ein Versehen ist? Ist es die Angst, dass die neuen Lebensumstände, in die wir uns durch einen Wechsel begeben würden, noch schlimmer sein könnten als die alten? Ist es die fatalistische Haltung, dass wir am Gang der Dinge sowieso nichts ändern können?

Es gibt heute sehr viele Lösungen für jegliche Art von Problemen. Wir müssen nur die Augen öffnen und hinschauen. Oder hinfühlen. Denn wenn wir uns trauen, hinzufühlen und in uns hineinzuhorchen, spätestens dann merken wir selbst, dass wir eine Kurskorrektur und einen Richtungswechsel nicht länger aufschieben sollten. Alles das, was sich nicht gut in uns anfühlt, was uns stört oderauf der Seele liegt, sollten wir genauer unter die Lupe nehmen.

Die Zeit, die wir uns nehmen müssen, um der jeweiligen Ursache auf die Spur zu kommen, ist gut investiert. Oft fängt es nämlich mit einem harmlosen Grummeln in der Magengegend an und hört, wenn wir zu lange warten, bei der totalen Erschöpfung auf.

Warum lohnt es sich also auch für Sie, einen Richtungswechsel ins Auge zu fassen?

–– Weil es immer einfacher ist, etwas zu ändern, solange Sie noch handlungsfähig sind.
–– Weil Sie sich lebendig fühlen, wenn Sie etwas Neues anpacken.
–– Weil Sie es nicht zulassen sollten, dass andere Menschen die Regie in Ihrem Leben führen.
–– Weil Ihnen das Glück entgegenkommt, sobald Sie anfangen loszulaufen.
–– Weil Sie einen großen Energieschub erfahren werden, wenn Sie sich von alten Fesseln lösen.
–– Weil Sie es verdient haben, glücklich zu sein.

Quicktest zur Entscheidungsfindung

Für alle diejenigen, die sich noch immer nicht sicher sind, ob sie die Kurskorrektur, die sie bereits im Kopf haben, auch tatsächlich durchführen sollen, habe ich einen kleinen Fragenkatalog erstellt.

Lassen Sie bei der Beantwortung der einzelnen Punkte Ihre Gefühle ebenso zu Wort kommen wie Ihren Verstand. Vielleicht sogar mehr die Gefühle als den Verstand, denn ich habe Ihnen in den vorhergehenden Kapiteln ja an vielen verschiedenen Beispielen demonstriert, dass der Verstand gern auf die Bremse tritt, wenn er merkt, dass das Gefühl Gas geben will. Und Sie wollen schließlich vom Fleck kommen, stimmt’s?

Nun zu den Fragen:
–– Was müssen Sie hinter sich lassen, wenn Sie sich auf den neuen Weg begeben? Und wollen Sie das?
–– Welche Schwierigkeiten könnten auf Ihrem Weg ins Ziel auftauchen?
–– Bei welchen dieser eventuell auftauchenden Hindernisse hätten Sie im Moment keine Lösung?
–– Wer könnte Ihnen helfen, Lösungen zu finden?
–– Was wäre das Schlimmste, was auf dem Weg in das neue Leben passieren könnte?
–– Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Punkt eintritt?
–– Wenn Sie sicher wären, dass Sie mit Ihrem Vorhaben nicht scheitern können, würden Sie dann sofort damit beginnen, Ihre neuen Ziele zu verfolgen?
–– Was gewinnen Sie, wenn Sie in Ihr neues Leben eintauchen?
–– Wie werden Sie sich fühlen, wenn Sie Ihr Ziel erreicht haben?
–– Warum glauben Sie, dass Sie es schaffen werden, Ihr Ziel zu erreichen?
–– Was werden Ihre liebsten Menschen sagen, wenn Sie an Ihrem Ziel angekommen sind?
–– Warum ist es sinnvoll, die Kurskorrektur vorzunehmen?
–– Welchen Nutzen hat dieses Projekt für Sie und Ihr Umfeld?
–– Welcher Zusatznutzen könnte daraus entstehen?
–– Womit werden Sie sich belohnen, wenn Sie den Weg ins Ziel gemeistert haben?

Und? Alles klar? Wusste ich’s doch: Sie haben sich für eine
Kurskorrektur entschieden.

Der Beitrag ist ein Auszug aus folgendem Buch:

Diana Dreeßen: Steh auf und nimm dein Leben in die Hand
Kurskorrektur für Anfänger und Fortgeschrittene.
© 2015 dtv Verlagsgesellschaft, München.

Hier könnt ihr das Buch kaufen.

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